Europäische Region verzeichnet 2017 Vervierfachung der Masernfälle gegenüber Vorjahr

Weitere Informationen erhalten Sie beim WHO-Regionalbüro für Europa:

Cristiana Salvi
Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit
Abteilung Gesundheitliche Notlagen und übertragbare Krankheiten
Tel.: +45 45 33 68 37
Mobiltel.: +45 29 63 42 18
E-mail: salvic@who.int

Liuba Negru
Referentin für Medienkontakte in den Ländern
Tel.: +45 45 33 67 89
Mobiltel.: +45 20 45 92 74
E-mail: negrul@who.int

Pressemitteilung

Kopenhagen, 19. Februar 2018

Die Masern sind in der Europäischen Region der WHO wieder auf dem Vormarsch. So wurden 2017 insgesamt 21 315 Fälle registriert, davon 35 mit tödlichem Ausgang, nachdem 2016 mit 5273 Fällen ein Rekordtief verzeichnet worden war. Das WHO-Regionalbüro für Europa hat einen Tag vor einer Tagung der Gesundheitsminister über Impffragen am 20. Februar 2018 in Montenegro neue Daten für das Jahr 2017 veröffentlicht.

„Jeder neue Masernfall in der Europäischen Region erinnert uns daran, dass ungeimpfte Kinder und Erwachsene unabhängig davon, wo sie leben, immer noch Gefahr laufen, sich mit der Krankheit zu infizieren und sie auf andere zu übertragen, die sich vielleicht nicht impfen lassen können. Über 20 000 Masernfälle und 35 Todesfälle allein im Jahr 2017 sind eine Tragödie, die wir einfach nicht hinnehmen können“, erklärt Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Sie fügt hinzu: „Die Eliminierung der Masern und Röteln ist ein vorrangiges Ziel, zu dem sich alle Länder in der Europäischen Region fest bekennen, und ein Eckpfeiler für die Verwirklichung der gesundheitsbezogenen Ziele für nachhaltige Entwicklung. Dieser kurzfristige Rückschlag kann uns jedoch nicht von unserer festen Entschlossenheit abbringen, zu der Generation zu werden, die ihre Kinder ein für allemal von diesen Krankheiten befreit.“

Jedes vierte Land in der Europäischen Region ist von einer Masernwelle betroffen

Der sprunghafte Anstieg der Zahl der Masernfälle im Jahr 2017 war u. a. auf größere Ausbrüche (mindestens 100 Fälle) in 15 der 53 Länder der Europäischen Region zurückzuführen. Die höchsten Fallzahlen wurden aus Rumänien (5562), Italien (5006) und der Ukraine (4767) gemeldet. Diese Länder stehen seit einigen Jahren einer Reihe von Herausforderungen gegenüber, namentlich einem generellen Rückgang der Impfraten bei den Routineimpfungen, durchgehend niedrigen Impfraten in einigen marginalisierten Bevölkerungsgruppen, Unterbrechungen in der Impfstoffversorgung und Defiziten in den Krankheitsüberwachungssystemen.

Weitere große Ausbrüche wurden aus Griechenland (967), Deutschland (927), Serbien (702), Tadschikistan (649), Frankreich (520), der Russischen Föderation (408), Belgien (369), dem Vereinigten Königreich (282), Bulgarien (167), Spanien (152), Tschechien (146) und der Schweiz (105) gemeldet, von denen allerdings viele Ende 2017 schon wieder am Abklingen waren.

Maßnahmen zur Unterbindung aktueller und Verhinderung neuer Ausbrüche sind in verschiedenen Bereichen im Gange:  durch Sensibilisierungskampagnen, die Impfung von Gesundheitsfachkräften und anderen besonders gefährdeten Erwachsenen, die Beseitigung von Problemen beim Zugang und die Verbesserung von Versorgungsplanung und -logistik.

Anhaltende Fortschritte trotz steigender Fallzahlen

Der 2012 eingeführte Prozess der Verifizierung der Eliminierung von Masern und Röteln nach Land hat die Europäische Region ihrem Eliminierungsziel für die beiden Krankheiten näher gebracht. Jedes Jahr prüft die unabhängige Verifizierungskommission der Europäischen Region (RVC) die von den Ländern vorgelegten Daten und ergriffenen Impfmaßnahmen und empfiehlt einzelnen Ländern jeweils Maßnahmen zur Bewältigung ihrer speziellen Herausforderungen. In der Europäischen Region hatten Ende 2016 42 der 53 Länder eine Unterbrechung der endemischen Übertragung der Masern erreicht. Doch es wird weiterhin zu Ausbrüchen kommen, bis jedes gefährdete Kind und jeder gefährdete Erwachsene geschützt ist.

Auf einer Tagung am 20. Februar 2018 werden sich Minister aus elf Ländern gemeinsam mit der Frage befassen, wie die im Europäischen Impfaktionsplan (EVAP) festgelegten Ziele, einschließlich der Eliminierung der Masern und Röteln, bis 2020 erreicht werden können. Ein Fortschrittsbericht mit der Halbzeitbilanz der Umsetzung des EVAP in der Europäischen Region wird im September 2018 der 68. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa vorgelegt.

-----------------------------------------------

* Aktualisiert am 20. Februar 2018:
Im Titel wurden die Wörter „Zunahme um 400%“ aus Gründen der Genauigkeit durch „Vervierfachung“ ersetzt.