Der gesundheitsschädliche Einfluss der Tabakindustrie

WHO

Der Weltnichtrauchertag (31. Mai) handelt diesmal von den Versuchen der Tabakindustrie, den Kampf gegen die Tabakepidemie zu vereiteln, und davon, wie die Industrie hieran gehindert werden kann, etwa durch die Umsetzung des Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs.

Das von 174 Ländern ratifizierte Rahmenübereinkommen fordert die Annahme und Umsetzung von Maßnahmen zur Tabakbekämpfung. Artikel 5.3 und die entsprechenden Leitlinien handeln von Einmischungsversuchen der Tabakindustrie und Möglichkeiten ihrer Zurückweisung.

Das Problem

Über 6 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen der globalen Tabakepidemie. Tabak ist das einzige Verbrauchsgut, das 50% der Konsumenten tötet, wenn es vorschriftsgemäß angewendet wird. Wenn hier nicht ernsthaft eingeschritten wird, könnten im 21. Jahrhundert bis zu eine Milliarde Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben. In der Europäischen Region der WHO sind bis zu 21% aller Todesfälle dem Rauchen zuzuschreiben.

In den vergangenen Jahrzehnten hat ein Bündel aus Besteuerung, Kennzeichnungspflicht sowie Rauch- und Werbeverboten in vielen Ländern eine sehr positive Entwicklung herbeigeführt: der Tabakkonsum und die Nachfrage nach Tabakerzeugnissen geht dort zurück. Als Antwort hierauf hat die Tabakindustrie in der Region viele Taktiken entwickelt, um diese Fortschritte auszuhöhlen:

  • indem sie Stellvertreter vorschickt, ihre Interessen zu fördern,
  • indem sie in den politischen und parlamentarischen Prozess eingreift,
  • indem sie wissenschaftliche Erkenntnisse und die Medien manipuliert,
  • indem sie sich den Anschein eines verantwortlichen und respektablen Akteurs gibt.

Was die Regierungen tun können

Im Rahmenübereinkommen werden die Bedeutung der Einmischungsversuche der Tabakindustrie und die Konsequenzen für die Tabakbekämpfung erkannt. In Artikel 5.3 haben die Vertragsparteien dazu erklärt:

„Bei der Festlegung und Durchführung ihrer gesundheitspolitischen Maßnahmen in Bezug auf die Eindämmung des Tabakgebrauchs schützen die Vertragsparteien diese Maßnahmen in Übereinstimmung mit innerstaatlichem Recht vor den kommerziellen und sonstigen berechtigten Interessen der Tabakindustrie.“

Konkret können die Regierungen etwa:

  • sich selbst die Einmischungsversuche der Tabakindustrie vergegenwärtigen und andere dazu ermutigen,
  • klare Empfehlungen und Vorschriften für Amtsträger erlassen und verbreiten,
  • die Tabakindustrie reglementieren,
  • jeden Anreiz vermeiden.

Außer zu mehr Bewusstsein für den Einfluss der Tabakindustrie soll der Weltnichtrauchertag 2012 auch dazu führen, dass die Länder ihre Erfahrungen mit der Einmischung der Industrie und mit wirksamen Gegenmaßnahmen untereinander austauschen.


Hinweis: Alle Zitate mit Ausnahme des Artikels 5.3 des Rahmenübereinkommens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs sind einem Beitrag von Hastings G., Angus K. unter der Überschrift „The influence of the tobacco industry on European tobacco-control policy“ entnommen. Dieser ist erschienen in: „Tobacco or health in the European Union. Past, present and future“. Luxemburg, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Kommission, 2004 (http://ec.europa.eu/health/archive/ph_determinants/life_style/tobacco/documents/tobacco_exs_de.pdf). [Deutsch mit englischem Deckblatt]