Weltkrebstag 2017: Schwerpunkt auf Frühdiagnose

WHO/Sergey Volkov

Die Krebslast in der Europäischen Region der WHO steigt weiter und stellt eine ungeheure körperliche, emotionale und finanzielle Belastung für die Betroffenen, ihre Familien und ihr Umfeld sowie für die Gesundheitssysteme dar. Trotz Anstrengungen in den Bereichen Prävention, Früherkennung und Therapie hat die Krebssterblichkeit zwischen 2000 und 2015 in allen Teilen der Europäischen Region um 6,6% zugenommen. Doch während dieses Zeitraums ist es einer Reihe von Ländern – darunter Belarus, Dänemark, Irland, Israel, Luxemburg, Norwegen, Schweden, der Schweiz, Tadschikistan, Tschechien, der Türkei, Turkmenistan und dem Vereinigten Königreich – gelungen, die Krebssterblichkeit zu senken, was beweist, dass dies möglich ist. So konnten die Sterblichkeitsraten in Luxemburg um 16% und in Norwegen und der Türkei um 11% gesenkt werden.

Bekämpfung von Krebs durch Prävention, Früherkennung und wirksame Therapie

Die Erhöhung der Investitionen in die Prävention kann erhebliche Wirkung zeigen, wie am Beispiel einiger Länder ersichtlich wird. Zwischen 2000 und 2012, als die Krebsinzidenz in 17 Ländern der Europäischen Region um mehr als 30% stieg, konnten andere Länder, die konsequent in die Prävention investiert hatten, die Krebsinzidenz unter Kontrolle halten oder sogar senken.

Doch Prävention ist nicht der einzige Weg zu einer erfolgreichen Krebsbekämpfung. Vielmehr spielen auch Früherkennung und eine wirksame Behandlung eine entscheidende Rolle. Die Türkei ist ein Paradebeispiel dafür, was ein kompetentes Krebsmanagement bewirken kann: Denn nachdem die Krebsinzidenz in dem Land zwischen 2000 und 2010 rapide gestiegen war, ging die Krebssterblichkeit danach dank Verbesserungen bei der Frühdiagnose und der Behandlung um 16% zurück.

Frühdiagnoseprogramme: ein schneller und kosteneffektiver Weg zur Senkung der Krebssterblichkeit

Zum Weltkrebstag am 4. Februar 2017 veröffentlicht die WHO einen Leitfaden zur Früherkennung von Krebs, insbesondere durch die Umsetzung von Programmen zur Frühdiagnose.

Bei der Früherkennung von Krebs ist zwischen zwei Strategien zu unterscheiden:

  1. Frühdiagnose zur Identifizierung von symptomatischen Krebsfällen zum frühestmöglichen Zeitpunkt; und
  2. Vorsorgeuntersuchung zur Erkennung von Krebs vor Auftreten der ersten Symptome bei scheinbar gesunden Personen.

Der neue Leitfaden der WHO soll den Planern im Gesundheitsbereich dabei behilflich sein, den Unterschied zwischen diesen beiden Strategien, ihre Relevanz für bestimmte Krebstypen und ihre Anforderungen an das Gesundheitssystem sowie ihre Wirkungen, Kosten und Folgen zu verstehen, sie letztendlich wirksam umsetzen zu können. Innerhalb der Europäischen Region wird primär in Vorsorgeuntersuchungen investiert, bevor sichergestellt wird, dass eine Frühdiagnose möglich ist und voll wirksam umgesetzt werden kann. In dem Leitfaden wird erklärt, warum dies kein kosteneffektiver Ansatz ist und wie das Fehlen einer soliden Grundlage für Diagnose und Therapie die Bemühungen im Bereich der Vorsorgeuntersuchung ernsthaft beeinträchtigen kann, insbesondere mit Blick auf Brust- und Darmkrebs.

Eine wirksame Reaktion, die Leben rettet

Eine verspätete Krebsdiagnose und der fehlende Zugang zur Therapie haben den Verlust zahlloser Menschenleben und die Zunahme von Behinderungen zur Folge. Bei der Krebsbekämpfung muss vor allem der Aufbau umfassender Gesundheitssysteme in den Mittelpunkt gestellt werden, die primär auf hochwirksame und kostensensible Interventionen setzen. Jeder Todesfall infolge von Krebs ist eine Tragödie für Angehörige und Umfeld der Betroffenen. Durch die Entwicklung wirksamer Programme für die frühzeitige Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen können Menschenleben gerettet und die persönlichen, gesellschaftlichen und ökonomischen Kosten von Krebs gesenkt werden.