Größere Anstrengungen zur Reduzierung von Umweltschadstoffen erforderlich

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Die Exposition gegenüber toxischen Metallen und persistenten organischen Schadstoffen (POP) ist nach wie vor ein besorgniserregendes Problem für die öffentliche Gesundheit. Dies geht aus einem neuen Bericht mit dem Titel „Human-Biomonitoring: Zahlen und Fakten" hervor, der auf der Halbzeitbilanztagung der WHO zum Prozess Umwelt und Gesundheit in Europa vorgestellt wird, die vom 28. bis 30. April 2015 in Haifa (Israel) stattfindet. 

Laut dem Bericht ist in den Ländern der Europäischen Region eine große Zahl von Kindern sowie von Frauen im gebärfähigen Alter in einem potenziell gesundheitsschädlichen Maße Schadstoffen ausgesetzt. Beim Human-Biomonitoring (HBM) werden im menschlichen Körper – d. h. im Blut, im Urin, im Haar und in der Muttermilch – Schadstoffwerte gemessen; sie geben Aufschluss über die Exposition über verschiedene Pfade.

Eine Exposition gegenüber Quecksilber und Blei in frühen Lebensphasen kann eine Beeinträchtigung der neurologischen Entwicklung zur Folge haben. Auch wenn die Belastung mit den meisten POP stetig abgenommen hat, so gibt doch ihre Präsenz in der Muttermilch aufgrund ihrer potenziellen endokrin wirksamen Eigenschaften nach wie vor Grund zur Besorgnis. Doch der Nutzen des Stillens überwiegt die Risiken der Exposition gegenüber Schadstoffen. 

In der Europäischen Region sind mehr als 140 000 registrierte Chemikalien im Gebrauch. HBM-Studien unterstreichen, wie wichtig die Beobachtung der Exposition insbesondere der anfälligsten Gruppen gegenüber Chemikalien ist, um die Entscheidungen der Politik in Bezug auf Schutzmaßnahmen zu beeinflussen. 

Die Belastung durch Schadstoffe ist innerhalb der Europäischen Region sehr ungleich verteilt. In Ländern mit niedrigerem Einkommen wurden höhere Belastungen mit DDT (Dichlordiphenyltrichloräthan) und mit Phthalaten festgestellt, während in Ländern mit hohem Fischkonsum die Quecksilberbelastung höher ist.

In dem Bericht wird der Mangel an HBM-Daten beklagt, die sich effektiv für Politikgestaltung und -überwachung verwenden lassen. 

Umweltverschmutzung kennt keine Grenzen

„Dies ist ein Thema von wahrhaft internationaler Trageweite", erklärt Dr. Dorota Jarosinska, Leiterin des Programms für Umweltbelastungen und -risiken beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Schadstoffe wie Quecksilber und POP können in der Atmosphäre große Entfernungen zurücklegen und dabei Staatsgrenzen überschreiten. So können Menschen beispielsweise aufgrund des Verzehrs von Fisch betroffen sein, der mit am anderen Ende der Welt freigesetzten Schadstoffen belastet ist. Deshalb sind international abgestimmte Maßnahmen dringend notwendig."

Festlegung von Maßnahmen für die Zukunft

In dem Bericht wird die Notwendigkeit unterstrichen:

  • die HBM-Konzepte innerhalb der gesamten Europäischen Region zu vereinheitlichen, um zu international vergleichbaren Daten zu gelangen und zu ermitteln, welche Bevölkerungsgruppen erhöhten Belastungen ausgesetzt sind;
  • HBM-Daten in Verbindung mit Daten über Emissionen, Lebensweise oder Ernährung zu verwenden, um die Belastungsquellen bestimmen, die gesundheitlichen Risiken bewerten und evidenzbasierte Interventionen zum Schutz der Gesundheit entwickeln zu können.