Mit Steuern gegen nichtübertragbare Krankheiten: Erfolgsgeschichte aus Ungarn

WHO

Der Einsatz von Steuern zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten und zur Finanzierung nationaler Gesundheitspolitik wird neben weiteren bewährten Maßnahmen gegen die zunehmende Belastung der Gesellschaft durch diese Erkrankungen eines der Themen der Konferenz sein. Immer mehr Länder aus der Europäischen Region der WHO verfolgen diesen Ansatz und erzielen damit hervorragende Ergebnisse.

Ungarn ist ein erstklassiges Beispiel dafür, welchen Beitrag die gezielte Besteuerung im Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten leisten kann. 2011 führte Ungarn eine Gesundheitssteuer ein, die den Verzehr ungesunder Lebensmittel verringern und gesunde Ernährung fördern sollte. Die Gesundheitssteuer erfasste acht Produktgruppen: zuckerhaltige Kakaopulver, Energiegetränke, Saucen, Marmeladen und alkoholische Getränke, salzige Knabbereien, Limonaden und Sirupe.

Vier Jahre nach Einführung der Steuer wurde ihr Erfolg bewertet und es zeigte sich deutlich, dass der Konsum der besteuerten Produkte nachhaltig zurückgegangen war. Der Untersuchung zufolge hatten die meisten Verbraucher (zwischen 59% und 73%) den Konsum der entsprechenden Produkte reduziert. Von ihnen wählten über zwei Drittel gesündere Alternativen wie Mineralwasser, frisches Obst und Gemüse, selbstgemachte Süßigkeiten und frische Kräuter und Gewürze.

Die Auswertung zeigte ferner, dass die am stärksten gefährdeten Menschen – übergewichtige und adipöse Erwachsene – mit zweifach größerer Wahrscheinlichkeit ihre Gewohnheiten änderten, als unter- bzw. normalgewichtige Personen. Das ist für ein Land, in dem zwei Drittel der Erwachsenen zu den Gefährdeten zählen, ein großer Erfolg.

Aus ungarischer Perspektive ergibt sich eine klare Schlussfolgerung: die Besteuerung von Produkten mit einem hohen Anteil an saturierten Fetten, Transfetten, Zucker und Salz hat ihre Ziele kurz- und langfristig erreicht.

Gesundheitssteuer finanziert Maßnahmen Ungarns gegen nichtübertragbare Krankheiten

Insgesamt wurden in den vier Jahren seit Einführung der Gesundheitssteuer durch diese 200 Millionen € eingenommen. Damit konnte eine Lohnerhöhung um 25% für 95 000 Gesundheitsfachkräfte finanziert werden. Von diesem Lohnanstieg profitierte das Gesundheitspersonal in Einrichtungen des Staates, der Kommunen und der Universitäten.

Die Autoren der Untersuchung warben dafür, außer einer Gehaltserhöhung für das Gesundheitspersonal auch Aufklärung über die Bedeutung einer gesunden Ernährung zu finanzieren. Gezielt sollten Gesundheitsaufklärung betrieben und weitere Konzepte angewandt werden, damit die Wirkung der Gesundheitssteuer auch auf Bevölkerungsgruppen ausgeweitet werden könne, die etwa einen niedrigeren Bildungsstand hätten.

Sie empfahlen der Regierung, die Subventionierung gesunder Lebensmittel wie etwa Obst und Gemüse in Erwägung zu ziehen, um sie zu einer realistischen Alternative zu Produkten zu machen, die einen hohen Anteil von gesättigten Fetten und Transfettsäuren, Zucker und Salz aufweisen.

Nationale Reaktion auf globale Epidemie

Durch die verbesserte Ernährung der Bevölkerung eines Landes, werden Risikofaktoren für eine Reihe von nichtübertragbaren Krankheiten, hierunter Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zurückgedrängt. Immer mehr Länder nutzen daher die gezielte Besteuerung von Lebensmitteln als kosteneffektive Maßnahme zur Förderung einer gesünderen Ernährung ihrer Bevölkerung und die ungarische Erfahrung kann in diesem Zusammenhang anderen als inspirierendes und motivierendes Beispiel dienen.

Die WHO veröffentlichte kürzlich den Bericht einer Fachtagung mitsamt einer Empfehlung zur Besteuerung zuckerhaltiger Getränke in Höhe von rund 20%.

Ziele für nachhaltige Entwicklung verwirklichen

„Wir brauchen das Engagement und die Investitionen der höchsten politischen Ebene. Die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten handeln von Gesundheit, von Finanzierung und von Aufklärung. Viele Aspekte des Lebens sind berührt,“ sagt WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus in seiner Videobotschaft an die Globale Konferenz der WHO in Uruguay. Maßnahmen gegen nichtübertragbare Krankheiten seien auch zentral für die Erfüllung der Zielvorgabe 3.4 aus den Zielen für nachhaltige Entwicklung (bis 2030 die Frühsterblichkeit aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten durch Prävention und Therapie um ein Drittel senken). „Dies ist für die Welt eine einzigartige Chance, sich der Herausforderung durch die nichtübertragbaren Krankheiten zu stellen und die Zusagen in Bezug auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erfüllen.“