Dänemarks Kampagne schafft wieder Vertrauen in die HPV-Impfung

"Stop HPV - stop livmoderhalskræft"

Als Eigil Rosegar Poulsen zum ersten Mal von der Kontroverse über die Impfung gegen das humane Papillomavirus (HPV) hörte, ging ihm das sehr nahe. Die Debatte war jedoch gleichzeitig der Auslöser für den Wunsch, seine Geschichte zu erzählen.

Im Jahr 2010 verlor Eigil seine Frau Trine. Sie starb an Gebärmutterhalskrebs – einer vom HPV-Virus verursachten Krankheit – und er stand mit seinen drei Töchtern allein da. Auch wenn die von der WHO empfohlene Impfung gegen die häufigsten Virusarten in Dänemark erst im Jahr 2009 in den Impfplan für Kinder aufgenommen wurde, also viel zu spät für seine Frau, so ist Eigil doch ein starker Verfechter der Impfung.

„Es ist großartig, dass man eine so ernste Krankheit wie Gebärmutterhalskrebs mit einer Impfung in den Griff bekommen kann. Aber die Debatte machte mich traurig“, sagt er. „Niemand möchte das erleben, was wir durchgemacht haben. Und wenn das mit einer Impfung verhindert werden kann, dann kann ich nur schwer nachvollziehen, weshalb sich Eltern dagegen entscheiden sollten.“

Der Impfverzicht ist in Dänemark inzwischen jedoch zu einem großen Problem geworden. Seit 2014 ist die HPV-Impfrate bei 12-jährigen dänischen Mädchen aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Impfung dramatisch von ungefähr 90% in vorhergehenden Kohorten auf unter 40% gefallen.

In den Medien kursierten Berichte über Symptome wie Schmerzen und Müdigkeit bei geimpften Mädchen. Immer mehr Studien sind inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass diese Symptome keine ursächliche Beziehung zu der Impfung haben.

Die WHO empfiehlt die Impfung für alle Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren, da sie neben der Vorsorgeuntersuchung die kosteneffektivste Gesundheitsmaßnahme gegen Gebärmutterhalskrebs darstellt. Jedes Jahr erkranken schätzungsweise 530 000 Frauen weltweit an der Krankheit, und 266 000 sterben daran. Studien zeigen, dass Länder, die die Impfung eingeführt haben, bis zu 90% weniger HPV-Infektionen bei heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen zu verzeichnen haben.

Verständnis für die Bedenken der Eltern

Um zu verstehen, weshalb so viele Eltern von Mädchen im Alter von ungefähr 12 Jahren die Impfung immer wieder verschoben, führte die Dänische Gesundheitsbehörde im Jahr 2016 eine Analyse durch. Sie ergab, dass fast alle Eltern, die Zweifel hatten, ob sie ihre Töchter impfen lassen sollten oder nicht, überwiegend in den Medien und im Internet von Geschichten über vermutete Nebenwirkungen gehört hatten.

„Auch wenn wir Informationen zur Bedeutung der HPV-Impfungen veröffentlichten, hatten die meisten Eltern das Gefühl, dass ihnen notwendige Informationen fehlten, um sich objektiv für oder gegen eine Impfung entscheiden zu können“, sagt Bolette Søborg, leitende medizinische Beraterin bei der Dänischen Gesundheitsbehörde.

Ein Jahr später starteten die Dänische Gesundheitsbehörde, die Dänische Krebshilfe und der Dänische Ärzteverband als vertrauensbildende Maßnahme die Kampagne „HPV stoppen, den Gebärmutterhalskrebs stoppen“, die daran erinnerte, dass das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, das Risiko von durch die Impfung verursachten unerwünschten Ereignissen bei Weitem überwiegt. Während der Kampagne wurden Artikel über die Vorbeugung gegen Gebärmutterhalskrebs an Zeitungen und Lifestyle-Magazine im ganzen Land verschickt und eine Facebook-Seite eingerichtet, um die Fragen von Eltern bestmöglich zu beantworten und Geschichten wie die von Eigil zu verbreiten.

„Ein großer Teil der Debatte über die HPV-Impfung findet auf Facebook statt, und hier gelangen viele Eltern an ihre Informationen. Diese Seite ist für uns eine Möglichkeit, die Eltern zu erreichen und einen offenen Dialog zu führen“, sagt Louise Hougaard Jakobsen, Beraterin bei der Dänischen Krebshilfe. „Wir sind offen für alle Kommentare und Fragen, die wir auf der Seite erhalten, und versuchen stets, in unseren Antworten gezielt auf sie einzugehen.“

Neue Daten zeigen, dass nach weniger als neun Monaten der Kampagne die Akzeptanz bereits gestiegen ist, was an der Zahl der Impfungen ersichtlich ist. Im vergangenen Jahr haben doppelt so viele Mädchen – fast 31 000 im Vergleich zu gut 15 000 im Jahr 2016 –  an dem HPV-Impfprogramm teilgenommen.

Austausch der gewonnenen Erfahrungen in der Europäischen Region

Die Stärkung bzw. der Wiederaufbau des öffentlichen Vertrauens in Impfungen ist ein ständiges Ziel der Impfprogramme weltweit. Über eine von der WHO vor zwei Jahren eingerichtete Vergleichsgruppe tauscht sich Dänemark mit Ländern wie Irland, den Niederlanden und Österreich über die zum Thema HPV gewonnenen Erkenntnisse aus.

„Verschiedene europäische Länder verzeichnen einen Rückgang der Bereitschaft zur HPV-Impfung oder haben Mühe, eine hohe Impfrate zu erreichen. Das WHO-Lernforum stellt die beste Möglichkeit für diese Länder dar, sich gegenseitig zu unterstützen“, sagt Katrine Bach Habersaat, Fachreferentin für impfpräventable Krankheiten und Immunisierung beim WHO-Regionalbüro für Europa.

„Die Dokumentierung der Erfahrungen Dänemarks und die Erkenntnisse daraus sind nicht nur von Bedeutung bei der Bewältigung der HPV-Krise, sondern auch entscheidend für den Erfolg künftiger neuer Impfungen.“