Tag 3 der hochrangigen Tagung über die Reaktion der Gesundheitssysteme auf nichtübertragbare Krankheiten: Chancen und Herausforderungen bei beschleunigten Maßnahmen

WHO

Der letzte Tag der Tagung in Sitges (Spanien) wurde mit einer interaktiven Podiumsdiskussion zu den Chancen und Herausforderungen von beschleunigten Maßnahmen der Gesundheitssysteme gegen nichtübertragbare Krankheiten sowie in Verbindung mit der Überspringung von Verfahrensschritten („leapfrogging“) eröffnet.

Dabei wurden sieben Themenbereiche herausgearbeitet, die eng mit Leapfrogging verknüpft sind: ein multidisziplinäres Vorgehen, die Sicherstellung einer auf Chancengleichheit ausgerichteten Politiksteuerung, die Errichtung von Netzwerken, die Betreuung bei Mehrfacherkrankungen, die Überarbeitung von Rollen und Verantwortungsbereichen des Gesundheitspersonals, die Sicherstellung einer angemessenen Finanzierung und die Entwicklung evidenzbasierter Handlungskonzepte für einen verbesserten Zugang zu hochwertigen Arzneimitteln.

Der anschließende Grundsatzvortrag verwies darauf, dass Leapfrogging in Zusammenhang mit einer groß angelegten Umgestaltung der Gesundheitssysteme neue revolutionäre Technologien, neue Betriebsmodelle und neue auf Verhaltensänderungen abzielende Initiativen erforderlich macht.

Durch Umfragen während der gesamten Vormittagssitzung wurden drei Möglichkeiten des Leapfrogging identifiziert, die die Teilnehmer als für ihre Länder besonders geeignet bewerteten. Darüber hinaus wurden die drei größten Herausforderungen, die auf nationaler Ebene vielversprechendsten Triebkräfte für eine Umgestaltung sowie die zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits umsetzbaren Triebkräfte herausgearbeitet.

Hochrangige Nebenveranstaltung in Kirgisistan

Kirgisistan hat der Welt gezeigt, dass Leapfrogging möglich ist, und konnte bereits vor zehn Jahren Erfolge präsentieren. Dennoch sind die Resultate in Bezug auf nichtübertragbare Krankheiten nicht so gut, wie sie sein könnten.

Während einer live im Internet aus Kirgisistan übertragenen Sitzung präsentierte der Stellvertretende Gesundheitsminister die Ergebnisse einer zweitägigen Nebenveranstaltung in Bischkek. In seiner Ansprache betonte er die Bedeutung der Risikostreuung im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten durch elektronische Patientenakten, Personalstärkung zur besseren Umsetzung von Aufgaben im Gesundheitsbereich und den Ausbau der ressortübergreifenden Zusammenarbeit zur Verbesserung von Gesundheitsmanagement und -planung.

An der von der WHO einberufenen Veranstaltung nahmen mehr als 60 Vertreter aus dem Gesundheitsbereich und von in der Entwicklungszusammenarbeit tätigen Partnerorganisationen teil, darunter Vertreter des Gesundheitsministeriums und anderer Ressorts, Parlamentarier und Gesundheitsspezialisten aus ganz Kirgisistan. Sie erörterten und analysierten ihre Erfahrungen bei der Stärkung der Gesundheitssysteme mit dem Ziel besserer gesundheitlicher Resultate im Bereich nichtübertragbare Krankheiten.

Von der Europäischen Region in die Welt

Auch Podiumsteilnehmer und Referenten aus den WHO-Regionalbüros für Afrika, Gesamtamerika und den westlichen Pazifikraum, aus dem WHO-Länderbüro in Sri Lanka sowie dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen berichteten von ihren Erfahrungen mit der Stärkung der Gesundheitssysteme mit dem Ziel besserer gesundheitlicher Resultate im Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten und überlegten, wie diese als Ansatzpunkt und Inspiration für weltweite Maßnahmen dienen können.

Ein Podiumsteilnehmer der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit sprach aus der Perspektive der Geber und erklärte, dass Entwicklungshilfe allein nicht ausreiche und dass ein ganzheitlicher, langfristiger Ansatz und eine Prioritätensetzung je nach Bedarf und Krankheitslast erforderlich seien. Auch die Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten im gesamten Lebensverlauf, die Einführung nachhaltiger Finanzierungsmaßnahmen und die Verfolgung eines patientenorientierten Ansatzes in der primären Gesundheitsversorgung sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

In ihren Schlussbemerkungen bekräftigte die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Dr. Zsuzsanna Jakab, die Erforderlichkeit einer umfassenden und abgestimmten Reaktion der Gesundheitssysteme auf nichtübertragbare Krankheiten. Sie bemerkte, dass die Tagung dazu beigetragen habe, inspirierende Möglichkeiten zur Umsetzung einer solchen Reaktion aufzuzeigen.

„Wir müssen eine positive Botschaft übermitteln, dass Erfolge möglich sind und wir durch die Überspringung von Verfahrensschritten direkt zur Umsetzung der gegenwärtig bewährten Praktiken übergehen und schnelle Fortschritte erzielen können, um die Menschen vor einem allzu frühen Tod zu bewahren“, sagte sie.

Das Abschlussdokument der Tagung wurde durch Zuruf angenommen. Die darin enthaltenen zentralen Aussagen werden der 68. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa vorgelegt und in die Tagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen im September 2018 einfließen.