Hochrangige Konferenz zum Thema gesundheitliche Chancengleichheit geht mit Annahme der Erklärung von Ljubljana zu Ende

Tamino Petelinsek/STA

Dr Piroska Östlin, Acting WHO Regional Director for Europe, and Dr Simona Repar Bornšek, State Secretary for Health and Chief Physician, welcome the approval of the Ljubljana Statement.

Am zweiten Tag der Konferenz wurden die Delegierten in den Themenblock „Beschleunigung“ eingeführt, der sich primär damit befasst, wie die noch bestehenden Lücken geschlossen und die Verbesserungen für die Benachteiligten beschleunigt werden können. Eine Reihe von parallel stattfindenden Sitzungen brachte Einblicke in und Beispiele für: integrierte bürgernahe Gesundheitsangebote; frühzeitige Interventionen zum Abbau von Ungleichgewichten im gesamten Lebensverlauf; soziale Inklusion, Teilhabe und Befähigung zu selbstbestimmtem Handeln; und gesundheitliche Chancengleichheit zur Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Zusammenarbeit mit den Menschen zur Beschleunigung gesundheitlicher Chancengleichheit

Prof. Mark Bellis, Direktor für Politikforschung und internationale Entwicklung bei Public Health Wales, erzählte von in Wales ergriffenen Initiativen zur Bewältigung negativer Kindheitserfahrungen und zur Durchbrechung des Teufelskreises aus Benachteiligung und ungünstigen gesundheitlichen Resultaten. Er schilderte, wie Lehrer und Polizeibeamte (die „vorderste Linie“) in Wales heute in Bezug auf Traumata und ihre Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern geschult werden.

Ein einfaches, praktisches Resultat dieser Schulungen besteht darin, dass Kinder, die Misshandlungen beobachtet oder erlebt haben, bei ihrer Rückkehr in die Schule an einem ruhigen Ort die Gelegenheit zu einem Gespräch mit einem Erwachsenen erhalten. So erleben sie die Schule als einen sicheren Ort und können schneller wieder zum Lernen zurückkehren und negative Verhaltensweisen weitgehend vermeiden.

Aus den parallelen Sitzungen gingen eine Reihe wesentlicher Überlegungen hervor, darunter die Notwendigkeit, die Art der Planung, Umsetzung und Evaluierung von Initiativen für mehr Chancengleichheit zu verändern – indem sie nicht nur für die Menschen, sondern auch zusammen mit den Menschen geschaffen werden – und sie mit einem Sinn für Chancengleichheit zu entwickeln.

Hierbei wurde ein Schwerpunkt auf Kooperationen zur Entwicklung von Partnerschaften und Lösungskonzepten gelegt, die inklusiv sind und Verknüpfungen zu verschiedenen Zielkatalogen aufweisen, nicht zuletzt zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Ferner wurde die Bedeutung folgender Elemente hervorgehoben: Einbeziehung gesamtstaatlicher und gesamtgesellschaftlicher Lösungsansätze in die Planung auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene; Befähigung und Kapazitätsaufbau beim Gesundheitspersonal; und Neuausrichtung der primären Gesundheitsversorgung unter stärkerer Betonung der Maxime, niemanden zurückzulassen.

Diskussionen im Plenum

Zu Beginn der Debatte im Plenum wurden die Delegierten mittels einer interaktiven Erhebung gefragt: „Welche Art von Sozialkapital – Vertrauen zu anderen, Möglichkeit der Hilfe durch andere, Kontrolle über das eigene Leben oder Gefühl der Sicherheit vor Kriminalität und Misshandlung – trägt statistisch signifikant zur beschleunigten Verwirklichung gesundheitlicher Chancengleichheit bei?“ Es war eine Trickfrage – die Antwort lautete: alle vier.

Die Redner im Plenum waren sich über die grundlegende Notwendigkeit einig, partizipatorisch mit anderen auf eine Bewältigung gesundheitlicher Benachteiligungen hinzuarbeiten, aber auch darüber, dass eine Vielzahl von Politikbereichen – Wirtschaft, Umwelt, Soziales, Gesundheit u. a. – von der Überwindung einer solchen Kluft profitieren.

„Es gibt überwältigende empirische Belege dafür, dass Investitionen in die fünf Voraussetzungen für gesundheitliche Chancengleichheit auch zur Förderung von Wachstum beitragen“, erklärt Prof. Aaron Reeves von der Universität Oxford.

Zweiter Sachstandsbericht über gesundheitsrelevante Umweltungleichheit in Europa veröffentlicht

Dieser in Ljubljana veröffentlichte Bericht verdeutlicht, dass es auch innerhalb von Ländern weiterhin Ungleichheiten hinsichtlich der Exposition gegenüber Umweltrisiken gibt, die sich teilweise sogar verschärft haben. Dies gilt trotz der erheblichen Verbesserung der Umweltbedingungen in den meisten Ländern immer noch. So gaben aufgrund von Ungleichheiten hinsichtlich der Wohnbedingungen einkommensschwache Haushalte in Ländern Westeuropas 3,3 Mal häufiger an, Schwierigkeiten bei der Beheizung ihrer Wohnungen zu haben, als die übrigen Haushalte.

Beeinflussung: Die gesundheitliche Chancengleichheit in den Mittelpunkt einer nachhaltigen Entwicklung rücken und Partnerschaften stärken

Mit der letzten Säule der Konferenz wurden die Delegierten aufgefordert, Lösungsansätze und Prioritäten zu untersuchen, die gesundheitliche Chancengleichheit in den Mittelpunkt einer nachhaltigen Entwicklung und inklusiver Volkswirtschaften rücken. Dabei stehen neue, gestärkte Partnerschaften und Instrumente im Vordergrund, die wirksam dazu beitragen, soziale Werte in den Ländern wie auch auf Ebene der Europäischen Region in Steuer- und Wachstumsstrategien einzubringen.

Insgesamt wurde in den Beratungen und Präsentationen während der parallelen Sitzungen anerkannt, dass Partnerschaften Räume für Innovation, Lernen, Austausch und Reflexion schaffen und dass sie eine Vielzahl verschiedener Stimmen einbeziehen müssen, insbesondere solche, die in der Vergangenheit ausgegrenzt wurden.
Die Delegierten äußerten sich skeptisch über die Nachhaltigkeit von Maßnahmen an der Basis aufgrund deren mangelnder Finanzierung und wiesen darauf hin, dass fortschrittliche Konzepte, etwa durch Preisgestaltung und Besteuerung zur Förderung von Chancengleichheit, kommerziellen Einflüssen standhalten müssten. Die Bekämpfung der geballten Wirkung kommerzieller Determinanten auf die Gesundheit von bereits gesundheitlich gefährdeten Kindern und Erwachsenen sei ein wichtiges Anliegen.

Es herrschte allgemein Übereinstimmung darüber, dass es breit angelegter Koalitionen bedürfe, um den Machenschaften großer kommerzieller Akteure entgegenzuwirken. Außerdem müsse die beste verfügbare Evidenz, einschließlich der Folgenabschätzungen für die Chancengleichheit, herangezogen werden. Die Teilnehmer unterstrichen, dass der gesetzliche Rahmen zum Schutz der Rechte der Menschen gestärkt werden müsse, insbesondere für jene, die oft zurückgelassen werden.

Am letzten Tag der Konferenz gab es lebhafte Diskussionen im Plenum zu diesen Themen, in denen darüber beraten wurde, wie Bündnisse geführt und gestärkt werden können und wie ökonomische Chancengleichheit hergestellt werden kann. Redner, die Rechtshilfeorganisationen, nichtstaatliche Organisationen, Regierungen, internationale Banken und privatwirtschaftliche Genossenschaften vertraten, riefen die Delegierten dazu auf, auch nach weniger offensichtlichen Partnern Ausschau zu halten – etwa Rechtsanwälte, Wissenschaftler, Regionalpolitiker, Kleinunternehmen und Arbeitsministerien – mit dem Ziel, dynamische Bündnisse aufzubauen, außerhalb der gewohnten Umfelder tätig zu werden, die Sprache anderer Akteure zu lernen, ihre Anliegen wirksam zu kommunizieren und unbequeme Fragen an jene zu stellen, die die ökonomische Debatte prägen.
Håkan Linnarsson, Regionalkommissar des Ausschusses für öffentliche Gesundheit in der schwedischen Region Västra Götaland, brachte es prägnant auf den Punkt, als er sagte, dass zur Verteidigung und Förderung der allgemeinen Gesundheitsversorgung die Vorkämpfer für Gesundheit „loslegen und provozieren“ müssten.

Erklärung von Ljubljana über gesundheitliche Chancengleichheit

Die Mitgliedstaaten stimmten der Erklärung von Ljubljana durch Zuruf zu und brachten ihre feste Unterstützung für sie zum Ausdruck. Sie bezeichneten sie als ein hochgradig effektives Instrument, das im Detail erläutert, was die Mitgliedstaaten, Organisationen der Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen sowie Organisationen der Zivilgesellschaft tun wollen, um der gesundheitlichen Chancengleichheit näher zu kommen, und wie sie dabei vorgehen werden.

Eine entscheidende in der Erklärung genannte Neuerung ist die Einrichtung eines fachübergreifenden Bündnisses wissenschaftlicher Experten und Institutionen zur Verbesserung der Chancengleichheit im Gesundheitsbereich. Dieses soll hochaktuelle Erkenntnisse gewinnen und entsprechende Methoden ausarbeiten, die es den Gesundheitsministerien und den Regierungen insgesamt ermöglichen, für wissenschaftliche, technologische, soziale, geschäftliche oder finanzielle Innovationen zu werben, die systematische und wirksame Maßnahmen zur Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit unterstützen, und diese vorrangig zu behandeln und auszuweiten.

Dies wird die Vorkämpfer für gesundheitliche Chancengleichheit in die Lage versetzen, sich mit anderen Zielkatalogen für Chancengleichheit abzustimmen, einen ehrlichen Dialog und Innovationen zu fördern und einen gemeinsamen Weg zu nachhaltigen Veränderungen zu finden.

Vertreter des Gesunde-Städte-Netzwerks der Europäischen Region der WHO, des Netzwerks Regionen für Gesundheit und der Initiative kleiner Länder verlasen jeweils eine unterstützende Erklärung. Die Erklärung von Ljubljana wird im September der 69. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa in Kopenhagen in Form einer Resolution vorgelegt.

Abschluss

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Dr. Piroska Östlin, geschäftsführende WHO-Regionaldirektorin für Europa, Gesundheitsminister Šabeder und Staatssekretärin Bornšek sowie der Regierung von Slowenien insgesamt für ihr Eintreten für gesundheitliche Chancengleichheit und für ihre großzügige Gastfreundschaft bei der Ausrichtung der Konferenz. Sie dankte den Delegierten für ihren Einsatz und ihren aufrichtigen Dialog und appellierte an sie, die Erklärung von Ljubljana entschlossen umzusetzen.

Das Geschehen auf der Konferenz fasste sie folgendermaßen zusammen: „Es ist hier auch immer wieder zur Sprache gekommen, dass unsere wichtigsten Partner die Kinder, Jugendlichen, Männer und Frauen sind, die nicht gedeihen und sich entfalten und ihr volles Gesundheits- oder Lebenspotenzial ausschöpfen können. Ihre Stimme, ihre gelebte Erfahrung, ihre Leidenschaft, Energie und Widerstandsfähigkeit müssen wir konstruktiv einbeziehen, wenn wir Fortschritte hin zu gesundheitlicher Chancengleichheit erzielen wollen, die wahrhaft befähigende Wirkung haben.“