Europäische Region erzielt große Fortschritte gegen nichtübertragbare Krankheiten, wenn auch nicht schnell genug

WHO

Hypertension management in primary health care is key to further reduce premature death among men.

Die Maßnahmen der Europäischen Region gegen nichtübertragbare Krankheiten haben den Weg zum Erreichen einiger der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) und Zielvorgaben zum Globalen Kontrollrahmen für nichtübertragbare Krankheiten und „Gesundheit 2020“ geebnet, insbesondere was den Rückgang der Frühsterblichkeit und des Bluthochdrucks betrifft. Diese Ergebnisse werden in der jüngsten Ausgabe von Monitoring noncommunicable disease commitments in Europe genannt, die während der Globalen Konferenz der WHO über nichtübertragbare Krankheiten: Verbesserung der Politikkohärenz zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten Montevideo (Uruguay), 18.–20. Oktober 2017 veröffentlicht wurde.

Dem Bericht zufolge wird die Europäische Region die SDG-Zielvorgabe 3.4 („bis 2030 die Frühsterblichkeit aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten ... um ein Drittel senken“) wahrscheinlich vorzeitig erreichen und kann sie sogar erheblich übertreffen.

Der Bericht unterstreicht allerdings auch, dass der Tabak- und Alkoholkonsum zu langsam zurückgeht, die Prävalenz von Übergewicht und Fettsucht rapide ansteigt und dass die Zielvorgaben in diesen Bereichen voraussichtlich nicht erreicht werden. Eine gründliche Bewertung weiterer ausgewählter Zielvorgaben – etwa Salzreduktion, körperliche Betätigung und Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln und Technologien – ist aufgrund begrenzt vergleichbarer Daten derzeit nicht möglich.

Beobachtung der Fortschritte in der konzeptionellen Umsetzung

Die jährliche Veröffentlichung dient der Beobachtung von Fortschritten der Europäischen Region im Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten. Jede Ausgabe widmet sich einem anderen Thema: in diesem Jahr geht es um fortschrittliche kostengünstige Lösungen (hochwirksam und günstig im Preis) für die Handhabung, epidemiologische Überwachung und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten anhand entsprechender Indikatoren („progress monitoring indicators“).

Der Bericht zeigt, dass diese Indikatoren in den vergangenen zwei Jahren in der Europäischen Region erheblich stärker genutzt wurden. Zwischen 2015 und 2017 stieg der Anteil der vollständig angewandten Indikatoren im Durchschnitt von 34% auf 42%, wobei Bulgarien, die Türkei und das Vereinigte Königreich 2017 den höchsten Anteil aufwiesen. Der Anteil der zumindest partiell angewandten Indikatoren stieg von 69% auf 76%.

Durch die Umsetzung der wirksamsten Konzepte und den starken Rückgang der vorzeitigen Sterblichkeit eröffnet sich die Chance für schnellere Erfolge in allen Ländern, unabhängig von deren Volkseinkommen. So können die Länder mit der höchsten Belastung ihre Fortschritte durch die Anwendung bewährter Praktiken solcher Länder beschleunigen, die vergleichbare Herausforderungen eventuell schon vor Jahrzehnten bewältigt haben.

Ungleichheiten in Bezug auf vorzeitige Todesfälle

Große Unterschiede gibt es zwischen und in den Ländern hinsichtlich der Frühsterblichkeit und eine große Unausgewogenheit besteht auch unter den Geschlechtern: die meisten vorzeitigen Todesfälle betreffen Männer und werden durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgelöst.

Daher haben einige Länder geschlechtssensible Ansätze entwickelt: Männlichkeitsbilder und Bluckdrucksteuerung sind für die primäre Gesundheitsversorgung zwei wichtige Themenfelder zur schnelleren Absenkung der Frühsterblichkeit. Vorläufige Analysen deuten darauf hin, dass eine Beseitigung der Frühsterblichkeit unter Männern, auch aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Unterschiede zwischen den Ländern um rund 50% reduzieren und erheblich zum Erreichen der Zielvorgaben für „Gesundheit 2020“ und die SDG beitragen könnte.

Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, stellte den Bericht über die Fortschritte der Europäischen Region während der Globalen Konferenz vor und betonte bei dieser Gelegenheit, wie wichtig ein rechtzeitiges Eingreifen der Mitgliedstaaten sei. „Auch wenn die Europäische Region der WHO insgesamt substanzielle Fortschritte im Abbau der vorzeitigen Sterblichkeit aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten erreicht hat, so besteht kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Die Regierungen müssen entschlossen handeln und kostengünstige Lösungen umsetzen, um die Mortalität schnell abzusenken, etwa durch die Steuerung des Preises und der Verfügbarkeit von Tabak und Alkohol.“

Lückenhafte Beobachtung der Risikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten

Die Beobachtung der Risikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten hat sich im Osten der Europäischen Region der WHO erheblich verbessert, auch dank einer großzügigen Geldspende der Regierung der Russischen Föderation und der Arbeit des Europäischen Büros der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten in Moskau.

Dennoch gibt es auch Grund zur Sorge, weil es derzeit nicht möglich ist, die Indikatoren für physische Aktivität, Salzaufnahme, medikamentöse Behandlung und Beratung zur Prävention von Herzinfarkten und Schlaganfällen sowie die Verfügbarkeit bezahlbarer Technologien und unentbehrlicher Arzneimittel abschließend einzuschätzen. Die Auswertung von Gesundheitschecks geht in der Region zurück und selbst einige der wohlhabendsten Länder der Welt führen derzeit keine derartigen Studien durch, weil Daten zur Beobachtung von Trends fehlen.

Fortschritt beschleunigen

Die Länder müssen für das Erreichen der gesundheitlichen Zielvorgaben aus den SDG viel mehr tun. „Um den Fortschritt zu beschleunigen, müssen wir die gesamte Gesellschaft in die Umsetzung ressortübergreifender Lösungsansätze einbeziehen und partizipatorische Politikgestaltung für die Gesundheit betreiben,“ sagte Dr. Gauden Galea, Direktor der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Die Stärkung der Gesundheitssysteme auch in ihrer Reaktion auf die nichtübertragbaren Krankheiten ist der Schlüssel zur allgemeinen Gesundheitvorsorgung in der Region, doch muss unsere Arbeit darüber hinausgehen und das Übel an der Wurzel packen und an den sozialen, ökonomischen, ökologischen und kommerziellen Determinanten von Gesundheit ansetzen. Dann können wir bessere gesundheitliche Ergebnisse erzielen, Ungleichheiten abbauen und zur Nachhaltigkeit der allgemeinen Gesundheitsversorgung in der Region beitragen.“