Ein gesundes Leben mit Schizophrenie

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Jährlich sind mehr als ein Drittel der Bevölkerung in der Europäischen Region von psychischen Störungen betroffen, und ein bis zwei Prozent von ihnen werden mit psychotischen Störungen diagnostiziert. Der Welttag der psychischen Gesundheit wird jährlich am 10. Oktober begangen, um weltweit für Themen der psychischen Gesundheit zu sensibilisieren.

Der thematische Schwerpunkt für 2014 ist ein gesundes Leben mit Schizophrenie, einer Erkrankung, über die oft immer noch vielerlei falsche Vorstellungen von einer unbehandelbaren und gefährlichen Krankheit herrschen, bei der es keine Hoffnung gibt. Viele Menschen mit Schizophrenie sind Misshandlung, Respektlosigkeit, Vernachlässigung und Diskriminierung ausgesetzt.
„Ich schäme mich nicht dafür, einmal „verrückt“ oder „schizophren“ gewesen zu sein, aber mir ist klar, dass die meisten Menschen, die nichts oder wenig über Psychiatrie oder Psychologie wissen, schon bei der Erwähnung solcher Erkrankungen schaudern“, sagt Lia, die über drei Jahre lang phasenweise an paranoider Schizophrenie litt.

Tatsächlich können mit Schizophrenie diagnostizierte Personen bei fachgerechter Behandlung und einem gesunden Lebensstil ein erfülltes Leben führen. Doch leider haben über die Hälfte der Menschen mit Schizophrenie keinen Zugang zu angemessenen Behandlungsangeboten, wobei ihr Anteil in ärmeren Ländern höher ist.

Die Reaktion der WHO

Die WHO ist der festen Überzeugung, dass jede Person mit einem psychischen Gesundheitsproblem unabhängig von ihrer Diagnose ein Recht auf Zugang zu denselben Leistungen wie alle anderen Bürger und einen Anspruch auf wunschgemäße und bedarfsgerechte Angebote im Bereich der psychischen Gesundheitsversorgung hat. Dies ist von zentraler Bedeutung für die Vision des Europäischen Aktionsplans für psychische Gesundheit, der 2013 von allen Mitgliedstaaten in der Europäischen Region angenommen wurde.

Darin werden die psychosozialen Dienste dazu ermutigt, nicht nur Therapien anzubieten, sondern auch Chancen zu schaffen, die Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen in die Lage versetzen, ihre eigenen Potenziale auszuschöpfen und auf eine selbstbestimmte Weise von ihrem Recht auf volle Beteiligung am gesellschaftlichen und familiären Leben Gebrauch zu machen. Die psychische Gesundheitsversorgung sollte auf Menschenrechte gestützt sein und sich an den Bedürfnissen und Hoffnungen des Einzelnen unabhängig von Diagnose oder Behinderungsgrad orientieren. Sie hat die Aufgabe, Hoffnung zu geben und den Betroffenen den Weg zu persönlichen Erfolgen zu ebnen.

Zugänglichkeit und Bezahlbarkeit

Die psychische Gesundheitsversorgung sollte für alle Bürger zugänglich und bezahlbar sein und passende Angebote bereitstellen, und die Behandlung muss respektvoll, sicher und wirksam sein. Es ist darauf zu achten, dass Verfahren eingeführt werden, die dazu beitragen, den vorzeitigen Tod von Menschen mit Schizophrenie ebenso zu verhindern wie die Stigmatisierung und Vernachlässigung, die sie oft in der allgemeinen Gesundheitsversorgung erfahren.

Die Lebenserwartung von Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen liegt um 10 bis 25 Jahre unter der der Allgemeinbevölkerung. Der Welttag der psychischen Gesundheit bietet eine großartige Gelegenheit, Bewusstsein zu schaffen und Veränderungen zu ermöglichen.