Fallstudien zum Thema gesundheitliche Chancengleichheit

Diese Fallstudien wurden zusammengestellt für die hochrangige Konferenz zum Thema gesundheitliche Chancengleichheit, die unter dem Motto „Ein Leben in Gesundheit und Wohlstand für alle in der Europäischen Region der WHO“ vom 11. bis 13. Juni 2019 in Ljubljana (Slowenien) stattfinden wird. Sie zeigen einige der konkreten Maßnahmen auf, die Länder zur Erfüllung der fünf Voraussetzungen für eine gesündere, gerechtere Gesellschaft in mehr Wohlstand ergriffen haben.

Das Projekt „Gesunde Generation“ – Förderung leicht zugänglicher Gesundheitsleistungen zugunsten von gesundheitlicher Chancengleichheit

Republik Moldau

Ziel dieses Projekts ist es, den Zugang junger Menschen zu Gesundheitsinformationen und hochwertigen Gesundheitsleistungen durch ein Netzwerk von 41 jugendgerechten Gesundheitszentren zu verbessern. Diese Zentren bieten Gesundheitsleistungen in einer Vielzahl von Bereichen, etwa in Bezug auf sexuelle und reproduktive Gesundheit, Ernährungsstörungen, psychische Probleme und gewaltbedingte Probleme. Darüber hinaus bieten sie allgemeine medizinische Untersuchungen, Informationen und psychologische Beratungen sowie Verhütungsmittel.

Während im Jahr 2011 nur 5% der Jugendlichen im Land diese Zentren nutzten, waren es im Jahr 2017 bereits 25%. Durch einen verbesserten geografischen Zugang und die Bereitstellung hochwertiger Gesundheitsleistungen hat das Projekt „Gesunde Generation“ zu einer Verringerung der unerfüllten gesundheitlichen Bedürfnisse Jugendlicher beigetragen, insbesondere unter jenen, die in Gebieten mit geringem Einkommen leben.

Ecaterina, eine 19-jährige Studentin, die als Freiwillige in einem der jugendgerechten Gesundheitszentren arbeitet, sagt: „Die Zentren haben mir mehr Selbstvertrauen geschenkt. Sie haben mein Leben verändert, zu meiner persönlichen Entwicklung als junge Erwachsene beigetragen und mir geholfen, Antworten auf viele Fragen zu finden. Nach der Beratung habe ich mich so positiv gefühlt. Ich vergaß meine Ängste und die Scham, über Tabuthemen zu sprechen.“


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Das Projekt B-MINCOME – Förderung von Einkommenssicherheit und sozialer Absicherung zugunsten von gesundheitlicher Chancengleichheit

Barcelona (Spanien)

Ziel dieses zweijährigen Pilotprojekts ist es, in die Menschen zu investieren und ihr unmittelbares Umfeld zu verbessern, indem es ein garantiertes Mindesteinkommen bereitstellt. Im Mittelpunkt des Projekts stehen Aktivitäten in zehn benachteiligten Wohngegenden im Viertel Eix Besòs in Barcelona, das durch ein geringes Durchschnittseinkommen, hohe Arbeitslosigkeit und hohe Schulabbrecherquoten gekennzeichnet ist.

Die durch das Projekt geleistete Unterstützung geht über finanzielle Hilfen hinaus und umfasst darüber hinaus:

  • Schulungen und Unterstützung zur Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten für die Anwohner;
  • Hausrenovierungen;
  • soziale, gemeinsame Aktivitäten in der Gemeinschaft; und
  • eine lokale Währung zugunsten der lokalen Wirtschaft.

Manuela*, eine 38-jährige arbeitslose Mutter zweier Kinder, nimmt an dem Projekt teil. Sie sagt: „B-MINCOME hilft, zumindest in Bezug auf die Kinder. Man weiß, dass man genug Milch und Essen hat, man weiß, dass man für den Kindergarten oder die Schulkantine bezahlen kann. In dieser Hinsicht ist es wirklich eine große Hilfe. Aber es reicht nicht, um für alles andere zahlen zu können.“

* Name wurde geändert.


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Das Projekt PRISMA-7 – Förderung leicht zugänglicher Gesundheitsleistungen zugunsten von gesundheitlicher Chancengleichheit

Friaul-Julisch Venetien (Italien)

Aufgrund von Gebrechlichkeit sind ältere Menschen anfälliger für kleinere physische Belastungen sowie für Stürze und Gebrechen. Das Projekt PRISMA-7 startete im Jahr 2018 und zielt darauf ab, Gebrechlichkeit bei älteren Menschen frühzeitig zu erkennen und die entsprechenden Gegenmaßnahmen von Gesundheits- und Sozialdiensten zu verbessern. Es soll die Lebensqualität älterer Menschen verbessern, ihre Unabhängigkeit fördern sowie Krankenhausaufenthalte und funktionale Abhängigkeit verhindern bzw. hinauszögern.

Das Projekt ist in zwei Phasen unterteilt:

  • erstens die Identifizierung von Menschen, denen in der Altersgruppe der über 75-Jährigen Gebrechlichkeit droht (26% der Bevölkerung in Friaul-Julisch Venetien), anhand kurzer Telefoninterviews, bei denen ein Screeningverfahren mit sieben Fragen zum Einsatz kommt; und
  • zweitens Gespräche mit jenen, die als gefährdet identifiziert wurden, über ihren Gesundheitszustand und die Gewährleistung einer besser integrierten Unterstützung, etwa durch die Einbeziehung eines Allgemeinmediziners und von Sozialdiensten.

2018 wurden mehr als 23 000 Menschen interviewt, von denen 38% als potenziell gebrechlich identifiziert wurden. Giorgio, ein 75-jähriger Mann aus Trieste, der seine an Demenz leidende Frau pflegt, hat an dem Projekt teilgenommen. Er sagt: „Der Vorzug dieses Projekts ist, dass es nicht nur Angebote zu Hause bietet, sondern uns darüber hinaus auch zeigt, wie wir gesund bleiben, und uns die entsprechenden Werkzeuge an die Hand gibt.“


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Die Arbed- und Nest-Verfahren des Programms „Warmes Zuhause“ – Förderung würdiger Lebensbedingungen zugunsten von gesundheitlicher Chancengleichheit

Wales (Vereinigtes Königreich)

Die Regierung von Wales hat das Programm „Warmes Zuhause“ entwickelt, um zur Beseitigung der Energiearmut, zur Reduzierung der CO2-Emissionen und zur Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung und Erneuerung in Wales beizutragen. Im Rahmen des Arbed-Verfahrens nehmen Haushalte an einer Umfrage teil, bei der die Energiebilanz ihrer Immobilie bewertet wird. Werden sie ausgewählt, installiert ein offizieller Installateur eine Zentralheizung und entsprechende Wärmedämmung und führt Qualitätskontrollen mit dem neuen System durch.

Im Rahmen des Nest-Verfahrens beantworten Haushalte Fragen, um ihren Anspruch auf eine kostenlose Verbesserung ihrer Energieeffizienz zu prüfen. Haben sie Anspruch auf eine solche Verbesserung, erhalten sie Zugang zu einer Reihe von kostenlosen Maßnahmen wie etwa ein neuer Gaskessel, eine Zentralheizung und/oder Wärmedämmung. Haben sie keinen Anspruch, erhalten sie eine kostenlose Beratung zum Energiesparen, zum Umgang mit Geld und zur Senkung der Energiepreise. Bislang wurden im Rahmen des Programms „Warmes Zuhause“ in über 50 800 Haushalten energetische Verbesserungen vorgenommen und mehr als 113 000 Haushalte erhielten eine Energieberatung.

Bei Frau H., einer Hausbesitzerin aus der Nähe von Caerphilly (Wales), wurden im Rahmen des Nest-Verfahrens ein Kombiheizgerät installiert und ihre Heizkörper mit thermostatischen Ventilen ausgestattet. Sie sagt: „Es ist wunderbar, es grenzt fast an Zauberei. Ich hatte noch nie sofort heißes Wasser. Das letzte System brauchte etwa eine Stunde Aufwärmzeit bevor man die Wärme fühlen konnte. Jetzt fühlt man es sofort. Ich leide unter Morbus Raynaud, ich spüre die Kälte also deutlicher als andere. Dieses neue System macht daher für mich einen gewaltigen Unterschied.“


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Die Initiative „Inklusion durch SPIELZEUGE“ – Förderung des Sozial- und Humankapitals zugunsten von gesundheitlicher Chancengleichheit

Belgien, Italien, Kroatien, Slowakei, Slowenien und Ungarn

Ziel der Initiative „Inklusion durch SPIELZEUGE“ ist es, den Übergang zwischen der Betreuung zu Hause und der Vorschule für kleine Kinder zu erleichtern. Sie bezieht auch Roma-Kinder mit ein, die oftmals ab einem frühen Alter unter Ausgrenzung und Diskriminierung leiden. Im Rahmen der Initiative werden Spielzentren in Gebieten eingerichtet, in denen sowohl Roma-Familien als auch Nicht-Roma leben, sodass die Kinder und ihre Familien an gemeindenahen, integrierten Angeboten teilnehmen können. Die Spielzentren bieten einen chancengleichen Zugang zu sicheren, gesundheitsförderlichen Umfeldern.

Die Spielzentren werden von kommunalen Komitees und Teams betrieben, die sich aus Vertretern von Schulen, Vorschullehrern, Beschäftigten aus dem Bereich der Gemeindeentwicklung, Vertretern der Zivilgesellschaft, Gesundheitsfachkräften und anderen kommunalen maßgeblichen Akteuren und Behörden zusammensetzen. Im Jahr 2018 nahmen 3000 Kinder an den Aktivitäten der Spielzentren teil und 2000 Eltern und Großeltern nahmen an Aktivitäten teil, die von den Praktikern organisiert wurden.

„Das Spielzentrum ist ideal für Eltern, die sich die Art von hochwertigen Spielzeugen, die sie hier haben, nicht leisten können. Es ist toll, dass wir Spiele und Spielzeuge leihen können, mit denen die Kinder dann spielen können, über die sie etwas lernen oder mit denen sie etwas bauen können“, sagt Anela, eine zweifache Mutter, die in der Roma-Siedlung Murska Sobota in Slowenien lebt.


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Die Initiative „Partnerschaften für Jugendbeschäftigung“ – Förderung würdiger Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen zugunsten von gesundheitlicher Chancengleichheit

Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Russische Föderation, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan

In Osteuropa und Zentralasien liegt die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen bei 15–17% – damit ist sie dreimal höher als die Arbeitslosenquote unter Erwachsenen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist eng mit psychischen Problemen und riskantem Verhalten verknüpft und kann darüber hinaus langfristige Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden haben.

Die Initiative „Partnerschaften für Jugendbeschäftigung“ der Internationalen Arbeitsorganisation und der Privatwirtschaft zielt darauf ab, die Jugendbeschäftigung durch kommunale Partnerschaften und strategische Allianzen auf subregionaler Ebene über 10 Länder hinweg zu verbessern.

Die teilnehmenden Länder konzentrieren sich dabei auf die Ausarbeitung wirksamer beschäftigungspolitischer Handlungskonzepte und Strategien für Jugendliche, die Umsetzung von Aktionsplänen und Programmen zur Schaffung neuer und besserer Arbeitsplätze, den Aufbau von Partnerschaften auf kommunaler Ebene und den Austausch von Wissen und Erfahrungen mit anderen Ländern.

Elbrus, ein 25-jähriger Besitzer eines Clubs für elektronischen Sport (e-Sport) aus Aserbaidschan sagt: „Auch wenn ich nur 3 Monate lang an dem Projekt teilgenommen habe, hat es mein Leben doch komplett verändert. Ich war lange Zeit arbeitslos und jetzt habe ich mein eigenes kleines Unternehmen. Finanzielle Unabhängigkeit ist für mich das wertvollste Gut. Ein Job schenkt dir Zufriedenheit und macht dich glücklich.“


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