Konsultation der Europäischen Region zur Entwicklung eines Aktionsplans der WHO zur Bekämpfung zwischenmenschlicher Gewalt

Kopenhagen, 11.–12. Mai 2015 

Das Regionalbüro für Europa und das Hauptbüro der WHO haben eine Konsultation der Europäischen Region im Hinblick auf die Entwicklung eines globalen Aktionsplans zur Bekämpfung zwischenmenschlicher Gewalt organisiert. Zu der Konsultation werden 50 bis 60 Teilnehmer aus etwa 30 Ländern erwartet. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt ist die Gewalt gegen Frauen und Mädchen und generell gegen Kinder. Nach jüngsten Schätzungen aus der Europäischen Region erlebt jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt durch einen Intimpartner, und etwa jede zehnte erlebt sexuelle Gewalt. Unter Kindern hat vor Vollendung des 18. Lebensjahrs geschätzt ein Viertel körperlichen Missbrauch und etwa ein Zehntel sexuellen Missbrauch erlebt. 

Mit der Konsultation werden folgende Ziele angestrebt:  

  • Einführung der Teilnehmer in die wesentlichen Elemente der Resolution WHA67.15 der Weltgesundheitsversammlung und des Entwurfs des Diskussionspapiers über den globalen Aktionsplan zur Stärkung der Rolle des Gesundheitssystems bei der Bekämpfung zwischenmenschlicher Gewalt, insbesondere gegen Frauen und Mädchen und generell gegen Kinder;
  • Einholung von Beiträgen von Mitgliedstaaten, Organisationen der Vereinten Nationen und anderen maßgeblichen Akteuren zu dem Entwurf des Diskussionspapiers im Hinblick auf die Ausarbeitung des globalen Aktionsplans.

 Zu den Teilnehmern gehören Ansprechpersonen für Verletzungs- und Gewaltprävention, Experten aus den Ländern sowie Vertreter von Organisationen der Vereinten Nationen, der Europäischen Kommission, des Europarates und nichtstaatlicher Organisationen, die offizielle Beziehungen zur WHO unterhalten. Die Tagung ist eine geschlossene Veranstaltung, und Zutritt wird ausschließlich auf persönliche Einladung gewährt. 

Hintergrund der Konsultation

Im Mai 2014 nahm die Weltgesundheitsversammlung die Resolution WHA67.15 über die Stärkung der Rolle der Gesundheitssysteme bei der Bekämpfung von Gewalt, insbesondere gegen Frauen und Mädchen und generell gegen Kinder an. Darin wird die Generaldirektorin gebeten, unter umfassender Beteiligung der Mitgliedstaaten, und in Absprache mit Organisationen der Vereinten Nationen und gegebenenfalls anderen maßgeblichen Akteuren, die sich mit der Rolle der Gesundheitssysteme befassen, einen globalen Aktionsplan zu entwerfen, der die Rolle der Gesundheitssysteme bei der Bekämpfung zwischenmenschlicher Gewalt, insbesondere gegen Frauen und Mädchen und generell gegen Kinder, im Rahmen bereichsübergreifender Gegenmaßnahmen auf nationaler Ebene stärken soll und der auf einschlägigen Arbeiten der WHO aufbaut.

Als Antwort auf dieses Ersuchen hat die Abteilung Reproduktionsgesundheit und Reproduktionsforschung zusammen mit der Abteilung für nichtübertragbare Krankheiten, Behinderungen, Gewalt- und Verletzungsprävention die Federführung in einem Konsultationsprozess mit den Mitgliedstaaten und anderen maßgeblichen Akteuren übernommen, der die Ausarbeitung eines globalen Aktionsplans zum Ziel hat. Als erster Schritt wurde ein Diskussionspapier entworfen, zu dem die einschlägigen Abteilungen bzw. Referate beim WHO-Hauptbüro und in allen Regionalbüros beigetragen haben und das die Grundlage für die Diskussion auf den Konsultationen der Regionen bilden wird.

Gewalt – ein wichtiges Thema für die öffentliche Gesundheit in der Europäischen Region

Gewalt war 2012 für den vorzeitigen Tod von 35 000 Menschen in der Europäischen Region der WHO verantwortlich, von denen 75% Männer waren. Das Ausmaß der gemeldeten Gewalt unter jüngeren Menschen ist sehr hoch; Gleiches gilt für die Misshandlung älterer Menschen. Dies stellt eine beträchtliche Belastung für die Gesundheitssysteme dar. Nach Schätzungen kommt es in der Europäischen Region jährlich zu etwa 1,5 Mio. Krankenhauseinweisungen und 90 Mio. Einlieferungen in die Notaufnahme aufgrund nicht tödlicher körperlicher Übergriffe.  

Gewaltprävention gehört zu den vorrangigen Handlungsfeldern für die Europäische Region der WHO. Zu den in jüngster Zeit veröffentlichten Fachberichten über die Belastung durch Gewalt und Wege zu ihrer Verhütung gehören der Europäische Bericht zur Prävention von Gewalt und Messerstechereien unter Jugendlichen, der Europäische Bericht zur Prävention der Misshandlung älterer Menschen und der Europäische Bericht zur Prävention von Kindesmisshandlung. 

Als Reaktion auf die Belastung durch Kindesmisshandlung nahmen die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region 2014 die Resolution EUR/RC64/R6 des Regionalkomitees „In Kinder investieren: Die Strategie der Europäischen Region zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (2015–2020) und der Aktionsplan der Europäischen Region zur Prävention von Kindesmisshandlung (2015–2020)" an. Präventionsstrategien gegen zwischenmenschliche Gewalt sind bereichsübergreifender Natur und machen ein Vorgehen nach dem Grundsatz „Gesundheit in allen Politikbereichen" erforderlich, wie es der gesundheitspolitischen Philosophie von „Gesundheit 2020" entspricht. Viele dieser Strategien legen ihren Schwerpunkt auf das frühe Kindesalter und würden somit die Determinanten von Gewalt und nichtübertragbaren Krankheiten in Angriff nehmen, was sich in der Kindheit wie auch im späteren Leben positiv bemerkbar machen würde.