Masern in 79% der Länder Europäischen Region nicht mehr endemisch

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Pressemitteilung

Kopenhagen, 26. September 2017

In der Europäischen Region der WHO hatten Ende 2016 42 der 53 Länder eine Unterbrechung der endemischen Übertragung der Masern und 37 Länder eine Unterbrechung der endemischen Übertragung der Röteln erreicht. So lautete die Feststellung der Verifizierungskommission der Europäischen Region für die Eliminierung der Masern und Röteln (RVC) auf ihrer sechsten Tagung im Juni 2017.

„Ich gratuliere sämtlichen Ländern dazu, dass sie ihr Versprechen zum Schutz ihrer Bürger vor Masern und Röteln erfüllt und damit kollektiv die Europäische Region ihrem Eliminierungsziel näher gebracht haben“, sagte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Doch wir dürfen jetzt nicht in Untätigkeit verfallen. Denn Krankheitsausbrüche sorgen auch weiterhin unnötigerweise für Leiden und Todesfälle, und die Impfraten gehen zurück. Es ist nicht hinnehmbar, dass immer noch jedes fünfzehnte Kind nicht rechtzeitig die erste Impfung gegen Masern und Röteln erhält. Wir werden diese Krankheiten aus unserer Region eliminieren; doch dazu müssen wir uns auf einen besonders schwierigen Endspurt einstellen.“

Jüngste Fortschritte in der Europäischen Region

Die Zahl der Länder, denen eine Unterbrechung der endemischen Übertragung der Masern bzw. Röteln gelungen ist, steigt weiter. Anhand der Berichte für das Jahr 2016 kam die RVC zu der Feststellung, dass:

  • in Deutschland, Kirgisistan, Österreich, Polen, der Russischen Föderation, der Schweiz und der Türkei eine Unterbrechung der endemischen Übertragung der Masern für die Dauer von mindestens 12 Monaten gelungen ist, sodass die Gesamtzahl der Länder in der Europäischen Region nun bei 42 liegt;
  • in Bulgarien und Kirgisistan eine Unterbrechung der endemischen Übertragung der Röteln für die Dauer von mindestens 12 Monaten gelungen ist, sodass die Gesamtzahl der Länder in der Europäischen Region nun bei 37 liegt.

Die Eliminierung der Masern oder Röteln in einem Land wird offiziell festgestellt, wenn dort eine anhaltende Unterbrechung der endemischen Übertragung für die Dauer von mindestens 36 Monaten vorliegt. Nach Feststellung der RVC haben nun folgende Länder 2016 für eine oder beide Krankheiten das Eliminierungsziel erreicht: *

  • Dänemark, Spanien und das Vereinigte Königreich haben die die Masern eliminiert.
  • Die Republik Moldau, Schweden und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien haben die Röteln eliminiert.
  • Griechenland, Island, Kroatien, Litauen, Montenegro und Usbekistan haben sowohl die Masern als auch die Röteln eliminiert.

Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Länder, die Masern und Röteln eliminiert haben, auf 33. Eine Verifizierung der Eliminierung der Masern und/oder Röteln in der Europäischen Region ist erst möglich, wenn alle 53 Mitgliedstaaten den Nachweis über eine Eliminierung beider Krankheiten erbracht haben.

Ungelöste Probleme

Das Masernvirus kann sich überall ausbreiten, wo noch Impflücken bestehen. Trotz Fortschritten bei der Eliminierung der Masern in zahlreichen Ländern und einem Allzeittief bei den Fallzahlen in der Europäischen Region im Jahr 2016 (5200) wurden in diesem Jahr bisher über 11 000 Masernfälle gemeldet. Zu den größten Ausbrüchen kam es in den verbleibenden Endemieländern, doch wurden auch Fälle infolge einer Einschleppung des Virus in Länder, in denen keine endemische Übertragung mehr stattfindet, gemeldet.

Die Durchimpfung in der Europäischen Region mit der ersten Dosis Masernimpfstoff ist nach Schätzungen in den letzten fünf Jahren von 95% (2012) auf 93% (2016) gesunken. **  Zum Schutz der gesamten Bevölkerung vor dieser hochansteckenden Krankheit gilt eine Durchimpfung von mindestens 95% als notwendig. 2016 meldeten 25 Mitgliedstaaten eine nationale Durchimpfung unterhalb dieser Schwelle.***

Zu den Hindernissen für eine Erreichung und Aufrechterhaltung hoher Impfraten gehören Impfstoffengpässe, ein unausgewogener oder ungünstiger Zugang zu Impfangeboten, Impfskepsis bei Eltern und unzureichend informiertes Gesundheitspersonal. Zur Überwindung dieser Barrieren sind gesamtstaatliche Anstrengungen erforderlich. Durch Schutz aller Bürger in der Europäischen Region vor impfpräventablen Krankheiten tragen die Länder direkt zu Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Bevölkerung sowie zur Erfüllung einiger anderer globaler Vorgaben aus den Zielen für nachhaltige Entwicklung bei.

„Die Europäische Region hat Polio eradiziert, Malaria eliminiert und die Übertragung der Masern und Röteln drastisch reduziert. Mit anhaltendem Einsatz und beharrlicher Arbeit werden wir die Generation sein, der es gelingt, die Masern und Röteln aus den letzten endemischen Winkeln unserer Region zu vertreiben“, erklärt Dr. Nedret Emiroglu, Leiterin der Abteilung Gesundheitliche Notlagen und übertragbare Krankheiten beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Dies ist nicht nur unser Beitrag, sondern vielmehr unsere Verpflichtung gegenüber nachfolgenden Generationen.“

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* Spanien und das Vereinigte Königreich haben 2015 das Eliminierungsziel für die Röteln erreicht; die Republik Moldau hat 2015 das Eliminierungsziel für die Masern erreicht; und Schweden hat 2014 das Eliminierungsziel für die Masern erreicht..

** Durchimpfungsprofil aufgrund von Schätzungen der WHO und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF)

*** Schätzungen der WHO und des UNICEF zur Durchimpfung mit der ersten Dosis Masernimpfstoff (MCV1)