Einer von 2000 Säuglingen in der Europäischen Region stirbt an Atemwegserkrankungen

02. März 2010

In einigen Ländern der Europäischen Region der WHO sterben 1 bis 5 von 1000 Säuglingen an Atemwegserkrankungen, wobei die höchsten Raten im östlichen Teil der Region zu finden sind. Die Belastung der Außenluft (durch Feinstaub von Kraftfahrzeugen, die Verbrennung fester Brennstoffe oder Passivrauch) und der Innenluft (durch Feuchtigkeit) stellt eine erhebliche Umweltexposition dar. Die Exposition von Kindern gegenüber diesen Risikofaktoren ist nach wie vor unannehmbar hoch.

Menschliche Aktivitäten wie Verkehr, Energiegewinnung und Raumheizung sowie eine Vielzahl anderer Bereiche führen zu Luftverschmutzung in Form von Schwebstaub (PM). Durch diesen sind Kleinkinder in besonderem Maße gefährdet, da er Funktion und Entwicklung der Lunge beeinträchtigt und zu Asthma, Bronchitis und akuten Erkrankungen der Atemwege führen kann. Bei Erwachsenen in der Region hat die Belastung durch vom Menschen verursachten Schwebstaub eine Verringerung der Lebenserwartung um durchschnittlich neun Monate zur Folge. Bei einer vollständigen Umsetzung der heute geltenden Rechtsvorschriften könnten nach Expertenmeinung die Auswirkungen von Schwebstaub um ein Drittel verringert werden, bei Umsetzung aller realistischen Maßnahmen ließe sich das aktuelle Ausmaß der Umweltbelastung sogar um die Hälfte reduzieren.

Zu den gesundheitlichen Folgen von Feuchtigkeit gehören Allergien und Asthma. Feuchtigkeit in Innenräumen begünstigt die Ausbreitung von Schimmel, Pilzen und Bakterien und beschleunigt den Zerfall von Baustoffen, was eine Freisetzung von Chemikalien in die Raumluft bewirkt. Schwächen in Bezug auf Bau und Wartung von Gebäuden und Tätigkeiten wie Kochen und Waschen sowie unzureichende Belüftung tragen allesamt zu Feuchtigkeit in Wohnräumen bei. In einigen Ländern der Europäischen Region lebt mehr als ein Viertel der Bevölkerung in feuchten Wohnungen. Durch einfache Präventionsmaßnahmen kann die Feuchtigkeit in Innenräumen und damit die Gefahr der Exposition gegenüber Raumluftverschmutzung reduziert werden, doch sind zu ihrer konsequenten Umsetzung noch zusätzliche Anstrengungen erforderlich.

In bis zu 50% der Wohnungen in der Europäischen Region verwenden die Bewohner feste Brennstoffe (Kohle oder Holz) zum Kochen und Heizen. Forschungsergebnisse belegen, dass in den meisten dieser Wohnungen die Luftbelastung die in den Luftgüteleitlinien der WHO festgelegten Grenzwerte überschreitet. Dies kann zu Lungenentzündung, chronischen Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs und Asthmaerkrankungen führen. Frauen und Kinder, die am meisten Zeit zuhause verbringen, sind in besonderem Maße gefährdet.

Fünfte Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit

2004 nahm die Vierte Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit den Aktionsplan zur Verbesserung von Umwelt und Gesundheit der Kinder in der Europäischen Region der WHO (CEHAPE) an, der vier vorrangige Ziele umfasst, mit deren Verwirklichung die Belastung der Kinder durch umweltbedingte Erkrankungen verringert werden soll. Das dritte dieser Ziele lautet, durch Verschmutzung der Innen- und Außenluft bedingte Erkrankungen der Atemwege zu verhüten bzw. zu vermindern und so dazu beizutragen, dass die Häufigkeit von Asthmaanfällen abnimmt, und sicherzustellen, dass die Kinder in einem Lebensumfeld mit sauberer Luft leben.

Die WHO hat die Fortschritte der Region in Bezug auf diese vorrangigen Ziele untersucht. Die Ergebnisse hat das Regionalbüro in einer Reihe von Faktenblättern als Beitrag zur Fünften Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit veröffentlicht, die vom 10. bis 12. März 2010 in Parma (Italien) stattfindet.