Neuesten Daten zufolge verzeichnen Länder Südeuropas die höchsten Adipositasraten bei Kindern

WHO

Den neuesten Daten (2015–2017) der WHO-Initiative zur Überwachung von Adipositas im Kindesalter (COSI) zufolge verzeichnen die Länder Südeuropas die höchsten Adipositasraten bei Kindern. In Griechenland, Italien, Malta, San Marino, Spanien und Zypern leidet etwa jeder fünfte Junge (zwischen 18% und 21%) an Adipositas. Dänemark, Frankreich, Irland, Lettland und Norwegen sind unter den Ländern mit den niedrigsten Raten (zwischen 5% und 9% bei beiden Geschlechtern).

Trotz der insgesamt hohen Raten bei Übergewicht und Adipositas in südeuropäischen Ländern ist in einigen von ihnen ein Rückgang zu verzeichnen. Bei der Vorstellung der Erkenntnisse auf dem Europäischen Kongress zum Thema Adipositas in Wien machte Dr. João Breda, Leiter des Europäischen Büros der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (Moskau), auf die in den Ländern mit der höchsten Prävalenz erzielten Fortschritte aufmerksam: „In Ländern wie Italien, Portugal, Spanien und Griechenland ist trotz der hohen Raten ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, der auf die erheblichen Anstrengungen in diesen Ländern in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Bewältigung und Prävention von Adipositas im Kindesalter zurückzuführen ist.“

Neben Daten zu Gewicht und Größe legten viele Länder im Rahmen des Programms auch Daten zur Ernährung wie etwa Essgewohnheiten vor. Erfreulicherweise nehmen in vielen Ländern drei Viertel oder mehr aller Jungen und Mädchen jeden Tag oder an den meisten Tagen (4–6) der Woche Obst zu sich, so etwa in Albanien, Dänemark, Irland, Italien, Montenegro, Portugal, der Russischen Föderation (Moskau), San Marino und Turkmenistan (in diesem Zusammenhang lagen keine Daten aus Frankreich oder anderen skandinavischen Ländern vor). Zudem war in diesen Ländern ein geringerer Verzehr (an 1–3 Tagen pro Woche oder überhaupt nicht) von Nahrungsmitteln wie Pizza, Pommes frites, Bratkartoffeln, Hamburgern, Würstchen oder Fleischpasteten bei Kindern zu verzeichnen. Zu den weiteren im Rahmen des Projekts erfassten Daten gehören die Meinung der Eltern zum Gewicht ihres Kindes sowie Bewegungsgewohnheiten. Doch auch hierzu wurden nicht von allen 34 Ländern Daten vorgelegt.

Dr. Breda unterstrich die Bedeutung von Ernährung und der elterlichen Wahrnehmung des Gewichts: „Es ist von entscheidender Bedeutung, den Verzehr von Obst und Gemüse bei Kindern zu erhöhen und gleichzeitig den Konsum von Süßigkeiten und insbesondere gezuckerten Erfrischungsgetränken zu reduzieren. Angesichts der Tatsache, dass unseren Daten zufolge viele Mütter ihre Kinder nicht als übergewichtig oder adipös ansehen, ist es darüber hinaus wichtig, Eltern und Familien auf die mit Adipositas im Kindesalter einhergehenden Probleme aufmerksam zu machen.“

Hinsichtlich der Entwicklung wirksamer Handlungskonzepte zur Bekämpfung von Adipositas betonte Dr. Breda die Rolle der Fortschrittsüberwachung durch die Erhebung von Daten, etwa im Rahmen von COSI: „Unser Überwachungssystem, welches das größte seiner Art weltweit ist, ist von zentraler Bedeutung, da es Daten liefert zum Ausmaß des Problems, seinen Determinanten und den von den Ländern erzielten Fortschritten. In einigen der beteiligten Ländern wurden seit dem Beginn des Projekts im Jahr 2007 diesbezügliche Daten erhoben, und schon bald wird uns eine Trendanalyse zur Verfügung stehen. Die Daten sind für die politischen Entscheidungsträger sehr nützlich. Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, müssen sie die Daten ihres eigenen Landes zu Adipositas im Kindesalter kennen und wissen, ob politische Handlungskonzepte Veränderungen bewirken können. Ein Überwachungstool wie COSI schlägt Alarm, falls wir unser gemeinsames Ziel zur Eindämmung der Adipositasraten bei Kindern in der gesamten Europäischen Region nicht erreichen.“

Datenerfassung durch COSI

Die WHO-Initiative zur Überwachung von Adipositas im Kindesalter (COSI) ist ein einzigartiges System, das seit mehr als 10 Jahren die Trends bezüglich Übergewicht und Adipositas bei Kindern im Grundschulalter misst. COSI verwendet standardisierte Gewichts- und Größenangaben von etwa 250 000 Kindern (im Alter von 6 bis 9 Jahren) in der gesamten Europäischen Region der WHO und liefert so national repräsentative Daten der teilnehmenden Ländern sowie einen umfassenden regionsweiten Datensatz zur Analyse der Determinanten von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter. Die neuesten Daten stammen aus der vierten Analyserunde des Projekts.

Insgesamt nahmen 38 Länder in der Region an dieser Runde der Datenübermittlung teil. 34 von ihnen legten Daten zu Übergewicht und Adipositas bei Jungen und Mädchen vor. Einige große Länder, wie etwa Deutschland und das Vereinigte Königreich, nehmen jedoch nicht an dem Projekt teil. Das Vereinigte Königreich etwa verfügt über ein eigenes Überwachungssystem zu Adipositas bei Kindern im Alter zwischen 4 und 5 bzw. 10 und 11 Jahren.

Zeitgleich mit der Vorstellung der COSI-Erkenntnisse in Wien fanden zwei weitere Tagungen von WHO-Netzwerken statt: die 11. Tagung zur Initiative der Europäischen Region der WHO zur Überwachung von Adipositas im Kindesalter und die 13. Tagung des Europäischen Aktionsnetzes der WHO für die Beschränkung der Vermarktung an Kinder. Beide Tagungen boten Gelegenheit zum internationalen Austausch über bewährte Praktiken und Erfahrungen bei der Bündelung von Bemühungen um die Bekämpfung von Adipositas im Kindesalter.