WHO-Seminar zur Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten für die Erweiterung vorhandener Kapazitäten im Gesundheitswesen

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Cristiana Salvi
WHO-Regionalbüro für Europa
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PALERMO, SIZILIEN (24. September 2018)

Der gefährliche Weg, den viele Flüchtlinge und Migranten auf sich nehmen, um nach Europa zu gelangen, setzt diejenigen, die in Europa ankommen, einem höheren Risiko für gesundheitliche Probleme aus. In diesem Jahr ist die Route sogar noch gefährlicher. Umso wichtiger sind die Bemühungen von WHO, Regierungen und Organisationen der Zivilgesellschaft, die gesundheitlichen Herausforderungen für die Überlebenden zu bewältigen. Zur Förderung des Zugangs von Flüchtlingen und Migranten zu Gesundheitsangeboten und zur Unterstützung der Gesundheitssysteme in den Aufnahmeländern bei der Erbringung dieser Leistungen veranstaltet das WHO-Regionalbüro für Europa das zweite jährliche WHO-Seminar zur Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten.

„Es gibt viele Gründe dafür, warum Menschen ihre Heimat verlassen, hierzu zählen die Globalisierung, Konflikte, Armut, der Klimawandel, Verstädterung, Ungleichheiten oder bessere Berufsaussichten“, sagt Dr. Santino Severoni, Koordinator des Programms Migration und Gesundheit beim Regionalbüro. „Auf der Suche nach einem besseren Leben für ihre Familien und sichereren Lebensbedingungen werden die Menschen auf jeden Fall weiterhin versuchen, nach Europa zu kommen. Gute Gesundheit und gutes Wohlbefinden spielen hierbei eine bedeutende Rolle.“

Mehr Todesfälle und Verletzte unter Flüchtlingen und Migranten

Die Zahl der Verletzten und Todesfälle unter den das Mittelmeer überquerenden Flüchtlingen und Migranten ist stark angestiegen. Einem aktuellen Bericht des Amts des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge sind in diesem Jahr 1095 Menschen auf der Flucht gestorben; somit kommt jeweils 1 Todesfall auf 18 Ankommende. Im Juni stieg dieser Anteil auf 1 Todesfall pro 7 Ankommende.

Und auch nach ihrer Ankunft steht den Migranten oftmals ein harter Kampf bevor, um gesund zu bleiben. Flüchtlingen und Migranten wird der Zugang zu Gesundheitsangeboten häufig durch mangelnde Vertrautheit mit den Verfahren und Ansatzpunkten, finanzielle und strukturelle Barrieren sowie die Diskriminierung durch andere im System erschwert. Erhalten sie Zugang zum Gesundheitswesen, haben sie aufgrund von Sprachbarrieren oft Schwierigkeiten, ihre Symptome zu erläutern oder Behandlungsanweisungen zu verstehen. Kulturelle Konstrukte könne das Problem verschärfen.

Zwanzig Länder in der Europäischen Region lernen von beispielhafter Praxis

Zu dem Seminar werden 80 Teilnehmer aus fast 20 Ländern der Europäischen Region sowie aus Nord- und Südamerika, Afrika und Ostasien erwartet. Gehalten werden die Kurse von etwa 40 der weltweit führenden Experten im Bereich der Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten.

„Es muss betont werden, dass das Problem der Migration nicht als kurzfristige Krise anzusehen ist“, sagt Dr. Severoni. „Es ist eher eine komplexe, langfristige und globale Dynamik, die eine strukturelle Anpassung der nationalen Gesundheitssysteme in den Aufnahmeländern erfordert.“

Während des einwöchigen Seminars erhalten die Teilnehmer einen Überblick aus erster Hand über die bestehenden gesundheitlichen Herausforderungen und Gelegenheit, sich über ihre Erfahrungen und bewährte Praktiken für deren Bewältigung auszutauschen. Dazu zählen etwa:

  • Gesundheitsinterventionen bei der Erstaufnahme;
  • Zugang zu einem breiteren Gesundheitsangebot wie Impfungen und Entbindung; sowie
  • Identifizierung und Behandlung spezieller Krankheiten (z. B. chronische Krankheiten, Tuberkulose und psychische Gesundheitsprobleme).

Das WHO-Seminar zur Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten geht bis Freitag, den 28. September und umfasst den Besuch eines Ankunftspunkts für Flüchtlinge und Migranten für eine Simulationsübung und den Besuch eines Aufnahmezentrums für unbegleitete Kinder und Jugendliche.

Das Seminar wird in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM), der Europäischen Kommission und der European Public Health Association (EUPHA) veranstaltet.