WHO unterstützt Länder der Europäischen Region in der Bewältigung des Gesundheitsbedarfs von Flüchtlingen und Migranten

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Sara Barragán Montes
Beraterin, Grundsatzfragen und Überzeugungsarbeit für Gesundheit und Migration
WHO-Regionalbüro für Europa
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Liuba Negru
Medienbeziehungen
WHO-Regionalbüro für Europa
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Vilnius und Kopenhagen, 14. September 2015

Als Reaktion auf die steigende Zahl von Flüchtlingen und Migranten, die in der Europäischen Region eintreffen, unterstützt die WHO die Länder mit medizinischen Hilfsgütern, Bewertungen der Notfallpläne, Schulungen des Grenzpersonals in Fragen von öffentlicher Gesundheit und Migration sowie mit Informationsmaterialien.

Leitende Regierungsvertreter aus den 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region erörterten heute auf der 65. Tagung des Regionalkomitees für Europa in Vilnius (Litauen) die Auswirkungen der umfassenden Migration auf die öffentliche Gesundheit. Sie forderten eine Fortsetzung des Einsatzes der WHO und der Unterstützung angemessener Reaktionen auf die gesundheitspolitischen Folgen des massiven Zustroms von Menschen durch weitere Bewertung und Beratung der Länder in Fragen der Notfallplanung, durch Schulung von Gesundheitspersonal und durch Lieferung von Hilfsgütern. Es wurde beschlossen, so bald wie möglich eine hochrangige Konferenz der WHO einzuberufen, um sich angesichts der umfangreichen Zuwanderung in die Region auf ein gemeinsames gesundheitspolitisches Vorgehen zu verständigen.

„In dem Ausmaß, in dem die Zuwanderung durch Flüchtlinge und Migranten alle Vorstellungen übersteigt und sich die Wege der Migration ändern, stehen auch immer mehr Länder vor dieser Herausforderung," sagte die WHO-Regionaldirektorin für Europa Dr. Zsuzsanna Jakab. „Die Lage macht heute mehr denn je eine umfassende und systematische gesundheitspolitische Antwort der Region erforderlich. Wenn sich derart viele Flüchtlinge und Migranten auf den Weg machen, muss die Koordination unter den Ländern in der Europäischen Region und mit den Herkunfts- und Transitländern verstärkt werden."

Allein in diesem Jahr haben mehr als 350 000 weitere Flüchtlinge und Migranten Länder der Europäischen Region erreicht, nachdem schon fast zwei Millionen Menschen in der Türkei Zuflucht gefunden haben. Das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) erwartet, dass 2015 und 2016 jeweils ca. 850 000 Menschen Asyl in Europa beantragen werden.

Entgegen einer weit verbreiteten Auffassung gibt es übrigens keinen systematischen Zusammenhang zwischen Migration und der Einschleppung von Infektionskrankheiten. Die Gefahr einer Einschleppung seltener tropischer Erreger in die Europäische Region (z. B. Ebola, Marburg- und Lassa-Virus oder MERS-CoV) ist äußerst gering. Die 15 seit 2012 in der Europäischen Region der WHO gemeldeten Fälle einer MERS-CoV-Infektion betrafen Reisende und Touristen und nicht etwa Flüchtlinge oder Migranten. Kein einziger Fall einer Ebola-Infektion kam durch Flüchtlinge oder Migranten nach Europa. 

In den meisten Herkunftsländern der Flüchtlinge und Migranten sind die Impfraten höher und ist daher das Vorkommen von durch Impfung vermeidbaren Krankheiten wie Masern niedriger als in einer Reihe von europäischen Ländern.

 „Unsere Arbeit muss sich auf gesundheitspolitische Maßnahmen richten wie Impfung gegen bestimmte Krankheiten, Notfallversorgung für Verletzte, medizinische Versorgung während Schwangerschaft und Geburt, medizinische Versorgung von Kindern bei Fieber und Erkrankung, Versorgung für chronisch kranke Menschen mit Arzneimitteln und psychosoziale Versorgung allgemein," fügte Dr. Zsuzsanna Jakab hinzu.

Die WHO hat mit den Gesundheitsministerien Bulgariens, Griechenlands, Italiens, Maltas, Portugals, Serbiens, Spaniens und Zyperns Bewertungsmissionen durchgeführt und ein neues Instrumentarium für die Bewertung der Fähigkeit von Gesundheitssystemen zur Bewältigung größerer Migrantenströme genutzt. Sie berät den Gesundheitssektor in Italien und Malta konzeptionell hinsichtlich der Notfallplanung.

Die WHO liefert an hilfsbedürftige Länder adäquate medizinische Ausrüstung in Form von Notfall-Kits, die den durchschnittlichen medizinischen Bedarf von 10 000 Menschen für drei Monate decken können.

Noch im September veranstaltet die WHO in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien ein Seminar zu gesundheitspolitischen Aspekten der Migration und erläutert dabei unter anderem die Standardprozeduren, wie das Gesundheitspersonal Menschen an Grenzübergangsstellen eines Landes medizinisch versorgen sollte.

Die Türkei ist gemäß UNCHR mit zwei Millionen Flüchtlingen das Land, das bisher den größten Zustrom von Menschen zu verkraften hat. Bereits im Oktober 2013 richtete die WHO eine Präsenz in der Provinz Gaziantep ein und weitete so ihre Kapazitäten und Aktionen zur  Bewältigung der Gesundheitsbedürfnisse der Flüchtlinge aus. Die WHO bewertet in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium der Türkei und ihren Partnern laufend die Bedürfnisse der syrischen Flüchtlinge und sie leistet Hilfe durch Schulungen für syrisches Gesundheitspersonal, fachliche und finanzielle Unterstützung von Gegenmaßnahmen bei Ausbrüchen und Impfkampagnen, die Bereitstellung von medizinischer Ausrüstung und Arzneimitteln sowie die Verteilung von Informationsmaterialien an die Flüchtlinge