Gesundheitminister beschließen Strategie gegen Bewegungsarmut in den 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO

Weitere Auskünfte erteilen:

Joao Breda
Programmleiter Nahrung, Adipositas und Bewegung
Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf
WHO-Regionalbüro für Europa
UN City, Marmorvej 51
2100 Kopenhagen Ø, Dänemark
Mobiltel.: + 45 30 50 80 22
E-mail: jbr@euro.who.int

Tina Kiaer
Kommunikationsreferentin
WHO-Regionalbüro für Europa
UN City, Marmorvej 51
2100 Kopenhagen Ø, Dänemark
Mobiltel.: +45 30 36 37 36
E-mail: tki@euro.who.int

Kopenhagen/Vilnius, 16. September 2015

Nach Schätzungen der WHO betätigen sich über ein Drittel der Erwachsenen und über zwei Drittel der Jugendlichen in der Europäischen Region zu wenig körperlich.  Weltweit verursacht die Bewegungsarmut 6–10% aller Fälle von koronarer Herzkrankheit, Diabetes, Brust- und Darmkrebs und 9% der vorzeitigen Sterblichkeit.

Erste Strategie der Europäischen Region der WHO zur Bewegungsförderung (2016–2025)

„Wir können die Zahl der an nichtübertragbaren Krankheiten leidenden Menschen drastisch reduzieren, wenn wir die Bevölkerung zu mehr körperlicher Betätigung und weniger Tätigkeit im Sitzen motivieren," sagte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa heute auf der 65. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa.

„Die Gesundheitssysteme der gesamten Region laufen Gefahr, durch die Folgen von Bewegungsmangel und sitzender Tätigkeit lahmgelegt zu werden. Deshalb haben wir eine erste Strategie der Europäischen Region der WHO zur Bewegungsförderung (2016–2025) erarbeitet.

Wir appellieren an die Regierungen, diese Strategie mit vereinten Kräften ressortübergreifend umzusetzen und auf ihre nationale Ebene zu übertragen. Wir hoffen, die Bürger zu einem besseren und längeren Leben befähigen zu können, wenn körperliche Betätigung zu einem Teil ihres Alltagslebens wird."

Das Risiko einer Herzerkrankung ist für bewegungsaktive Menschen um ca. 30% verringert.  

Trotz des bekannten Nutzens körperlicher Betätigung ist weltweit ein Trend zu weniger Bewegung und mehr sitzender Tätigkeit zu verzeichnen. Mehr Menschen verbringen ihr Leben immer mehr im Sitzen: während der Arbeit und in der Freizeit sitzen sie am Rechner oder vor dem Fernseher und sie bewegen sich mit dem Auto fort, anstatt zu gehen oder Rad zu fahren. In Kombination mit einer fett-, salz- und zuckerreichen Ernährung hat dies in der Europäischen Region zu einer signifikanten Zunahme von Tod und Behinderung durch kardiovaskuläre Erkrankungen geführt. 150 Minuten moderate körperliche Betätigung in der Woche verringern nach Einschätzung von Experten das Risiko einer Herzerkrankung signifikant.

Menschen aus benachteiligten Umfeldern und ethnischen Minderheiten sowie Menschen mit Behinderungen sind aus unterschiedlichen Gründen (insbesondere jedoch wirtschaftliche Not und fehlende oder unsichere Trainingsorte) oft körperlich weniger aktiv und verharren daher unter dem von der WHO empfohlenen Niveau.

Übergewicht und Adipositas sind erheblich auf dem Vormarsch

In 46 Mitgliedstaaten der Europäischen Region sind mehr als 50% der Erwachsenen übergewichtig oder adipös, und in mehreren dieser Länder liegt die Zahl schon in der Nähe von 70%.  Aus Daten der Initiative der Europäischen Region der WHO zur Überwachung von Adipositas im Kindesalter (COSI) geht hervor, dass in einigen Ländern nahezu 40% der sieben- bis achtjährigen Jungen übergewichtig und mehr als 20% adipös sind. 

Zentrale Zielsetzungen der neuen Strategie

Das Regionalkomitee erkannte auf seiner 65. Tagung in Vilnius (Litauen) mit Billigung der neuen Strategie der Europäischen Region der WHO zur Bewegungsförderung (2016–2025) die Notwendigkeit zum Handeln für seine 53 Mitgliedstaaten an. Die Strategie soll die Regierungen und maßgeblichen Akteure dazu angeregen, auf ein höheres Maß an körperlicher Betätigung hinzuwirken, indem sie:

  • Bewegung fördern und sitzende Tätigkeiten reduzieren;
  • für körperliche Betätigung attraktive und sichere Umgebungen, öffentlich zugängliche Bereiche und eine entsprechende Infrastruktur schaffen;
  • ungeachtet des Geschlechts, des Alters, des Einkommens, der Bildung, der ethnischen Zugehörigkeit oder einer Behinderung gleiche Chancen für Bewegung eröffnen;
  • Bewegung erleichtern und vorhandene Barrieren abbauen.