Ein bahnbrechender Prozess: 20 Jahre Zusammenarbeit im Bereich Umwelt und Gesundheit

WHO/Andreas Alfredsson

The Parma Conference brought together over 800 participants

11. März 2010

Am ersten Tag der Fünften Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit, die vom 10. bis 12. März 2010 in Parma (Italien) stattfindet, konzentrierten sich die Gespräche auf die 20-jährige Zusammenarbeit zwischen den Politikbereichen Umwelt und Gesundheit in der Europäischen Region und die dabei erzielten Erfolge. Mehrere Redner bezeugten, dass dieser in der Europäischen Region begonnene Prozess inzwischen überall in der Welt kopiert werde.

„Seit Beginn des Prozesses Umwelt und Gesundheit in Europa vor 20 Jahren in Frankfurt bekunden wir politischen Willen, benennen neue Ziele, treiben mit neuartigen Instrumenten Maßnahmen auf nationaler wie internationaler Ebene voran und ermutigen einander durch Wissens- und Erfahrungsaustausch“, sagte die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab.

Erfolge

Die Entwicklung von Handlungskonzepten hat zu spürbaren Erfolgen geführt: dem Rückgang der Säuglings- und Kleinkindsterblichkeit aufgrund von Durchfallerkrankungen um 80% in den letzten Jahren, hauptsächlich durch verbesserten Zugang zu sauberem Wasser und geregelter Abwasserentsorgung, der Verringerung der Zahl verkehrsbedingter Todesfälle seit Anfang der 1990er Jahre um 40% und der Absenkung der Bleiwerte im Blut von Kindern nach einer Umstellung auf bleifreies Benzin in weiten Teilen Europas und der dadurch bedingten Reduzierung der Bleiemissionen um 90%.

„In der internationalen Politik wird die sektorübergreifende Zusammenarbeit schon lange als grundlegender Bestandteil einer gesundheitspolitischen Strategie anerkannt. Aber noch es gibt nicht allzu viele praktische Beispiele für eine solche Zusammenarbeit und keinen wirklichen Durchbruch. Die Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Umweltpolitik dagegen ist eine Erfolgsstory“, erklärte der italienische Gesundheitsminister, Prof. Ferruccio Fazio.

Herausforderungen

Trotz aller Fortschritte bestehe noch ein erheblicher Handlungsbedarf, betonten mehrere Delegierte. Umweltbedingte Risikofaktoren werden in jüngster Zeit durch finanzielle Engpässe, sich ausweitende sozioökonomische und geschlechtsbezogene Ungleichheiten sowie die Häufung extremer Wetterereignisse in ihrer Wirkung verschärft. In vielen Mitgliedstaaten entstehen mehr als 20% der Haushalte Probleme durch Feuchtigkeit. In städtischen Gebieten ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung Nachtlärm in gefährlicher Höhe (über 55 Dezibel) ausgesetzt. In Italien führen Unfälle jährlich zu 4 500 Todesfällen und 130 000 Krankenhausaufenthalten.

heute in Europa häufiger auf. Daneben müssen wir uns aber auch darauf einstellen, globale Notlagen zu bewältigen“, erklärte die italienische Ministerin für Umwelt-, Landschafts- und Meeresschutz, Stefania Prestigiacomo.

Umweltverträglichere Gestaltung des Gesundheitswesens

Mehrere Delegierte forderten, der Gesundheitssektor solle mit gutem Beispiel vorangehen und auf eine Verbesserung seiner eigenen Umweltbilanz hinarbeiten, etwa durch Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs in Krankenhäusern. Andere Redner erkannten in der Konzentration auf Handlungskonzepte, die eine nachhaltige Entwicklung und Wirtschaftswachstum fördern, auch eine Chance zur Verbesserung der Gesundheitssituation.

Ungleichheiten

Zahlreiche Redner wiesen darauf hin, dass Ungleichheiten zwischen und in den Ländern sowie konkrete Benachteiligungen bestimmter Bevölkerungsgruppen ein wesentliches Hindernis für dauerhafte Fortschritte im Bereich von Umwelt und Gesundheit darstellten. „Sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen sind umweltbedingten Gefahren zwar am stärksten ausgesetzt, doch wissen wir auch, dass sich das deutliche soziale Gefälle, dem Krankheitsinzidenz und Exposition gegenüber Gesundheits- und Umweltrisiken folgen, über die gesamte Gesellschaft erstreckt. Die besorgniserregenden Trends und Zahlen bilden zusammen mit nachweislich funktionierenden Präventionsansätzen ein sehr starkes Argument für eine erneuerte strategische Allianz zwischen Umwelt- und Gesundheitspolitik“, erklärte Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Außerhalb des Konferenzsaals

Trotz der – für Italien im März ungewöhnlichen – heftigen Schneefälle in Parma wagten sich die Delegierten auch aus dem Konferenzsaal heraus, um die Ausstellungsstände zu besichtigen und an zahlreichen Nebenveranstaltungen und Diskussionsforen teilzunehmen, die zu Themen wie sichere Wasserver- und Abwasserentsorgung in Schulen, Umwelteinflüsse auf die respiratorische Gesundheit von Kindern, soziale Ungleichheiten und Gesundheit am Arbeitsplatz und Verletzungsprävention in der Europäischen Region stattfinden.

Außerdem auf der Tagesordnung

Im weiteren Verlauf der Konferenz soll in einer Reihe weiterer Sitzungen über nationale Handlungskonzepte im Bereich von Umwelt und Gesundheit, Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit maßgeblichen Partnern und Akteuren sowie Investitionen in Umwelt und Gesundheit durch internationale Finanzierungsmechanismen diskutiert werden.