Lebensmittelvermarktung an Kinder beschränken

WHO/Tina Kiaer

Foto: WHO/Tina Kiaer

Die Vermarktung von Lebensmitteln an Kinder zielt meist auf stark fett-, zucker- und salzhaltige Produkte. Fernsehreklamen beeinflussen nachweislich die Lebensmittelpräferenzen, Kaufwünsche und Konsummuster von Kindern. Systematische Studien zeigen, dass die Werbung im Fernsehen ergänzt wird durch eine breite Palette aus Vermarktungstechniken wie Sponsoring, Werbung in anderen Medien, Produktplatzierung, Verkaufsförderung, Einsatz von Prominenten, bei Kindern beliebte Markenmaskottchen oder -figuren, Auslagen am Verkaufsort, E-Mail-Verteiler und Simsen. Kinder werden also vielfach und von unterschiedlichen Seiten mit Werbung für ungesunde Lebensmittel geradezu überhäuft. Die Bekämpfung schädlicher Folgen erfordert eine sektorübergreifende Antwort.

WHO-Empfehlungen, die von den Ländern im Mai 2010 gebilligt wurden, sollen daher die Wirkung von auf Kinder zielender Werbung für Lebensmittel und Getränke verringern, die einen hohen Anteil an gesättigten Fetten, Transfettsäuren, freien Zuckern oder Salz haben.

In der Europäischen Region der WHO ist jedes vierte Kind (24%) im Alter von 6–9 Jahren übergewichtig oder adipös (Spannbreite: 18–45%). Das ist der aktuelle Befund der europäischen Initiative für die Überwachung der Adipositas im Kindesalter (COSI für Childhood Obesity Surveillance Initiative). COSI bemüht sich um eine regelmäßige Erfassung der  Trends für Kinder im Primärschulalter in 17 europäischen Ländern.

Europäisches Aktionsnetz

Mit Unterstützung des WHO-Regionalbüros gründeten mehrere Länder im Jahr 2008 ein Aktionsnetz in der Region, das den Vermarktungsdruck auf Kinder abbauen soll. Heute beteiligen sich 19 Länder an diesem Netz, das langfristig die Gesundheit von Kindern schützen soll und dafür den Austausch von Erfahrungen und vorbildlichen Praktiken anstrebt, damit konkrete Maßnahmen benannt und verwirklicht werden, die Ausmaß und Wirkung der auf Kinder gerichteten Vermarktung von Lebensmitteln und Getränken substanziell verringern können, welche reich an gesättigten Fetten, Transfettsäuren, freien Zuckern oder Salz sind.

Empfehlungen

In den zwölf Empfehlungen der WHO für die Vermarktung von Nahrungsmitteln und nichtalkoholischen Getränken an Kinder wird zum Beispiel gefordert:

  1. Beschränkungen in Ausmaß und Inhalt der an Kinder gerichteten Werbung für Lebensmittel mit hohem Anteil an Fetten, Transfettsäuren, freien Zuckern oder Salz,
  2. stufenweise oder umfassende Ansätze zur Erreichung dieses Ziels,
  3. klare Vorgaben der Regierungen für die Lebensmittelvermarktung im Sinne einer einheitlichen Umsetzung,
  4. kindliche Umfelder frei von Werbung für Produkte mit hohem Anteil an gesättigten Fetten, Transfettsäuren, freien Zuckern oder Salz,
  5. Führungswille der Regierung in der Politikgestaltung und Anleitung anderer Akteure bei Umsetzung, Begleitung und Auswertung,
  6. erfolgsorientierte Berücksichtigung der verfügbaren Mittel sowie des möglichen Nutzens und Schadens durch die Mitgliedstaaten sowie ihre Zusammenarbeit gegen schädliche grenzüberschreitende Vermarktung,
  7. Nennung von Durchsetzungsmechanismen und Schaffung von Umsetzungssystemen durch jedes Rahmenkonzept mit klar definierten Indikatoren, Kontrolle der Übereinstimmung der Konzepte mit den Zielen sowie Evaluierung ihres Erfolgs,
  8. Angabe der vorhandenen Daten und Unterstützung der Forschung über Ausmaß, Wesen und Wirkung der Vermarktung von Lebensmitteln an Kinder durch die Regierungen.

Was die WHO tut

Die WHO dokumentiert die Umsetzung von Verhaltensregeln zur Vermarktung von Lebensmitteln und Getränken an Kinder. Ganz allgemein unterstützt die WHO die Mitgliedstaaten durch:

  • Fachunterstützung auf Anfrage,
  • Mitarbeit in europäischen Aktionsnetzen für eine stärkere internationale Zusammenarbeit,
  • Zusammenarbeit mit Zivilgesellschaft und öffentlichen und privaten Akteuren bei der Umsetzung der obigen Empfehlungen,
  • verstärkte Zusammenarbeit mit anderen zwischenstaatlichen Organisationen und Organen zur Umsetzung der Grundsätze für die Lebensmittelvermarktung in den Mitgliedstaaten,
  • Beobachtung der Politik in Bezug auf die Vermarktung von Lebensmitteln an Kinder.

Was die Privatwirtschaft tun kann

Verantwortungsbewusste Unternehmen können Lebensmittel und Getränke in einer Weise vermarkten, die:

  • die Grundsatzziele und -vorstellungen aus den WHO-Empfehlungen in der Praxis anwendet,
  • an jedem Ort die gleichen Vermarktungspraktiken anwendet und so die Chancengleichheit von Kindern überall sichert,
  • bei grenzüberschreitender Vermarktung nationale Initiativen respektiert und in allen Ländern gleichermaßen die höchsten Standards anwendet.