Ein neues Kapitel: Weitere Maßnahmen zur Bekämpfung vorhandener und neuer Gefahren für Umwelt und Gesundheit vereinbart

12. März 2010

Am letzten Tag der Fünften Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit wurden die neuen umweltbedingten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit - insbesondere der Klimawandel - erörtert und die Weichen für die Zukunft des Prozesses Umwelt und Gesundheit zur Bewältigung der vorhandenen und neu entstehenden Herausforderungen gestellt. Die Mitgliedstaaten und sonstigen Partner billigten eine neue Erklärung und unterstrichen ihre Entschlossenheit zum Handeln auf dem Gebiet des umweltbezogenen Gesundheitsschutzes. Zur Stärkung des Prozesses werden eine Europäische Sonderarbeitsgruppe Umwelt und Gesundheit und ein Europäischer Ministerausschuss für Umwelt und Gesundheit geschaffen.

Klimawandel macht sofortiges Handeln erforderlich

Zahlreiche Delegierte räumten ein, die Europäische Region der WHO spüre schon heute die Folgen des Klimawandels, die sich u. a. negativ auf die menschliche Gesundheit auswirkten. Prof. David Harper vom britischen Gesundheitsministerium erklärte: "Der Klimawandel kennt keine Grenzen. Auch wir in Europa sind nicht gegen ihn immun. Sommertemperaturen wie während der Hitzewelle im Jahr 2003 werden nach Einschätzung von Experten bis 2050 die Norm sein."

Die extremen Wetterereignisse und Katastrophen, wie sie die Europäische Region zunehmend infolge des Klimawandels erlebt - vor allem durch Hochwasserereignisse, Dürreperioden, Küstenerosion und Waldbrände - sowie ihre indirekten Auswirkungen auf Wasser- und Lebensmittelvorräte wurden von den Teilnehmern als die größte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit im neuen Jahrhundert angesehen.

Die Delegierten skizzierten die konkreten Maßnahmen, die zur Anpassung an den Klimawandel und zur Linderung seiner gesundheitlichen Folgen benötigt werden. Dazu gehören gezielte Schulungen, in denen Gesundheitsfachkräften die Fähigkeit vermittelt wird, sich an sich verändernde Krankheitsmuster anzupassen, die Bedürfnisse gefährdeter Gruppen zu berücksichtigen, bei der Reduzierung von CO2-Emissionen eine Führungsrolle zu übernehmen, den Austausch geeigneter Praktiken und relevanter Daten zu veranlassen und ihre Forschungsanstrengungen auszuweiten. Einige Delegierte erkannten an, Verpflichtungen in Bezug auf CO2-Emissionen stellten nicht nur eine Einschränkung dar, sondern förderten auch Innovation. Sie erklärten ferner, eine Ergänzung der Umweltforschung durch Erkenntnisse über die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels erhöhe die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs in anderen Politikbereichen.

Europäische Region weist der globalen Gesundheitspolitik den Weg

Dr. Anarfi Asamoa-Baah, Stellvertretender Generaldirektor beim WHO-Hauptbüro, sprach der Europäischen Region seine Anerkennung für ihre dauerhaften Anstrengungen auf dem Gebiet von Umwelt und Gesundheit aus. Wörtlich sagte er: "Die Europäische Region hat sich zum Vorreiter für eine Thematik gemacht, als diese noch nicht im Trend lag. Dank Ihrer Anstrengungen hat das Thema Umwelt und Gesundheit nun einen festen Platz auf der weltweiten gesundheitspolitischen Tagesordnung." Er sprach sich nachdrücklich für eine Beibehaltung der Thematik auf der politischen Tagesordnung aus und bezeichnete die Globalisierung und die demografischen Veränderungen - und die damit verbundene Alterung der Bevölkerung - als Bedrohungen für die bisher erzielten Fortschritte.

Vereinbarung der Erklärung der Konferenz

Die Delegationen der Länder billigten die Erklärung von Parma über Umwelt und Gesundheit, und eine Reihe von Organisationen der Zivilgesellschaft und maßgebliche Partner wie die Europäische Kommission brachten ihre Unterstützung für die Erklärung sowie ihre Entschlossenheit zur Unterstützung ihrer Ziele zum Ausdruck. Bei der Annahme der Erklärung vereinbarten die Länder die Umsetzung nationaler Programme, deren Ziel darin besteht, durch Gewährleistung eines Zugangs zu einer sicheren Wasserver- und Abwasserentsorgung und durch Schaffung von Möglichkeiten zur Bewegung und zu gesunder Ernährung, von verbesserter Luftqualität und einer Umwelt ohne toxische Chemikalien sowie durch ein festes Bekenntnis zur Bekämpfung der negativen gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels und zum Abbau der sozialen und geschlechtsbezogenen Ungleichheiten in Bezug auf Risikoexposition bis 2020 Chancengleichheit für alle Kinder zu gewährleisten. Ferner sagten sie zu, durch vermehrte Investitionen in neue Technologien und umweltverträgliche Arbeitsplätze Gesundheit in den Mittelpunkt der sozioökonomischen Entwicklung zu rücken. Die Mitgliedstaaten vereinbarten auch, die auf der Konferenz von Parma ausgearbeitete Jugenderklärung 2010 gebührend zu berücksichtigen.

Die Erklärung wurde von Stefania Prestigiacomo, Ministerin für Umwelt-, Landschafts- und Meeresschutz Italiens, und Prof. Ferruccio Fazio, dem italienischen Gesundheitsminister, im Namen aller Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO sowie von Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, unterzeichnet.

Die Zukunft des Prozesses

"Wenn wir in den kommenden Jahrzehnten ebenso viel für Umwelt und Gesundheit erreichen wollen wie bisher, so müssen wir neue Konzepte entwickeln und konsequent umsetzen. Wir benötigen auch geeignete Strukturen für eine sektorübergreifende Zusammenarbeit auf nationaler wie internationaler Ebene, die der weiteren Entwicklung und Umsetzung evidenzbasierter Konzepte zugute kommen. Diese Strukturen müssen flexibel genug sein, um sich auch an künftige Bedürfnisse anzupassen und eine Vielzahl verschiedener Akteure und Partner einzubeziehen", lautete Zsuzsanna Jakabs Fazit zur Zukunft des Prozesses.

Die Regionaldirektorin kündigte die Schaffung einer Europäischen Sonderarbeitsgruppe Umwelt und Gesundheit und eines Europäischen Ministerausschusses für Umwelt und Gesundheit an, um den Prozess Umwelt und Gesundheit weiter voranzutreiben, und wies darauf hin, dass die Sechste Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit im Jahr 2016 stattfinden werde. Im September 2010 werden die Mitgliedstaaten in Moskau auf der 60. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa, des höchsten beschlussfassenden Gremiums der WHO auf Ebene der Region, die Ergebnisse der Konferenz mit einer Resolution besiegeln.

Die WHO-Regionaldirektorin für Europa bedankte sich zum Abschluss der Konferenz von Parma bei allen Teilnehmern für ihre wertvollen Beiträge.