Mitgliedstaaten werden nachdrücklich aufgefordert, den Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten auszuweiten

Ahmed Hallyyev

Die Regierungen der WHO-Mitgliedstaaten müssen auf nationaler Ebene vorhandene Handlungskonzepte umsetzen und ehrgeizige Ziele setzen, um ihre Verpflichtung zur Reduzierung vorzeitiger Todesfälle aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten in der Europäischen Region der WHO einzuhalten. Das war einhellig die Auffassung von Rednern und Teilnehmern der Plenarsitzung im Rahmen der Hochrangigen Konferenz der Europäischen Region der WHO zum Thema nichtübertragbare Krankheiten, die am 9. und 10. April 2019 in Aschgabat (Turkmenistan) stattfand.

Reduzierung vorzeitiger Todesfälle aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten um ein Drittel bis 2030

Gemäß der Zielvorgabe 3.4 der Ziele für nachhaltige Entwicklung haben sich die Regierungen dazu verpflichtet, die Zahl der Todesfälle aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten bis 2030 um ein Drittel zu reduzieren, um vorzeitige Todesfälle zu verhindern. Im Mittelpunkt der Konferenz, an der 44 Länder aus der gesamten Region teilnahmen, standen die Maßnahmen, die von den Ländern zur Erreichung dieser Zielvorgabe ergriffen werden können.

„Wir sprechen hier über das Leben von Menschen, die echten Risikofaktoren ausgesetzt sind und an echten Krankheiten und Behinderungen leiden und vorzeitig sterben, deshalb müssen wir mehr tun. Nichtübertragbare Krankheiten beeinträchtigen die soziale und wirtschaftliche Entwicklung“, sagte Dr. Bente Mikkelsen, Leiterin der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf im WHO-Regionalbüro für Europa.

Will die Region ihre Zielvorgabe zur Reduzierung vorzeitiger Todesfälle aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten erreichen, ist es unerlässlich, die Zahl der Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabeteserkrankungen und chronischen Atemwegserkrankungen zu verringern. Die vielversprechendsten Optionen der WHO, eine Reihe konzeptioneller Interventionen mit einem Schwerpunkt auf der Eindämmung der nichtübertragbaren Krankheiten, haben sich als wirksam erwiesen und umfassen Maßnahmen zur Verringerung des Alkohol- und Tabakkonsums, zur Reduzierung der Salz- und Zuckeraufnahme, zur Eliminierung von Transfettsäuren in Nahrungsmitteln und zur Förderung von mehr Bewegung. Zusätzlich zur Ergreifung wirksamer Maßnahmen zur Bewältigung der wichtigsten Risikofaktoren sind auch neue Ansätze und neue Formen der Zusammenarbeit erforderlich, um die zentralen Zielvorgaben zu erreichen.

„Wir alle wissen, dass viele nichtübertragbare Krankheiten durch Faktoren verursacht werden, die wir nicht beeinflussen können: die Belastung durch das Passivrauchen, ungesunde Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Zucker, Salz und Transfetten, dicht bevölkerte Ballungsgebiete, die die Möglichkeiten zur körperlichen Betätigung beeinträchtigen. Die Liste der Faktoren außerhalb des Einflussbereichs des Gesundheitsministeriums ist lang“, sagte der turkmenische Minister für Gesundheitswesen und pharmazeutische Industrie, Nurmuhammet Amannepesov. „Um nichtübertragbare Krankheiten wirksam verhindern und bekämpfen zu können, müssen wir unsere Anstrengungen auf die Verfolgung eines gesamtstaatlichen Ansatzes richten und unsere ressortübergreifende Zusammenarbeit stärken.“

Die Gesundheitssysteme und Systeme der sozialen Absicherung spielen bei der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten durch einen inklusiven Lebensverlaufansatz eine zentrale Rolle, doch es kann noch mehr getan werden.

„Wir müssen auch geschlechtergerechte Ansätze verfolgen und Umfelder wie Schulen, Städte und Haftanstalten im gesamten Lebensverlauf für integrative und umfassende Maßnahmen nutzen“, sagte Dr. Piroska Östlin, Geschäftsführende WHO-Regionaldirektorin für Europa und Leiterin der Abteilung Politikgestaltung und -steuerung für Gesundheit und Wohlbefinden. „Indem wir den Zugang zu präventiven Gesundheitsleistungen in allen Lebensphasen gewährleisten und die Gesundheitskompetenz und frühzeitige Entdeckung von Krankheiten verbessern, können wir eine hohe Investitionsrendite erzielen, bei kostspieligen Behandlungen Geld sparen und zur Prävention und Reduzierung von Behinderungen im späteren Leben beitragen.“

Neue Partnerschaften, neue Instrumente

Die Ergänzung der vier Risikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten und der vier üblicherweise genannten Erkrankungen um Luftverschmutzung und psychische Gesundheit bietet neue Chancen und macht den Weg frei für neue Partnerschaften. Betrachtet man diese Chancen unter einem geschlechterbezogenen Gesichtspunkt oder dem Gesichtspunkt der Gesundheitskompetenz oder der Migration, ergeben sich weitere neue Spielräume für effektive Maßnahmen.

Das Thema Luftverschmutzung bringt automatisch neue Partner aus den Bereichen Umwelt, Verkehr und Planung, während das Thema psychische Gesundheit eine konkrete Chance bietet, unseren Ansatz für die Gesundheitssysteme zu überdenken. Die Hervorhebung des Themas psychische Gesundheit ermutigt die maßgeblichen Akteure zudem, ganzheitlichere Konzepte für das Gesundheitswesen in Betracht zu ziehen und ihr Verständnis für andere Determinanten von psychischen Erkrankungen, wie etwa soziale Determinanten, zu vertiefen.

Einer der komplexesten und herausforderndsten Bereiche der Zusammenarbeit, der von den Mitgliedstaaten berücksichtigt werden sollte, ist die Kooperation mit der Privatwirtschaft und der Industrie. Auch wenn sich dadurch Chancen ergeben können, müssen die Mitgliedstaaten in dieser Hinsicht zusammenarbeiten, um sich bei der Festlegung von Agenden und Handlungskonzepten vor Interessenkonflikten zu schützen.