Gesundheitskompetenz als Hebel zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten – Workshop in Portugal

Lissabon, 17.–18. Januar 2019

Zusammen mit einer Gruppe von Mitgliedstaaten hat das WHO-Regionalbüro für Europa einen Workshop organisiert, der sich mit der Entwicklung, Umsetzung und Evaluation von Initiativen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz in der gesamten Europäischen Region der WHO mit dem Ziel der Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten befasst.

Die Länder der Region werden dazu aufgefordert, ihre Anstrengungen zum Aufbau und zur Unterstützung von Gesundheitskompetenz zu intensivieren. Die Europäische Region ist inzwischen auf bestem Wege, ihr Ziel einer Reduzierung der vorzeitigen Mortalität aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten um 25% bis zum Jahr 2025 zu erreichen; dennoch herrscht noch weiterer Handlungsbedarf.

Das derzeit im Aufbau befindliche Aktionsnetzwerk der Europäischen Region zur Förderung von Gesundheitskompetenz für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten wird maßgeblich dazu beitragen, die individuelle und kollektive Fähigkeit der Menschen zu stärken, zu mündigen Teilnehmern an gesundheitsbezogenen Entscheidungsprozessen zu werden und echte Fortschritte bei der Zurückdrängung nichtübertragbarer Krankheiten zu erreichen.

Die Arbeit des Aktionsnetzwerks wird auf den Erfahrungen mit Gesundheitskompetenz auf der globalen wie auch nationalen Ebene aufbauen. Das Netzwerk soll Demonstrationsprojekte aus Ländern der Europäischen Region ebenso unterstützen wie einen Erfahrungsaustausch zur wirksameren Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten und zur Förderung der psychischen Gesundheit in verschiedenen Umfeldern im gesamten Lebensverlauf.

Die WHO erkennt an, dass Gesundheitskompetenz eine der zentralen Säulen der Gesundheitsförderung im Hinblick auf die Verwirklichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ist. Konkret kommt der Aufbau von Gesundheitskompetenz auch den Bemühungen der Mitgliedsstaaten um Erfüllung der Zielvorgabe 3.4 der Nachhaltigkeitsziele (SDG) zugute, mit der eine Senkung der Frühsterblichkeit aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten um ein Drittel angestrebt wird.

Die wachsende und entscheidende Bedeutung von Gesundheitskompetenz wurde in jüngster Zeit durch eine Reihe von politischen Erklärungen unterstrichen. In der 2016 angenommenen Erklärung von Schanghai wurde Gesundheitskompetenz als eine maßgebliche Determinante von Gesundheit propagiert und die Bedeutung der Befähigung der einzelnen Bürger sowie der Ermöglichung einer aktiven Beteiligung an kollektiven Maßnahmen zur Gesundheitsförderung hervorgehoben.

„Gesundheit 2020“, das Europäische Rahmenkonzept für gesamtstaatliches und gesamtgesellschaftliches Handeln zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden, beinhaltet auch Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz.

Mit dem Workshop werden folgende Ziele angestrebt:

  • Stärkung eines gemeinsamen Verständnisses von Konzepten für die Stärkung der Gesundheitskompetenz von Einzelpersonen, Gemeinschaften und Organisationen, von bedarfsgerechter Gesundheitskompetenz und ihrem Beitrag zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten sowie von Strategien und Instrumenten zur Anwendung von Gesundheitskompetenz;
  • Verbesserung des Verständnisses der Art und Weise, wie Interventionen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz sich in die gesundheitspolitische Tagesordnung auf der regionsweiten und globalen Ebene einfügen, vor allem durch Verwirklichung der SDG und der auf nichtübertragbare Krankheiten bezogenen Zielvorgaben im gesamten Lebensverlauf, und Bestimmung von Bereichen mit Verbesserungsbedarf;
  • Durchführung einer Schulung zur Entwicklung eines Demonstrationsprojekts für Gesundheitskompetenz im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten auf der Länderebene, um dort die maßgeblichen Kapazitäten zu stärken;
  • Erörterung der Erstellung eines Fahrplans für die Europäische Region zur Durchführung von Initiativen zur Förderung von Gesundheitskompetenz im gesamten Lebensverlauf; und
  • Start des Europäischen Aktionsnetzwerks und Erörterung seiner Modalitäten, um eine Praktikergemeinschaft zu schaffen, Lernprozesse zu beschleunigen und durch Gesundheitskompetenz beeinflusste Interventionen auf der Länderebene auszuweiten.