WHO fordert dringende Maßnahmen zur Bekämpfung der häufigsten Todesursachen zwecks Reduzierung der vorzeitigen Todesfälle um ein Drittel

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Pressemitteilung
Sitges (Spanien), 16. April 2018

Wie können die Gesundheitssysteme in der Europäischen Region der WHO mehr Menschen vor nichtübertragbaren Krankheiten wie Herzkrankheit, Krebs und Diabetes schützen und so zur Verwirklichung des globalen Ziels einer Senkung der Zahl vorzeitiger Todesfälle infolge nichtübertragbarer Krankheiten um 33% bis 2030 beitragen? Mit dieser Frage wollen sich Gesundheitsminister und andere führende Entscheidungsträger auf einer hochrangigen Tagung der Europäischen Region über die Reaktion der Gesundheitssysteme auf nichtübertragbare Krankheiten auseinandersetzen, die vom 16. bis 18. April 2018 in Sitges (Spanien) stattfindet. Für die 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region steht viel auf dem Spiel: denn die wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten sind für fast neun Zehntel aller Todesfälle verantwortlich und haben zudem negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft. Nach Schätzungen hat ein Anstieg der Mortalität aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten um 10% eine Verringerung des Wirtschaftswachstums um 0,5% zur Folge.

„Die Länder der Europäischen Region haben weltweit beim Schutz der Menschen vor Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und chronischen Atemwegserkrankungen eine Führungsrolle übernommen. Doch es muss noch mehr getan werden, um die Mortalität und Morbidität aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten zu senken“, erklärte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Mit unserem Wissen darüber, was funktioniert, können wir nicht einfach tatenlos zusehen, wie Menschen an vermeidbaren Krankheiten vorzeitig sterben. Mindestens 80% der Menschen, die von Herzkrankheit, Schlaganfällen und Diabetes betroffen sind, und 40% der an Krebs leidenden Personen wären gesund geblieben, wenn die wesentlichen zugrunde liegenden Risikofaktoren, nämlich Alkohol- und Tabakkonsum, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel, in Angriff genommen worden wären. Derartige weitreichende Verbesserungen lassen sich zu vertretbaren Kosten erreichen: durch umfassende Gegenmaßnahmen der Gesundheitssysteme.“

Verknüpfung von Gesundheitsversorgung und Finanzierung von zentraler Bedeutung

Eine Reihe von Einflussfaktoren tragen entscheidend dazu bei, dass die Gesundheitssysteme nichtübertragbare Krankheiten wirksam bekämpfen können, und bei einer umfassenden Reaktion der Gesundheitssysteme werden all diese Elemente auf sinnvolle Weise miteinander verknüpft.
Unter Beachtung des Grundsatzes, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, gilt es, in die öffentlichen Gesundheitsdienste und die primäre Gesundheitsversorgung zu investieren, etwa durch Stärkung von Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung, die Einbeziehung der Bereiche psychische Gesundheit, psychologische Beratung, Hebammenwesen und Physiotherapie und ihre wohnortnahe Bereitstellung.

Erfolgreiche Erfahrungen aus der Europäischen Region zeigen, dass ein integrierter Teamansatz in der Leistungserbringung ein erhebliches Verbesserungspotenzial mit sich bringt. Dies macht eine Verlagerung des Anforderungsprofils für Gesundheitsfachkräfte und eine Veränderung der Art ihrer Ausbildung erforderlich. Zur Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten werden die Gesundheitssysteme künftig deutlich mehr Personen in der Gesundheitsförderung und im Pflegewesen einsetzen müssen.

Informationstechnologien tragen zur Verbesserung des Zugangs zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung bei. So können Anwendungen im Bereich Telegesundheit durch einfache Videoverbindungen Leistungen näher bringen und so etwa eine zeitnahe Diagnose von Schlaganfällen oder Hautabnormalitäten ermöglichen.

Eine ausreichende Finanzierung ist eine entscheidende Voraussetzung für ein reibungsloses Funktionieren der Gesundheitssysteme. Steuern auf Tabakprodukte und ungesunde Lebensmittel und Getränke sind äußerst wirksame gesundheitspolitische Interventionen und schaffen gleichzeitig zusätzliche Einnahmen für Gesundheits- und Sozialausgaben.

Kreativität und Handeln

An der Tagung werden etwa 200 Experten und hochrangige politische Entscheidungsträger aus 43 Ländern teilnehmen und miteinander Erfahrungen in Bezug auf zeitnahe Problemlösung austauschen. Um die Teilnehmer zum Handeln zu veranlassen, werden auf der Veranstaltung innovative Konzepte und Lösungsansätze vorgestellt, von denen viele dazu beitragen können, Hindernisse auf dem Weg zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung zu überwinden.

Die zahlreichen Erfolgsgeschichten, die auf der Tagung untersucht werden, sollen die Länder in die Lage versetzen, Chancen für die Überspringung von Verfahrensschritten (sog. leapfrogging) zu bestimmen, d. h. einen direkten Übergang zu fortgeschritteneren Lösungsansätzen, die als vorbildliche Praktiken bei der Steuerung, Organisation und Finanzierung von Gesundheitssystemen gelten, unter Auslassung weniger effizienter und kostspieligerer Wege zur Bereitstellung bestimmter Interventionen und Angebote im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten.

Das Abschlussdokument der Tagung wird in die Evidenzgrundlage für die Dritte Tagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen auf hoher Ebene zur Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten einfließen, die noch in diesem Jahr stattfindet. Dieses Dokument wird auch auf der 68.  Tagung des Regionalkomitees für Europa im September 2018 vorgelegt.