Europäische Straßen zu gefährlich für junge Menschen

15. Februar 2010

In der Europäischen Region erleiden jeden Tag ungefähr 100 Kinder und unter 25 Jahre alte junge Menschen tödliche Verletzungen im Straßenverkehr. Zu jedem Todesfall kommen im Durchschnitt noch 35 nicht tödlich verlaufende Verletzungen, die oft Langzeitschäden für das Opfer bedeuten. Zu den Todesopfern auf unseren Straßen zählen oft Kinder im Alter von unter 10 Jahren, die als Fußgänger noch schlecht mit den Verkehrsrisiken umgehen können. Selbst Jugendliche im Alter von über 15 Jahren sind stärker gefährdet als Auto-, Motorrad- oder Mopedfahrer, da es ihnen zum Teil noch an Erfahrung fehlt. Etwa 80% der Verkehrsunfallbeteiligten im Alter bis zu 24 Jahren sind Männer, was an einer Neigung zu Risikoverhalten wie gefährliches Rasen und Alkohol am Steuer liegen mag.

Die Gesamtzahl der Unfalltoten nimmt zwar in vielen Ländern der Europäischen Region ab, doch gibt es hier starke Unterschiede und in manchen Ländern steigt sie sogar.

Europas Straßen gesundheits- und umweltverträglich machen

Der Erfahrungsaustausch unter den Ländern, die Überprüfung der Wirksamkeit von Konzepten und die Konzentration auf Risikogruppen sind wesentliche Bedingungen für die Schaffung gesundheits- und umweltverträglicher Straßen in der Region. Die Forschung hat gezeigt, dass viele Menschenleben gerettet werden können durch:

  • bessere Verkehrs- und Stadtplanung und die Durchsetzung von Tempolimits
  • strengere Fahrprüfungen
  • Absenkung der Höchstwerte für Alkohol am Steuer
  • Helmpflicht für Motorrad- und Mopedfahrer, Gurtpflicht für Autoinsassen
  • autofreie Zonen in kinderreichen Wohngebieten.

Wichtige Faktoren für mehr Sicherheit auf den Straßen sind deren Gestaltung, die Struktur der Stadt, die Bevölkerungsdichte, die Anpassung von Straßen und Fahrzeugen aneinander, die Beleuchtung, Ausschilderung und Erhaltung der Straßen.

Maßnahmen zur Erhöhung der Straßensicherheit müssen die schwächsten Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und Fußgänger vorrangig berücksichtigen. Wenn Kinder sicher zu Fuß oder mit dem Rad in die Schule gelangen können, sinkt nicht nur die Zahl der Verletzungen im Straßenverkehr, sondern es wird auch die körperliche Bewegung unter den jungen Menschen gefördert und damit Übergewicht und Adipositas entgegengewirkt.

Weitere Unfallarten

Als Todesursachen in der Altersgruppe 0–18 Jahre folgen in der Europäischen Region nach den Verkehrsunfällen (39%) in der Reihenfolge der Häufigkeit der Tod durch Ertrinken (14%), durch Vergiftungen (7%), durch Stürze (4%) und durch Verbrennungen (4%). Rettungsversuche im Zusammenhang mit den letztgenannten vier Gruppen verursachen nach Schätzungen in der Region 3 Mio. Krankenhausaufnahmen und 37 Mio. Besuche von Notfallambulanzen allein in der Altersgruppe 0–14 Jahre.

Fünfte Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit

2004 nahm die 4. Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit den Aktionsplan zur Verbesserung von Umwelt und Gesundheit der Kinder in der Europäischen Region der WHO an, der vier vorrangige Ziele umfasst, mit deren Verwirklichung die Belastung der Kinder durch umweltbedingte Erkrankungen verringert werden soll. Das zweite Ziel beinhaltet einen Abbau von Mortalität und Morbidität als Folge von Unfällen im Straßenverkehr und andernorts und die Gewährleistung sicherer Voraussetzungen für die Förderung der körperlichen Aktivität der Kinder.

Die WHO hat die Fortschritte der Region in Bezug auf diese Ziele untersucht. Die Ergebnisse hat das Regionalbüro in einer Reihe von Faktenblättern als Beitrag zur Fünften Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit veröffentlicht, die in Parma vom 10. bis 12. März 2010 stattfindet.