Kinder haben ein Recht auf ein Familienleben
Lumos/Chris Leslie
In der Europäischen Region der WHO leben ca. 5 Mio. Kinder mit geistigen Behinderungen. Viele von ihnen werden in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht, müssen getrennt von ihrer Familie leben und werden diskriminiert und vernachlässigt. Es gibt immer wieder Hinweise darauf, dass in allen Teilen der Region, sogar in Ländern, die weitreichende Reformen durchgeführt haben, teilweise immer noch Methoden angewandt werden, die sehr schädliche Folgen haben können. Obwohl Gesundheit eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung und soziale Integration dieser Kinder ist, werden ihre grundlegenden körperlichen wie seelischen Gesundheitsbedürfnisse oftmals vernachlässigt.
Versorgung im sozialen Umfeld
Experten sind sich darüber einig, dass eine Versorgung im sozialen Umfeld der richtige Weg ist, doch ist dafür mehr erforderlich als nur eine Verlegung von Kindern und Jugendlichen mit geistigen Behinderungen in eine gemeindenahe Umgebung. Vielmehr muss die Unterstützung ihrer Einbindung in die Gemeinschaft auf vielen Ebenen erfolgen, von der Gesundheitsversorgung über Sozialfürsorge und Bildung bis hin zur Unterstützung von Familien und Betreuungspersonen. Ohne eine solche umfassende und vielseitige Unterstützung besteht die Gefahr einer Isolierung.
Der Weg für die Europäische Region
Eine Initiative der WHO mit dem Titel „Bessere Gesundheit, besseres Leben“ soll dafür sorgen, dass alle Kinder und Jugendlichen mit geistigen Behinderungen als vollwertige Mitglieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben und mit ihrer Familie zusammenleben können, in ihr Umfeld integriert sind und eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung und sonstige Unterstützung erhalten. Das WHO-Regionalbüro für Europa wird diese Initiative zusammen mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) auf einer Konferenz vom 26. bis. 27. November 2010 in Bukarest verkünden. In deren Abschlusserklärung sollen folgende vier Schlüsselziele genannt werden:
- Förderung und Unterstützung der physischen und psychischen Gesundheit und des physischen und psychischen Wohlbefindens von Kindern und Jugendlichen mit geistigen Behinderungen;
- Eliminierung gesundheitlicher und anderer Ungleichheiten und Verhinderung anderer Formen von Diskriminierung, Vernachlässigung und Missbrauch;
- ein Konzept der Unterstützung, bei dem Trennung vermieden wird und die Eltern in die Lage versetzt werden, ihre Kinder zu versorgen und zu schützen;
- Unterstützung der Kinder und Jugendlichen beim Ausschöpfen ihres Potenzials und bei einer erfolgreichen Bewältigung ihres Lebens.
Die Initiative wird von zahlreichen nichtstaatlichen Organisationen unterstützt, die auch an der Konferenz teilnehmen. Sie werden entscheidend dazu beitragen, die Bemühungen in den Ländern voranzutreiben und die Politiker an ihre Versprechen zu erinnern. Das Ziel besteht darin, Kindern und Jugendlichen mit geistigen Behinderungen zu einem sinnvollen Leben als Teil der Gesellschaft zu verhelfen.



