Bewegungsmangel und Diabetes

WHO

Weltweit bewegen sich die Menschen weniger als früher. In der Europäischen Region der WHO haben über ein Drittel der Erwachsenen und über zwei Drittel der Jugendlichen zu wenig Bewegung. Damit ist Bewegungsmangel zu einem führenden Risikofaktor für gesundheitliche Probleme geworden. In der Europäischen Region lassen sich jährlich 1 Mio. Todesfälle und der Verlust von 8,3 Mio. behinderungsbereinigten Lebensjahren auf Bewegungsmangel zurückführen. 

Die Abnahme der Bewegung hat eine Ausbreitung nichtübertragbarer Krankheiten zur Folge. Diabetes gehört zu den vier wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten und ist zusammen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen für einen Großteil der Krankheitslast und der vorzeitigen Todesfälle in der Europäischen Region verantwortlich. Insgesamt leben in der Europäischen Region 60 Mio. Menschen mit einer Diabetesdiagnose, und nach Schätzungen werden 50% der Diabetesfälle nicht diagnostiziert. Die Prävalenz der Krankheit ist überall auf der Welt auf dem Vormarsch, und nach Prognosen der WHO wird Diabetes bis 2030 die siebthäufigste Todesursache sein. 

Risikofaktoren für Diabetes

Zu den Risikofaktoren für Diabetes zählen Übergewicht und Adipositas, eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel, die für etwa 80% der Zunahme der Fallzahlen verantwortlich sind. Diese Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Allein der Bewegungsmangel ist nach Schätzungen für 7% der Krankheitslast aufgrund von Typ-2-Diabetes in der Europäischen Region verantwortlich. Übergewicht und Adipositas verursachen nach Schätzungen 65% bis 80% der neuen Fälle von Diabetes. 

Kinder brauchen mindestens eine Stunde gemäßigter bis intensiver körperlicher Betätigung pro Tag. Doch heute bewegen sich nur 34% der 13- bis 15-jährigen Jugendlichen in der Europäischen Region entsprechend dem in den aktuellen Leitlinien empfohlenen Maß. Generell nimmt das Maß an Bewegung bei Jugendlichen im Alter von 11 bis 15 Jahren stark ab, insbesondere bei Mädchen.

Die Ursachen des Bewegungsmangels sind überwiegend umwelt- und systembedingt. Es wird immer schwieriger, ein ausreichendes Maß an Bewegung aufrechtzuerhalten, da das alltägliche Lebens- und Arbeitsumfeld der Menschen zunehmend durch sitzende Tätigkeiten bestimmt wird. Darüber hinaus gibt es erhebliche Ungleichheiten in Bezug auf das Bewegungsverhalten. So haben einkommensschwache Menschen in der Regel weniger Freizeit und nur begrenzt Zugang zu Freizeiteinrichtungen, oder sie leben in einem Umfeld, das sich nicht für körperliche Betätigung eignet. Angehörige ethnischer Minderheiten und Menschen mit Behinderungen und sind schwerer mit Initiativen zur Bewegungsförderung erreichbar.

Maßnahmen der WHO zur Förderung von Bewegung

Für ein Ansetzen an den Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes und die Eindämmung ihrer steigenden Prävalenz sind gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Lösungsansätze erforderlich. Die vom Regionalbüro ausgearbeitete und vor kurzem angenommene Strategie der Europäischen Region zur Bewegungsförderung (2016–2025) ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Reduzierung der Krankheitslast aufgrund von Typ-2-Diabetes. Mit der Strategie sollen die Regierungen dazu veranlasst werden, im gesamten Lebensverlauf der Menschen Bewegung zu fördern und Hindernisse für Bewegung im Alltag zu beseitigen. 

Als vorrangige Handlungsoptionen kommen u. a. in Frage:

  • die Annahme nationaler Leitlinien für gesundheitsförderliche Bewegung;
  • Städteplanungs- und Verkehrskonzepte auf nationaler und subnationaler Ebene zur Verbesserung der Zugänglichkeit, Akzeptanz und Sicherheit aktiver Fortbewegung (z. B. Zufußgehen und Radfahren) und zur Schaffung einer unterstützenden Infrastruktur (z. B. Radwege, Gehsteige und Fußgängerzonen in städtischen Gebieten);
  • die Schaffung bzw. Erhaltung von bebauten und natürlichen Umgebungen zur Förderung von Bewegung, einschließlich Grün- und Wasserflächen für eine aktive Freizeitgestaltung (z. B. kostenlose Sporteinrichtungen im Freien, sichere fußgänger- und fahrradfreundliche Routen);
  • die Verbesserung des Sportunterrichts in Bildungseinrichtungen (von der frühen Kindheit bis zum tertiären Bildungswesen), auch durch Schaffung von Gelegenheiten für Bewegung vor, während und nach dem offiziellen Schultag, etwa im Schulsport;
  • Maßnahmen zur Unterstützung und Förderung von Initiativen zur „Bewegung für alle", insbesondere für Menschen mit Behinderungen und Angehörige ethnischer Minderheiten, u. a. in Form kommunaler Pläne zur Verbesserung des Zugangs zu geeigneten Optionen vor Ort (Erreichbarkeit und Bezahlbarkeit); 
  • Evidenz und kommunale Initiativen auf der Grundlage sozialen Marketings und innovativer Informations- und Kommunikationstechnologien (z. B. soziale Medien), um die Bevölkerung über den Nutzen von Bewegung aufzuklären und die Annahme gesunder Verhaltensweisen zu fördern; 
  • Förderung der Auswertung von Maßnahmen zur Verbesserung des Bewegungsverhaltens, um zur Schaffung eines Fundus von Erkenntnissen über wirksame und kosteneffektive Maßnahmen beizutragen. 

Bewegung ist auch ein Bestandteil des Aktionsplans zur Umsetzung der Europäischen Strategie zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten. Die Globale Strategie der WHO für Ernährung, Bewegung und Gesundheit ergänzt dessen Arbeit in Bezug auf Typ-2-Diabetes durch eine Schwerpunktlegung auf bevölkerungsweite Konzepte zur Förderung gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung. 

Verändertes Gesicht des Typ-2-Diabetes 

Typ-2-Diabetes galt bis vor kurzem als eine Krankheit für Menschen im mittleren und höheren Alter, doch tritt er inzwischen auch vermehrt im Kindes- und Jugendalter auf. Bis zu 27% der 13-Jährigen und 33% der 11-Jährigen in den Ländern der Europäischen Region sind übergewichtig oder adipös. Adipositas im Kindesalter wird stark mit einem erhöhten Risiko für nichtübertragbare Krankheiten wie Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Wer im Kindesalter übergewichtig ist, hat auch ein hohes Risiko für Übergewicht im Erwachsenenalter. Adipositas und Übergewicht im Kindesalter sind deshalb Schlüsselfaktoren für die erhöhte Prävalenz von Typ-2-Diabetes. 

Sensibilisierung für Diabetes

Der jährlich am 14. November begangene Weltdiabetestag dient der Sensibilisierung für die Krankheit. Diabetes ist auch der Schwerpunkt der Aktivitäten zum Weltgesundheitstag 2016 am 7. April.