Grundsatzdialog der Minister über HIV und damit verbundene Begleiterkrankungen in den Ländern Osteuropas und Zentralasiens

Amsterdam, 23. Juli 2018

Die Europäische Region ist die einzige Region der WHO, in der die Zahl der HIV-Neuinfektionen noch steigt. Im Jahr 2016 wurden etwa 160 000 HIV-Neuinfektionen gemeldet, von denen fast 80% in den Ländern Osteuropas und Zentralasiens (EECA) auftraten. Auch die Zahl der Tuberkulose-HIV-Koinfektionen ist in den letzten zehn Jahren regionsweit um das Vierfache gestiegen, was die Notwendigkeit beschleunigter Maßnahmen im Hinblick auf eine koordinierte bzw. integrierte Versorgung verdeutlicht.

Trotz der in einigen Bereichen erzielten Fortschritte, etwa bei der Reduzierung der Tuberkuloseinzidenz in der gesamten Europäischen Region, bleibt die Verhinderung und Bekämpfung der HIV-Epidemie weiterhin eine große Herausforderung, insbesondere in gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Fast die Hälfte aller mit HIV lebenden Menschen in der Europäischen Region sind sich ihrer Infektion nicht bewusst, und die Hälfte der Menschen mit einer HIV-Diagnose beginnen ihre Behandlung erst spät, was zu einer überhöhten Morbidität und Mortalität führt.

Zielsetzung

Der von der WHO in Zusammenarbeit mit der niederländischen Regierung organisierte Grundsatzdialog der Minister bringt die Gesundheitsminister und ihre hochrangigen Entscheidungsträger aus den Ländern Osteuropas und Zentralasiens zusammen, um das politische Engagement im Hinblick auf HIV neu zu entfachen und die diesbezüglichen Gegenmaßnahmen in diesen Ländern zu verstärken. Die Teilnehmer erhalten Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch über Ansätze, die auf nachhaltige, innovative und evidenzbasierte HIV-Bekämpfungsmaßnahmen abzielen. Hierunter fallen etwa nationale Bemühungen um verstärkte Prävention, Tests, Behandlung und Pflege sowie die Eliminierung von Mutter-Kind-Übertragungen. Zur gleichen Zeit sollten diese Interventionen gegen die Stigmatisierung vorgehen, auf die sozialen Determinanten eingehen und die in den Ländern verfügbaren Ressourcen erhöhen.

Darüber hinaus wurden zu diesem Dialog ausgewählte zentrale Partner wie die Europäische Kommission, das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS), der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie Vertreter der Zivilgesellschaft und mit HIV lebende Menschen eingeladen.

Das neue Instrument der WHO zur Unterstützung der Länder

Auf der hochrangigen Tagung wird das WHO-Regionalbüro für Europa eine Sammlung bewährter Praktiken für die Umsetzung des Aktionsplans für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen HIV in der Europäischen Region der WHO vorstellen, die die Anpassung oder Übernahme bewährter Praktiken in der gesamten Region und darüber hinaus erleichtern soll.

Beendigung der HIV-Epidemie bis 2030

Durch eine starke ressortübergreifende Zusammenarbeit sowie eine gezielte Prävention bzw. Versorgung auf Basis eines Gesundheitsschutzansatzes wird so das Engagement der Europäischen Region für eine Beendigung der HIV-Epidemie bis 2030 und die Erreichung des Nachhaltigkeitsziels (SDG) 3 („Bis 2030 die Aids-, Tuberkulose- und Malariaepidemien und die vernachlässigten Tropenkrankheiten beseitigen und Hepatitis, durch Wasser übertragene Krankheiten und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen“) neu entfacht.

Die Tagung findet zeitgleich mit der 22. Internationalen Aids-Konferenz (Amsterdam, 23.–27. Juli 2018) statt.