WHO-Bericht zeigt vielfältigen gesundheitlichen Nutzen städtischer Grünflächen

Victoria Tetley/VJT Photography

Port Sunlight River Park in Merseyside, United Kingdom has been transformed from a closed landfill site to a 28-hectare park, providing a popular community space with an array of walkways, wildlife, wildflowers and a wetlands area.

Ein neuer Bericht der WHO fasst Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Wirkungen städtischer Grünflächen zusammen und zeigt, dass Grünflächen vielfältigen Nutzen bedeuten, hierunter Entspannung für die Seele, verminderter Stress, mehr körperliche Betätigung sowie mögliche Verringerung der Belastung durch schädliche Stadtphänomene wie Luftverschmutzung, Lärm und Hitze. Der Bericht gelangt zu dem Schluss, dass kleine grüne Areale in der Nähe von Wohnung und Aufenthaltsraum der Menschen ebenso erforderlich sind wie große „grüne Lungen“, die Raum für Freizeitanlagen (etwa Spielflächen) und Gelegenheit zu Naturerlebnissen bieten.

Der Bericht stellt auch die Anwendung eines geografischen Informationssystems (GIS) zur Vermessung städtischer Grünflächen vor. So können Städte errechnen, wie viele Menschen Zugang zu den Grünflächen haben und wo neue Angebote geschaffen werden sollten. Die WHO hat dieses Instrument bereits in drei europäischen Städten erprobt: Kaunas (Litauen), Utrecht (Niederlande) und Malmö (Schweden). Die Fallstudien dienen als Beispiel einer wirksamen Nutzung des Instruments für einen erweiterten Grünflächenzugang aller Städter.

Sozialer und ökonomischer Nutzen der Grünflächen

Eine Stadt, die über gut verbundene, attraktive Grünflächen verfügt, ermöglicht ihren Einwohnern Sport und Erholung, Entspannung und Austausch. Grüne Flächen machen die Städte auch widerstandsfähiger gegen Hitzewellen und Extremwetter (indem sie die Temperaturen dämpfen und Regenwasser aufnehmen können).

Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse ist anzunehmen, dass Grünflächen insbesondere wirtschaftlich benachteiligten Gruppen, Kindern, Schwangeren und älteren Mitbürgern zugute kommen. In grünen Städten wohnen tendenziell gesündere Menschen, welche die Gesundheitsdienste weniger in Anspruch nehmen und die Wirtschaft stärken.

Konkrete Fortschritte erzielen

Zwei jüngst in Bonn durchgeführte Veranstaltungen stellten die Bedeutung von Grünflächen für die Gesundheit in den Mittelpunkt und stärkten so die Agenda für dieses Anliegen.

Die erste Veranstaltung im Juni 2016 war der Auswirkung von Grünflächen auf die Luftverschmutzung gewidmet. Die Teilnehmer erkundeten Möglichkeiten zur Entwicklung eines GIS-Instruments, das den Beitrag von Grünflächen zu besserer Luftqualität quantifizieren helfen könnte. Die WHO führt derzeit eine Online-Befragung von Experten zu Gesundheit und Grünflächen durch, um Forschungsprioritäten festlegen und Wissenslücken aufzeigen und künftige Marschrouten bestimmen zu können.

Die zweite Veranstaltung im September 2016 führte Fachleute, Umweltforscher und Stadträte zu einem Gespräch zusammen, in dem praktische Aspekte der Maßnahmen für grüne Flächen erörtert wurden. Die Teilnehmer vereinbarten, einen Bericht über die Bedeutung von Grünflächen für Gesundheit und Chancengleichheit zu verfassen und in ihm hervorzuheben, welche Maßnahmen vor Ort positive Wirkungen zeitigen können. Sie empfahlen, ein Grundsatzpapier für Stadtplaner und Politikgestalter zu schreiben, das Ratschläge zur wirksamen Nutzung grüner Flächen für Gesundheit und Chancengleichheit, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und Unterstützung örtlicher Behörden enthält und hilft, gesundheitsförderliche nachhaltige städtische Umfelder zu gestalten.

Bevorstehende Sechste Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit

Grüne Stadträume werden unter dem Stichwort „Städte“ auch Thema der Sechsten Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit sein. Diese Konferenz wird vom 13. bis 15. Juni 2017 in Ostrava (Tschechien) stattfinden und Minister für Umwelt und Gesundheit sowie weitere hochrangige Vertreter aus Mitgliedstaaten, Partnerorganisationen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft der Europäischen Region der WHO zusammenführen. Es wird erwartet, dass die Mitgliedstaaten hier eine Ministererklärung und einen Umsetzungsplan für übernommene Verpflichtungen annehmen sowie einen überarbeiteten Steuerungsmechanismus für den Prozess Umwelt und Gesundheit in Europa beschließen werden.

Politischer Rahmen für Grünflächen und Gesundheit

Zwei politische Rahmen behandeln direkt die Verbindung zwischen städtischer Grünfläche und Gesundheit.

  • Die Erklärung von Parma bedeutete eine Zusage, bis 2020 gesunde und sichere Umgebungen und Lebensumfelder für alle Kinder zu schaffen, „damit sie zu Fuß oder mit dem Rad in den Kindergarten oder die Schule gelangen und auf Grünflächen spielen und körperlich aktiv sein können“.
  • Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung stellt unter dem Motto „niemanden zurücklassen“ als Zielvorgabe 11.7 zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung die Aufgabe, allgemeinen Zugang zu sicheren, inklusiven und leicht zugänglichen grünen und öffentlichen Räumen zu schaffen, insbesondere für Frauen und Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.

Das Thema städtische Grünflächen ist außerdem Bestandteil des prioritären Handlungsfeldes „Schaffung widerstandsfähiger Gemeinschaften und stützender Umfelder“ des Rahmenkonzeptes „Gesundheit 2020“.