Tag 2 der Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit: Bekämpfung von Ungleichheiten, gute Politiksteuerung, Menschenrechte und Widerstandsfähigkeit

WHO

Am zweiten Tag der Sechsten Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit erkundeten die Teilnehmer die Rolle von Gemeinschaften sowie nationalen und regionalen Behörden für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit. Die Erörterungen konzentrierten sich auf die globale Relevanz von Umwelt- und Gesundheitspolitik in Europa und auf Anreize für geänderte Konsummuster zugunsten nachhaltiger Entwicklung.

Plenarsitzung 4: Widerstandsfähige Gemeinschaften in stützenden städtischen Umfeldern

Zur Eröffnung der Sitzung über widerstandsfähige Gemeinschaften erläuterte der Gouverneur der Provinz Mähren-Schlesien Ivo Vondrák, dass seine Region traditionell stark von Luftverunreinigung betroffen gewesen sei, dass sich dies in jüngster Zeit aber deutlich geändert habe. Er führte aus, dass man an jungen Menschen festhalten und Abwanderung von Intelligenz verhindern müsse und deswegen in Universitäten investiert habe und den Absolventen Zukunftschancen biete und so die Entwicklung der Region fördere.

Eine Podiumsdiskussion beleuchtete einige Initiativen in Mitgliedstaaten und betonte die Bedeutung der Schaffung eines belastbaren Katastrophenschutzes in synergetischem Einklang mit Risikominderung und Folgenabmilderung für den Klimawandel. Die WHO-Regionaldirektorin für Europa Dr. Zsuzsanna Jakab fasste die Diskussion zusammen mit der Bemerkung, dass Städte nachhaltige Planung benötigten, und dass dies auch im Entwurf für die Erklärung von Ostrava so gesehen werde.

Plenarsitzung 5: Maximaler Nutzen für die Menschheit durch internationale und nationale Konzepte für Umwelt und Gesundheit

Zur Eröffnung führte die Direktorin der Abteilung Politikgestaltung und -steuerung für Gesundheit und Wohlbefinden beim WHO-Regionalbüro für Europa Dr. Piroska Östlin in die Menschenrechtsdimension ein und veranschaulichte, wie Menschen für die Verbesserung von Umwelt, Gesundheit und Wohlbefinden gewonnen werden könnten. Sie betonte, dass politischer Wille zu inklusiver Regierungsführung zu einem klaren, gerechten und chancengleichen Prozess evidenzbasierter Politikgestaltung führen könne. Dieser Prozess müsse ebenso auf öffentlichem Zugang zu Informationen und Bürgerbeteiligung beruhen wie auf sozialer und ökologischer Gerechtigkeit.

Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Chemikalien und Menschenrechte Baskut Tuncak beleuchtete die Thematik Menschenrechte als treibende Kraft für Nachhaltigkeit und Erneuerung in der sich anschließenden Podiumsdiskussion weiter. Der Bürgermeister von Ostrava Tomáš Macura und Karsten Uno Petersen vom Europäischen Ausschuss der Regionen beschrieben die Aufgaben nationaler, subnationaler und kommunaler Verwaltungen unter dem Motto „global denken, lokal handeln“. Angesichts eines Durchschnittsalters der Parlamentsmitglieder von 53 Jahren sei die Möglichkeit einer Beeinflussung der Politikgestaltung und Gesetzgebung durch die Jugend begrenzt, stellte Antonio Marques Pinto von der European Environment and Health Youth Coalition (EEHYC) fest. Die EEHYC sei geschaffen worden, um der Jugend eine Stimme und ein Verfahren zu geben, durch das sie Einfluss auf die Politikgestaltung für Umwelt und Gesundheit gewinnen könne.

Plenarsitzung 6: Umwelt- und Gesundheitspolitik: Relevanz für die Welt und Effekt in Europa

Die Direktorin der Abteilung Öffentliche Gesundheit, umweltbedingte und soziale Determinanten von Gesundheit vom WHO-Hauptbüro Dr. Maria Neira erklärte, dass 92% der Menschheit unter Luftverunreinigung litten und jährlich 4,3 Millionen Todesfälle auf die Verschmutzung der Außenluft zurückzuführen seien. Sie wiederholte auch die Bedeutung des Bevölkerungswachstums für die Politikgestaltung: bis 2050 sei mit einem Anstieg der Weltbevölkerung auf 9,7 Milliarden Menschen zu rechnen, von denen 70% in Städten leben würden. Solche Herausforderungen für die globale Umwelt böten aber auch Chancen, insbesondere was die Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) betreffe. Die Prioritäten für Umwelt und Gesundheit unterstrichen, dass die WHO zu allen SDG aktiv werden müsse, nicht nur zum expliziten Gesundheitsziel SDG 3. Internationale Vereinbarungen wie das Übereinkommen von Paris zum Klimawandel, das das Potenzial zum wichtigsten globalen Übereinkommen für Bevölkerungsgesundheit habe, müssten zur Unterstützung von Fortschritten genutzt werden.

In den Podiumsdiskussionen wurde die Notwendigkeit ressortübergreifender Kooperation und Koordination betont. An Hand von Beispielen aus anderen Regionen der WHO wurde die Gemeinsamkeit aller angesichts der Herausforderungen sichtbar. Das unterstütze den Ruf nach mehr Zusammenarbeit unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft und Gemeinschaft für die Bewältigung der Herausforderungen durch Umwelt und Gesundheit, insbesondere wenn sie global bedingt seien wie der Klimawandel.

Plenarsitzung 7: Weniger ausbeuten, mehr erzeugen: Ökonomie für Umwelt, Gesundheit und Wohlbefinden

Die Diskussion während der letzten Sitzung des zweiten Tages kreiste um drei Schwerpunkte: wirtschaftliche Folgen umweltbedingter Gesundheitsschäden, Gesundheitsaspekte nachhaltiger Produktions- und Konsummuster und Chancen für die Gesundheitssysteme durch eine kooperative Kreislaufwirtschaft, ein nachhaltiges Beschaffungswesen und ökologische Nachhaltigkeit. In ihrer Grundsatzrede wiederholte Anja Leetz von Health Care Without Harm, wie schädlich Luftverschmutzung für die Gesundheit sei und dass außerdem die Belastung durch chemische und biologische Wirkstoffe verringert werden müsse, insbesondere wenn sich diese auf die Gesundheit von Kindern auswirkten wie Quecksilber, endokrine Disruptoren und persistente organischen Schadstoffe. Außerdem sollte jede Gesundheits- und Sozialpolitik auf Kosten und Nutzen untersucht werden und auch auf abgewendete Mortalität und Morbidität, was heute nicht der Fall sei.

Die sich anschließende Podiumsdiskussion beleuchtete Möglichkeiten und Herausforderungen durch die Verknüpfung von Gesundheit mit den Prinzipien und Konzepten einer grünen Kreislaufwirtschaft. Einige Erfahrungen und Fallbeispiele wurden präsentiert, hierunter eine Energiesparinitiative deutscher Krankenhäuser. Abschließend fasste der Moderator der Sitzung und Direktor der Abteilung für Gesundheitssysteme beim WHO-Regionalbüro für Europa Dr. Hans Kluge zusammen, dass Politiker die Kosten von Passivität abschätzen und hierfür enger mit den Finanzministerien und Versicherungen zusammenarbeiten und Gesundheitssysteme dazu ermutigen sollten, voranzugehen und ihre Umweltbilanz zu verbessern.

Nebenveranstaltungen

Am zweiten Tag wurden fünf Nebenveranstaltungen angeboten zu den Themen Verkehr, Gesundheit und Umwelt (THE PEP), reinere Luft für gesünderes Leben, Eliminierung von Asbesterkrankungen, Gesundheit im Zentrum städtischer Entwicklungsstrategien und umweltverträgliche Gesundheitssysteme. Auf der letzten Veranstaltung wurde die Veröffentlichung des Regionalbüros „Umweltverträgliche Gesundheitssysteme: ein Strategiedokument“ vorgestellt.