Anregende Studienfahrt nach Nordkarelien: 45 Jahre erfolgreich im gemeinsamen Kampf gegen den Herztod

Photo story - WHO organizes study tour to North Karelia, Finland

1972 wies Finnland die höchste Sterblichkeitsrate der Welt aufgrund koronarer Herzkrankheiten auf und die Region Nordkarelien im Osten des Landes wies die höchste Rate Finnlands auf. Daher initiierte die Region mit dem Nordkarelienprojekt eine umfassende bürgernahe Aktion zur Absenkung der Sterblichkeit aufgrund koronarer Herzkrankheiten und förderte gesündere Lebensweisen sowie eine Begrenzung von Risikofaktoren wie hohe Cholesterinaufnahme und Rauchen.

Das Projekt ist immer noch aktiv und es hat bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. In den 40 Jahren von 1972 bis 2012 ging die Sterblichkeit aufgrund koronarer Herzkrankheiten in der erwerbsfähigen Bevölkerung um 82% bei Männern und 84% bei Frauen zurück.

„Das Projekt beherzigt zwei Maximen: Das direkte Gespräch suchen und gemeinsame Interessen finden,“ erläutert Vesa Korpelainen, die nach vielen Jahren als Leiterin des nordkarelischen Gesundheitszentrums erst vor kurzem aus dem Dienst schied. Diese Grundsätze spiegeln das Vorgehen des Projekts wider: Möglichst viele Bereiche der Gesellschaft einbinden und leicht verständlich für ein gesünderes Verhalten werben.

Lehren aus der nordkarelischen Erfahrung

Eine Gruppe mit 28 Teilnehmern aus Facheinrichtungen und Gesundheitsbehörden Osteuropas und Zentralasiens unternahm neulich eine Studientour nach Nordkarelien. Im Laufe des zweitägigen Besuchs besuchte die Gruppe Firmen, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und nichtstaatliche Organisationen, die alle wesentlich zum Erfolg des Nordkarelienprojekts beitrugen.

„Ich nehme viele Ideen mit zurück von dieser Studienreise,“ sagte Roza Dzhakipova, kirgisische Koordinatorin für den Bereich nichtübertragbare Krankheiten aus Bischkek. „Die Zusammenarbeit unterschiedlichster Bereiche ist vielleicht der entscheidende Punkt.“

Auch die Betonung der Präventionsarbeit hat Dzahkipova beeindruckt. Bei ihrer Rückkehr nach Bischkek möchte sie ebenfalls eine ressortübergreifende Zusammenarbeit mit Fokus auf Prävention einleiten. „In meinem Land steht die Behandlung so sehr im Vordergrund, dass dorthin alle Ressourcen fließen. Wir müssen jedoch auch aktiv die Risikofaktoren beachten,“ sagte sie.

Iryna Rudenko aus der Ukraine fand besonders das Gespräch mit einer Gesundheitspflegerin einer örtlichen Sekundarschule interessant. „In der Ukraine geben wir hauptsächlich Tabletten gegen Kopf- und Magenschmerzen an die Schüler aus,“ sagte sie. „Die Pflegerin hier ist sehr aktiv, sie redet mit allen Schülern und ist leicht zu erreichen, wenn jemand sich nicht wohl fühlt.“

Banu Ekinci aus der Türkei faszinierte die Nachhaltigkeit des Nordkarelienprojekts. „Es läuft seit fast 50 Jahren und das beeindruckt mich schon sehr. Auch die Tatsache, dass alles so einfach gehalten und doch fachlich einwandfrei ist, ist wichtig,“ sagte sie.

Vesa Korpelainen pflichtet ihr als frühere Leiterin des Projekts bei: „Ich habe meinen Leuten gesagt, dass sie Mut zu einfachen Lösungen haben sollen und sich nicht um die Meinung ihrer Kollegen scheren.“

Zusammenarbeit macht alles möglich

Nino Kiknadze, Dozentin an der Abteilung für Familienmedizin der Medizinischen Universität Tiflis in Georgien, stellte fest, dass das große Vertrauen der nordkarelischen Bevölkerung auch eine wichtige Rolle gespielt habe. „Die Menschen vertrauen den Behörden und ihren guten Intentionen, was natürlich einem solchen Projekt zugute kommt,“ sagte sie.

Sie glaubt, dass sich Teile des Nordkarelienprojekts durch einen gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Ansatz auch in ihrem Land umsetzen ließen. „Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass alles möglich ist, wenn alle Ebenen mitspielen.“

Das Regionalbüro organisierte diese Studienfahrt im Rahmen des Projekts zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten, das vom russischen Gesundheitsministerium finanziert wird.