Tag 1 der Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit: Bestandsaufnahme für die Umgestaltung

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In ihrer Eröffnungsansprache zur Sechsten Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit zog die WHO-Regionaldirektorin für Europa Dr. Zsuzsanna Jakab Parallelen zwischen der Umwandlung der Industriestadt Ostrava und dem transformativen Geist der Agenda 2030.

In einer Aula inmitten des Gasometers der ehemaligen Eisenhütte Dolní Vítkovice kommen mehr als 450 Vertreter aus den 53 Mitgliedstaaten der WHO in der Europäischen Region und von internationalen sowie nichtstaatlichen Organisationen zusammen, um Bilanz zu ziehen und künftige Maßnahmen gegen umweltbedingte Gesundheitsrisiken zu priorisieren.

Plenarsitzung 1: Eröffnung

Zur Eröffnung umrissen die tschechischen Gesundheitsminister Miloslav Ludvík und Umweltminister Richard Brabec, Gouverneur Ivo Vondrák der Region Mähren-Schlesien, Ostravas Bürgermeister Tomáš Macura, Marco Keiner von der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) und Ibrahim Thiaw vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) den Rahmen der Konferenz. Die Umwelt wirkt sich ebenso unbestreitbar auf die Gesundheit aus, wie sich die Gesundheit auf die Umwelt auswirkt. In der Europäischen Region der WHO sterben jährlich mindestens 1,4 Millionen Menschen vorzeitig aufgrund von Umweltfaktoren, in erster Linie Luftverunreinigung. UNEP geht davon aus, dass 90% der Menschen regelmäßig verunreinigte Luft einatmen und dass hierdurch jedes Jahr ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von 225 Mrd. US-Dollar entsteht. Chemikalien und Abfälle wie die 13 Millionen Tonnen Plastik, die jedes Jahr in die Ozeane gelangen, werden unsere Gesundheit schädigen, wenn wir das Problem nicht in den Griff bekommen.

In ihrer Eröffnungsrede hob Dr. Jakab schwerwiegende umweltbedingte Auswirkungen auf die Gesundheit hervor und sagte: „Wir haben Menschen zum Mond geschickt und wollen jetzt zum Mars, aber wir schaffen es nicht für jeden eine Toilette, Seife und sicheres Wasser in jeder Schule und in jedem Krankenhaus in Europa bereitzustellen.“

Ostrava hat sich vom Stahlzentrum der Tschechischen Republik zu einer gesunden Stadt mit 20% Grünfläche gemausert. In einer aufgezeichneten Botschaft betonte Prinz Albert von Monaco, wie wichtig der Schutz der Gesundheit vor den Folgen des Klimawandels ist und dass Umweltschutz und Bewältigung des Klimawandels ressortübergreifende Maßnahmen erfordern.

Die zentralen Bereiche prioritären Handelns zur Beförderung der neuen Europäischen Agenda für Umwelt und Gesundheit in der Zukunft seien benannt und würden die Grundlage der Erörterungen der kommenden Tage bilden: Luftverunreinigung, Chemikaliensicherheit, Städte, Klimawandel, ökologisch nachhaltige Gesundheitssysteme, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene, Abfall und kontaminierte Gebiete.

Plenarsitzung 2: Rückblick und Ausblick zu Umwelt und Gesundheit in Europa: Barrieren und Chancen für mehr Gesundheit und Wohlbefinden

In der zweiten Sitzung erläuterte der Professor für öffentliche Gesundheit und primäre Gesundheitsversorgung an der London School of Hygiene and Tropical Medicine Sir Andy Haines Zusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und der Fähigkeit der globalen Umwelt, zentrale Voraussetzungen der menschlichen Existenz in Zeiten des Klimawandels zu erfüllen. Er betonte die Bedeutung der Städte und ressortübergreifender Nachhaltigkeit für die Zukunft der Gesundheit auf dem Planeten Erde, was die Bedeutung der Agenda 2030 unterstreiche.

In vielen Beiträgen des Podiums wie des Plenums wurde die Notwendigkeit einer besseren Aufklärung von Öffentlichkeit wie Politik betont und Ausbildung für die Gesellschaft und eine kommende Generation von Fachleuten für Umwelt und Gesundheit gefordert.

Plenarsitzung 3: Unerledigtes erledigen: Intelligente Umweltpolitik als effektivstes Mittel für nachhaltige, öffentliche Gesundheit in der Europäischen Region

In der dritten Sitzung wurden Fortschritte seit der letzten Ministerkonferenz im italienischen Parma im Jahr 2010 begutachtet. Dr Srđan Matić vom Regionalbüro für Europa führte in die Thematik ein, gab einen Überblick über das Erreichte und forderte zu weiteren Maßnahmen auf. Bis 2030 könnten die Mitgliedstaaten der Europäischen Region 128 000–138 000 Todesfälle verhindern und gesundheitlichen Nutzen generieren, der 1–2% des gesamten Bruttoinlandprodukts entspräche, wenn sie ihre selbst beschlossenen Beiträge leisten würden.

Die stellvertretende Leitende Medizinalbeamtin des Vereinigten Königreichs Prof. Gina Radford wiederholte die Forderung nach Ausbildung junger Kräfte sowie zu vermehrter Beobachtung und Rückmeldung über die Aktivitäten. Dr. Eugenia Dogliotti vom Italienischen Institut für Gesundheit merkte an, dass die Abfallwirtschaft jetzt zwar größeres Gewicht auf Wiederverwertung lege, dass aber noch viel Forschung benötigt werde, um die Wechselwirkung zwischen Umweltbelastung und Gesundheit genauer zu verstehen.

Die Slowakei, Estland und Serbien stellten jeweils ihre Umsetzung der zentralen Prioritäten gemäß der Fünften Ministerkonferenz in den Bereichen Luftqualität, Chemikaliensicherheit, Wasser sowie Sanitärversorgung und Hygiene in Schulen vor.

Aus den Kommentaren des Plenums ging hervor, dass umweltbedingte Determinanten miteinander verknüpft sind und ein intelligentes Gegensteuern erfordern. Das Themenspektrum reichte vom Menschenrecht auf Wasserver- und Abwasserentsorgung über die Notwendigkeit umweltfreundlicher nachhaltiger Gesundheitssysteme bis zur Bedeutung internationaler Übereinkommen und Initiativen (wie das Protokoll über Wasser und Gesundheit und das Paneuropäische Programm Verkehr, Gesundheit und Umwelt (THE PEP)) für die Unterstützung der Agenda 2030. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass noch weitere Arbeit erforderlich sei, wenn die Zielvorgaben der vorangegangenen Ministerkonferenz hinsichtlich der Eliminierung von Asbesterkrankungen erreicht werden sollen.

Nebenveranstaltungen

Am Morgen fanden elf Nebenveranstaltungen noch vor der Eröffnungssitzung statt. Sie deckten ein Themenspektrum von Umweltlärm bis Anpassung an den Klimawandel ab. Unter dem Motto „Städte und Regionen: Aufbau ökologischer und sozialer Widerstandsfähigkeit angesichts globaler Umweltveränderungen“ luden der Bürgermeister von Ostrava, der Gouverneur der Provinz Mähren-Schlesien sowie das tschechische Netzwerk gesunder Städte, der Europäische Ausschuss der Regionen und das Netzwerk Regionen für Gesundheit der WHO zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein.

Eine weitere Nebenveranstaltung unter der Überschrift: „Wasser, Abwasser, Hygiene und Gesundheit: Schließen der Gerechtigkeitslücke“ wurde gemeinsam von UNECE, Frankreich, Ungarn und Serbien durchgeführt und zeigte, wie Wasserversorgung und Abwasserentsorgung erfolgreich verbessert werden können. Diese Veranstaltung konzentrierte sich insbesondere auf verbesserten Zugang in Schulen.