Bevölkerungsbezogene Aspekte der psychischen Gesundheit von Migranten und Flüchtlingen: eine Untersuchung der Erkenntnisse über die psychische Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen, Asylbewerbern und irregulären Migranten in der Europäischen Region der WHO (2016)

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Autoren: Stefan Priebe, Domenico Giacco und Rawda El-Nagib
Zusammenfassender Bericht Nr. 47 des Health Evidence Network
2016, xi + 57 Seiten
ISBN 978 92 890 5165 1

Die wachsende Zahl der Flüchtlinge, Asylbewerber und irregulären Migranten stellt eine Herausforderung für die psychische Gesundheitsversorgung in der Europäischen Region dar. Die vorliegende Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass diese Gruppen vor, während und nach der Migration einer Reihe von Risikofaktoren in Bezug auf psychische Störungen ausgesetzt sind. Die Prävalenz von psychotischen Störungen, Stimmungsstörungen und Suchtproblemen ist zwar in diesen Gruppen uneinheitlich stark ausgeprägt, liegt aber insgesamt in derselben Größenordnung wie in der Bevölkerung der Aufnahmeländer. Dagegen weisen Flüchtlinge und Asylbewerber relativ häufiger posttraumatische Belastungsstörungen auf. Bei den Betroffenen besteht ein Zusammenhang zwischen ungünstigen sozioökonomischen Bedingungen und erhöhten Raten von Depression fünf Jahre nach einer Umsiedlung. 

Flüchtlinge, Asylbewerber und irreguläre Migranten müssen beim Zugang zur psychischen Gesundheitsversorgung Barrieren überwinden. Zu einer guten Praxis im Bereich der psychischen Gesundheitsversorgung gehören die Förderung sozialer Integration, die Entwicklung von aufsuchenden Angeboten, die Koordinierung von Gesundheitsleistungen, die Aufklärung über Leistungsansprüche und -angebote und die Schulung von Gesundheitsfachkräften für die Arbeit mit den betreffenden Gruppen. Diese Maßnahmen erfordern ein hohes Maß an Mitteleinsatz und organisatorischer Flexibilität.