Albanien startet umfassende Sofortmaßnahmen zur Bekämpfung des Masernausbruchs

Albanien gehört zu jenen Ländern in der Europäischen Region der WHO, denen eine Unterbrechung der endemischen Übertragung der Masern und Röteln gelungen ist. Doch seit der Eliminierung der Masern im Jahr 2015 meldet das Land sporadisch eingeschleppte Fälle von Masern. Einige in der zweiten Jahreshälfte 2017 eingeschleppte Fälle hatten voneinander getrennte Ausbrüche mit einer kleineren Zahl von Fällen und einer begrenzten Übertragungszeit zur Folge. Deutlich mehr wurde das albanische Gesundheitssystem in jüngster Zeit durch einen weit größeren Ausbruch auf die Probe gestellt. Doch aufgrund der anhaltend hohen Durchimpfung dank des leistungsfähigen nationalen Impfprogramms sowie umgehender und umfassender Sofortmaßnahmen wird erwartet, dass der Ausbruch schon bald unter Kontrolle gebracht wird und dass das Land seinen Eliminierungsstatus aufrechterhalten kann.

Ausbruchsbekämpfung zur Eindämmung der Ausbreitung der Masern

Im Dezember 2017 wurden in der Stadt Pogreadec vier eingeschleppte Fälle sowie fünf zusätzliche damit verbundene autochthone Fälle gemeldet. Ein weiterer im Dezember eingeschleppter Fall löste einen Masernausbruch in Tirana aus, der noch anhält und sich möglicherweise auf andere Städte ausgedehnt hat. Vom 13. bis 15. Februar 2018 besuchte ein Expertenteam der WHO das Land und traf dabei mit den fachlichen Ansprechpersonen vor Ort zusammen. Der Zweck des Besuchs bestand darin, die aktuelle Lage zu erörtern und die Maßnahmen zur Bekämpfung des Ausbruchs zu unterstützen. Während des Besuchs konnte sich das Team davon vergewissern, dass die Reaktion des nationalen Impfprogramms den Empfehlungen der WHO entspricht und dass eine Vielzahl wichtiger Maßnahmen durchgeführt wurden, um der Ausbreitung der Krankheit entgegenzuwirken. Das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit wacht weiterhin über die epidemiologische Situation und erstattet der WHO Bericht.

Der erste Masernfall wurde am 10. Januar 2018 bestätigt, und bis 13. Februar waren 115 Fälle bestätigt, wobei die höchsten Fallzahlen in Tirana (84) und Lezhe (10) verzeichnet wurden. Vorläufige Befunde aus epidemiologischen Untersuchungen deuten auf eine mögliche Übertragung der Masern in der Notaufnahme und in anderen Einheiten der pädiatrischen Abteilung eines nationalen Krankenhauses hin. Die Mehrzahl der Fälle in Tirana (56 von 84) entfiel auf Ungeimpfte, in 11 Fällen liegen keine Informationen über den Impfstatus vor. Von den 56 ungeimpften Fällen waren 43 Kinder im Alter von 3 bis 12 Monaten. Diese Altersgruppe wird noch nicht vom Routineimpfungprogramm erfasst. Die kleine Anzahl der Fälle in Altersgruppen, die vom Routineimpfungprogramm erfasst werden, und das Fehlen von Fällen unter Gesundheitsfachkräften bestätigen eine hohe Durchimpfung mit Routine- und Zusatzimpfungen in Albanien.

Als Reaktion auf den Ausbruch machten die zuständigen Gesundheitsbehörden die Kontaktpersonen sämtlicher Fälle ausfindig und untersuchten sie, wobei alle in Bezug auf Masern gefährdeten Personen geimpft wurden. Darüber hinaus wurden die Impfregister überprüft, und alle Kinder, die ihre erste oder zweite Dosis Masern- und Röteln-Impfstoff verspätet erhalten hatten, erhielten eine Nachimpfung. Im Januar wurden durch Routineimpfungen und Nachimpfungen für Kinder, durch zusätzliche Impfmaßnahmen für Erwachsene und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen und durch die Impfung von Kontaktpersonen im Rahmen der Ausbruchsbekämpfung mehr als 10 000 Dosen MMR-Impfstoff verabreicht.

Aufgrund der erheblichen Zahl von Fällen bei Kindern unter einem Jahr wurde mit Zustimmung des nationalen Beirats für Immunisierungsfragen der Zeitplan des nationalen Impfprogramms vorübergehend abgeändert, um MMR-Impfungen für Kinder im Alter von 9 bis 12 Monaten zu ermöglichen. In solchen Fällen wird die Impfung als „Dosis Null“ verabreicht.

Das albanische Gesundheitssystem steht immer noch vor Herausforderungen bei der Sicherstellung der Einhaltung von Maßnahmen der Infektionsprävention und -bekämpfung in Gesundheitseinrichtungen; dies wurde auch in Bezug auf den Umgang mit Masernfällen festgestellt. Die laufende Grippesaison und der anhaltende Masernausbruch haben einen Anstieg der Zahl der ambulanten und stationären Krankenhausaufenthalte verursacht, wodurch sich auch die Gefahr einer Übertragung der Krankheit in Gesundheitseinrichtungen erhöht. Die Gesundheitsbehörden ergreifen auf der nationalen und subnationalen Ebene sowie auf Ebene der Gesundheitseinrichtungen Maßnahmen zur Stärkung von Infektionsschutz und -bekämpfung, u. a. durch Triage und Isolation von Patienten.

Masern sind eine anhaltende Bedrohung

Die Masern sind eine hochansteckende Krankheit, und solange das Masernvirus irgendwo in der Welt zirkuliert, besteht eine erhebliche Gefahr der grenzüberschreitenden Übertragung und der Einschleppung in Länder, die bereits eine Eliminierung erreicht haben. Vor kurzem veröffentlichte Daten belegen, dass die Europäische Region 2017 eine Vervierfachung der Masernfälle gegenüber dem Vorjahr verzeichnete. Dies deutet darauf hin, dass noch erheblicher Handlungsbedarf besteht, um das für die Europäische Region gesteckte Ziel einer Eliminierung der Masern zu verwirklichen.