Junge Menschen: eine lebenswichtige Investition in den Prozess Umwelt und Gesundheit

WHO/Andreas Alfredsson

The CEHAPE awards were meant to share examples of good practice and political commitment to promote environment and health initiatives in the WHO European Region

12. März 2010

Die Fünfte Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit bot für die Teilnehmer eine ausgezeichnete Gelegenheit zum Informationsaustausch über Beispiele vorbildlicher Praxis und politischen Engagements zur Förderung von Initiativen im Bereich Umwelt und Gesundheit in der Europäischen Region der WHO. Die Sicherung der Beteiligung der verschiedenen Partner – im privaten und öffentlichen Sektor und auf nationaler wie internationaler Ebene – und eine aktive Einbeziehung der Zivilgesellschaft und der Medien sind entscheidende Voraussetzungen für einen Erfolg.

Am zweiten Tag der Konferenz richtete sich das Interesse auch auf die wichtige Frage, wie die Länder in die Lage versetzt werden können, durch Beschaffung von Finanzmitteln Ziele im Bereich des Klimaschutzes und damit verknüpfte gesundheitliche Fragen zu verfolgen.

Die Delegierten waren sich einig darüber, dass eine umfassende Beteiligung junger Menschen an der konzeptionellen Entwicklung dem Prozess Umwelt und Gesundheit eine neue Qualität von Nachhaltigkeit und Legitimität verleiht.

Prämierte Projekte

Der zweite Tag der Konferenz in Parma begann mit einer Preisverleihung, auf der der wichtige Beitrag von Angehörigen der Zivilgesellschaft anerkannt wurde, die in Partnerschaft mit dem Staat für umweltbezogene Maßnahmen zum Schutz und zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern geworben und bei deren Umsetzung geholfen hatten. Insgesamt gingen bei den Veranstaltern über 100 Nominierungen aus 31 Ländern der Europäischen Region ein, für die in folgenden acht Projektkategorien Auszeichnungen verliehen wurden: Wasserver- und Abwasserentsorgung; Unfallprävention; Luftgüte; Chemikalien; Mobilität; Klimaschutz; Jugendbeteiligung; Schulen.

In einer lebhaften Podiumsdiskussion baten Vertreter von Jugend und Zivilgesellschaft die Podiumsteilnehmer, die erfolgreichen Initiativen ihrer Länder näher zu erläutern. Im Anschluss an die Schilderung zum österreichischen Mobilitätskonzept, das den öffentlichen Nahverkehr für junge Menschen zum Nulltarif vorsieht und umweltfreundliche Fahrzeuge und Kraftstoffe fördert, wurde die Jugenddelegierte Diba Hadziahmetovic aus Bosnien und Herzegowina nach Österreich eingeladen, um sich darüber zu informieren, wie junge Leute sich für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr engagieren können.

Auch der Umweltminister der Region Wallonien (Belgien), Philippe Henry, empfahl im Rahmen einer Diskussion über Raumluftqualität in Schulen den jungen Menschen aktives Engagement. Er erläuterte die Initiative „Erfrischende Kühle“, bei der in allen Gebäuden mit Klassenzimmern zwischen Wärmeisolierung und Belüftung abgewogen werde, und fügte hinzu: „Hier geht es um eine frühzeitige Sensibilisierung der Kinder, damit sie später im Leben mit diesem Thema bewusster umgehen“.

Wann hat eine Initiative Erfolg?

Als Bestandteile einer erfolgreichen Politikumsetzung auf nationaler Ebene wurden von den Delegierten u. a. folgende Elemente genannt: starker politische Wille, eine klare Strategie, personelle und finanzielle Ressourcen, eine Koordinationsstelle/Arbeitsgruppe zur Festlegung klarer Prioritäten und Unterstützung der Umsetzung, die richtige Mischung aus Regulierung und auf Freiwilligkeit beruhenden Anreizen, die Beteiligung aller maßgeblichen Akteure und die Partnerschaft mit der Jugend.

Zahlreiche Teilnehmer erwähnten die Notwendigkeit, „die Sprache“ der anderen Ministerien zu beherrschen, und die polnische Gesundheitsministerin Ewa Kopacz führte anschauliche Beispiele für die interministerielle Zusammenarbeit an: „Wenn der Verkehrsminister mehr Radwege fordert, unterstütze ich ihn mit Zahlen darüber, was die Behandlung der Kinder kostet, die im Straßenverkehr verletzt werden.“ Sie fuhr fort: „Und wenn der Landwirtschaftsminister Unterstützung für den Vorschlag sucht, Milch und Obst für Schulkinder anzubieten, erkläre ich, wie teuer die Behandlung von Übergewicht und Adipositas bei älteren Jugendlichen ist. Jetzt brauchen wir einen formellen Rahmen für diese Zusammenarbeit.“

Viele Delegierte betonten die Notwendigkeit, konkret kindergerechte Konzepte zu entwickeln. Prof. George Morris, Berater für Fragen der Ökologie im Gesundheitswesen beim schottischen Gesundheitsdienst, hob hervor, wie „sensibel“ Kinder im Positiven wie im Negativen auf ihre Umwelt reagierten, und fügte hinzu: „Die Umwelt, die wir für die Kinder schaffen, kann ihre Gesundheit ein Leben lang prägen“.

Wie beschaffen wir Ressourcen?

Viele Delegierte betonten, wie schwierig es in dem gegenwärtigen Wirtschaftsklima sei, neue Ressourcen zu gewinnen. Auf den Sitzungen am Nachmittag wurden innovative Vorschläge eingebracht, wie mit Hilfe finanzieller und personeller Ressourcen Fortschritte bei Fragen des umweltbezogenen Gesundheitsschutzes erzielt werden könnten. Die Exekutivdirektorin der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, Dr. Catherine Geslain-Lanéelle, erläuterte, wie ihre Organisation ein Netz aus über 350 wissenschaftlichen Organisationen in ganz Europa nutze und deren Experten gezielt für die Arbeit der Behörde einsetze.

Kori Udovi?ki, Regionaldirektorin beim Regionalbüro für Europa und die Gemeinschaft unabhängiger Staaten des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), sprach über den Einsatz von Mitteln zur Verwirklichung von Klimaschutzzielen und damit verknüpften gesundheitlichen Zugewinnen, und wies darauf hin, dass diese Mittel zunehmend aus neuartigen Quellen stammten. Sie unterstrich auch die Notwendigkeit, umweltfreundliche Investitionen zu fördern, insbesondere in der Privatwirtschaft, und fügte hinzu, die internationale Staatengemeinschaft solle die Länder beim Abbau von Hindernissen für den Zugang zu Finanzmitteln unterstützen und zum Ausbau ihrer Kapazitäten für eine eigenständige Mittelbeschaffung beitragen.

Ist die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen sinnvoll?

Marika Tsereteli, Jugendvertreterin im Rahmen des Aktionsplans zur Verbesserung von Gesundheit und Umwelt der Kinder in der Europäischen Region der WHO (CEHAPE), und ein Student der Staatlichen Medizinischen Universität Tiflis und Mitglied des Instituts für Gesundheitswissenschaften von Georgien, brachten den Nutzen einer Beteiligung der Jugendlichen klar auf den Punkt: „Die Einbeziehung junger Menschen in die Lösung umwelt- und gesundheitspolitischer Probleme ist schwierig, weil oft die Mittel fehlen. Wenn man uns aber dabei hilft, uns einzubringen und Erfahrungen auf diesem Gebiet zu sammeln, dann ist das die bestmögliche Investition in die Zukunft.“

Verleihung des WHY-Medienpreises

In der letzten Sitzung des zweiten Tages der Konferenz wurde der Beitrag der Medien zum Prozess Umwelt und Gesundheit gewürdigt. Dr. Deborah Cohen, leitende Gesundheitsredakteurin beim British Medical Journal, erklärte: „Die Berichterstattung über Gesundheit und Wissenschaft ist keine einfache Aufgabe, spielt aber eine unverzichtbare Rolle in einer Demokratie und konkret bei dem Versuch, wichtige Botschaften an die Öffentlichkeit zu übermitteln.“ Insgesamt wurden fünf junge Journalisten und Mitglieder des World Health Youth (WHY) Communication Network aus der gesamten Europäischen Region für ihre Artikel zu Themen aus dem Bereich Umwelt und Gesundheit prämiert.

Bei der Entgegennahme des Preises sagte die Gewinnerin des ersten Preises, die Dänin Mette Sikjaer: „Ich bin der WHO dafür dankbar, dass sie dieses Netzwerk junger Journalisten organisiert hat. Es ist äußerst wichtig, Journalisten auf seiner Seite zu haben, und ich hoffe, dass wir als Akteure und Partner zu Themen aus dem Bereich Umwelt und Gesundheit aktiv einbezogen werden.“

Außerdem auf der Tagesordnung

Am letzten Tag der Konferenz stehen im Mittelpunkt der Beratungen der Klimawandel und die Zukunft des Prozesses Umwelt und Gesundheit in Europa. Die Fünfte Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit geht mit der Unterzeichnung der Abschlusserklärung zu Ende.