Dem neuen Gesundheitsbericht der WHO zufolge leben die Europäer länger und gesünder, doch die erzielten Fortschritte sind ungleich verteilt

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Kopenhagen, London, 12. September 2018

Der richtungsweisende Europäische Gesundheitsbericht der WHO begrüßt den Anstieg der Lebenserwartung und die Verringerung der vorzeitigen Mortalität, warnt jedoch davor, dass die Fortschritte in einigen Ländern durch Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht und Adipositas sowie unzureichende Durchimpfung gehemmt werden.

Der heute veröffentlichte Europäische Gesundheitsbericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt, dass die Lebenserwartung in der Europäischen Region der WHO weiterhin ansteigt und dass einige Länder in der Region das weltweit stärkste Gefühl von „Lebenszufriedenheit“ verzeichnen.Dennoch bieten die erheblichen Unterschiede zwischen den Ländern in Bezug auf zahlreiche zentrale Indikatoren sowie das Versäumnis, die negativen Effekte von Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht und Adipositas sowie unzureichender Durchimpfung einzudämmen oder rückgängig zu machen, weiterhin Anlass zur Sorge.

„Der jüngste Europäische Gesundheitsbericht zeigt, dass die meisten Länder in der Europäischen Region wichtige Schritte unternommen haben, um die im Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ enthaltenen zentralen Zielvorgaben zu erfüllen und so zur Verwirklichung der gesundheitsbezogenen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 beizutragen“, erklärte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Die erzielten Fortschritte sind jedoch ungleich verteilt – sowohl innerhalb der Länder als auch zwischen den Ländern, zwischen den Geschlechtern und zwischen den Generationen. Lebensstilbedingte Risikofaktoren geben Anlass zur Sorge, da sie die großen Fortschritte bei der Lebenserwartung verlangsamen oder gar rückgängig machen könnten, wenn nichts unternommen wird.“

Der Europäische Gesundheitsbericht wird nur wenige Tage vor der jährlichen Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa veröffentlicht, die in diesem Jahr vom 17. bis 20. September in Rom stattfindet und auf der die Erkenntnisse des Berichts von Delegierten aus den 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region als Grundlage für ihre Politikgestaltung erörtert werden.

Wichtigste Resultate

Die Erkenntnisse des jüngsten Berichts:

  • In der Europäischen Region leben die Menschen durchschnittlich mehr als ein Jahr länger als noch vor fünf Jahren. Zwischen den Ländern mit der höchsten und jenen mit der niedrigsten Lebenserwartung besteht jedoch noch immer ein Unterschied von mehr als zehn Jahren (11,5 Jahre).
  • Das Gefühl des Wohlbefindens ist in der Europäischen Region im weltweiten Vergleich mit am stärksten ausgeprägt, doch auch hier gibt es zwischen den Ländern große Unterschiede.
  • Gute Erfolge wurden seit Beginn des Jahrtausends in Bezug auf die Reduzierung der Gesamtmortalität (in sämtlichen Altersgruppen) erzielt: innerhalb von 15 Jahren ist sie um etwa 25% zurückgegangen.
  • Insgesamt wird in der Europäischen Region die Zielvorgabe, die vorzeitige Mortalität aufgrund der vier wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen – bis 2020 um jährlich 1,5% zu senken, übertroffen. Neuesten Daten zufolge geht die vorzeitige Mortalität jährlich um durchschnittlich 2% zurück. Dennoch stellen lebensstilbedingte Faktoren, die sich auf die Mortalität aufgrund dieser Krankheiten auswirken, weiterhin eine große Herausforderung dar, da sie Fortschritte in Bezug auf die Lebenserwartung verlangsamen oder gar rückgängig machen können, wenn nichts unternommen wird:
    • ­Die Raucherquote ist höher als in allen anderen Regionen der WHO: in der Europäischen Region raucht ein Drittel der Bevölkerung ab 15 Jahren.
    • ­ Während der Alkoholkonsum allgemein zurückgeht, ist der Konsum unter Erwachsenen noch immer höher als in allen anderen WHO-Regionen. Die Konsummengen unterscheiden sich zwischen den Ländern erheblich: sie liegen zwischen 1 und 15 Litern jährlich pro Kopf.
    • ­Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist übergewichtig, und sowohl Übergewicht als auch Adipositas sind unter Erwachsenen in fast allen Ländern der Region im Aufwärtstrend, allerdings mit erheblichen Unterschieden zwischen den Ländern.
  • Die Impfraten bei Kindern haben sich allgemein in der gesamten Europäischen Region verbessert, doch jüngste Ausbrüche von Masern und Röteln in einigen Ländern gefährden die Bemühungen der Region um Eliminierung dieser Krankheiten.
  • Die Zahl der durch äußere Ursachen wie Verletzungen oder Vergiftungen bedingten Todesfälle ist im Verlauf von fünf Jahren kontinuierlich um etwa 12% zurückgegangen. Unter Männern tritt diese Art der Todesfälle jedoch mehr als dreimal so häufig auf wie unter Frauen.

Festlegung nationaler Zielvorgaben und Messung der Erfolge

Der alle drei Jahre veröffentlichte Europäische Gesundheitsbericht zielt darauf ab, Fortschritte im Hinblick auf die im Europäischen Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ festgelegten Zielvorgaben zu verfolgen. Ziel von „Gesundheit 2020“ ist es, chancengleiche, nachhaltige und universelle Gesundheitsversorgungssysteme in der Europäischen Region einzurichten, die den Einzelnen die Kontrolle über die Entscheidungen geben, die ihr Leben am meisten beeinflussen.

Der Bericht von 2018 erkennt an, dass seit der Annahme des Rahmenkonzepts „Gesundheit 2020“ im Jahr 2012 bereits viel erreicht wurde. Die meisten Länder in der Europäischen Region zeigen wahres Engagement für die Verbesserung der Gesundheit ihrer Bevölkerung, indem sie Zielvorgaben festlegen, Strategien annehmen und Erfolge messen.

2016 berichteten 38 Länder der Region, dass sie Zielvorgaben für Gesundheit und Wohlbefinden festgelegt hätten oder dies in naher Zukunft planten, während 42 Länder Strategien umgesetzt hatten, um Ungleichheiten zu bekämpfen. 2010 war dies nur in 29 Ländern der Fall.

Auch wenn es noch viel zu tun gibt, so haben sich die Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region der WHO durch dieses Engagement und die durch die Umsetzung von „Gesundheit 2020“ gewonnenen Erfahrungen doch in eine gute Ausgangsposition gebracht, um im nächsten Jahrzehnt die hoch gesteckten gesundheitsbezogenen Ziele für nachhaltige Entwicklung besser verwirklichen zu können.

Richtungsweisende Forschung und Methoden der Datenerfassung

Der Titel des diesjährigen Berichts („Mehr als nur Zahlen – Evidenz für alle“) verweist auf die kontinuierliche, bedeutende Abkehr vom alleinigen Vertrauen auf statistische Daten und eine Verlagerung hin zur Verwendung anderer Arten von Evidenz, die über reine Zahlen hinausgehen und mehr auf subjektive Erfahrungen, wie die Messgröße „Lebenszufriedenheit“, eingehen. Die Länder der Europäischen Region haben bei der Förderung dieser neuen, ganzheitlichen und aussagekräftigeren Art der Messung von Auswirkungen der Handlungskonzepte auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bürger eine Vorreiterrolle übernommen.

„Wir bei der WHO arbeiten eng mit den Ländern in der Europäischen Region zusammen und verwenden dabei innovative Methoden der Erfassung qualitativer Evidenz zur Ergänzung der reinen Zahlen. Dadurch sind wir in der Lage, Gesundheitsinformationen, Gesundheitsforschung und Wissensumsetzung zu vereinen, um die Erfahrungen und Bedürfnisse der Bevölkerung in der Region besser zu verstehen und die Politikgestaltung im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu stärken“, sagte Dr. Claudia Stein, Direktorin der Abteilung Information, Evidenz, Forschung und Innovation beim WHO-Regionalbüro für Europa.

Dieser richtungsweisende Ansatz für Evidenz steht im Mittelpunkt eines Aktionsplans zur Verstärkung der Nutzung von Evidenz, Gesundheitsinformationen und Forschung für die Politikgestaltung in der Europäischen Region – dem ersten seiner Art. Der Aktionsplan wird umgesetzt durch die Europäische Gesundheitsinformations-Initiative (EHII) der WHO, ein Forum für eine Vielzahl von Partnern zur Koordination von Gesundheitsinformationen, Forschung und Wissensumsetzung in der gesamten Europäischen Region, das unter den WHO-Regionen einzigartig ist.