
Die Regierungen aus allen Teilen der Europäischen Region der WHO nahmen heute eine Erklärung an, mit der sie ihre Entschlossenheit zum Abbau umweltbedingter Gefahren für die Gesundheit bekunden. Der Text wurde von den 53 Mitgliedsstaaten der Region gebilligt, deren Vertreter vom 10. bis 12. März 2010 zur Fünften Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit in Parma (Italien) zusammenkamen.
Mit der Erklärung und dem Folgetext Entschlossenheit zum Handeln vereinbarten die vertretenen Regierungen, nationale Programme zur Schaffung gleicher Chancen für Kinder auf sichere Wasserver- und Abwasserentsorgung, auf körperliche Betätigung und gesunde Ernährung sowie auf saubere Luft und eine von giftigen Chemikalien freie Umwelt bis 2020 umzusetzen.
Die Regierungen versprachen, die gesundheitsschädlichen Folgen des Klimawandels in Angriff zu nehmen und sich für den Abbau unverhältnismäßig überhöhter Risikobelastungen aufgrund von gesellschaftlicher Stellung und Geschlecht einzusetzen. Sie sagten auch zu, durch vermehrte Investitionen in neue Technologien und grüne Arbeitsplätze Gesundheit stärker in das Zentrum der sozioökonomischen Entwicklung zu rücken.
„Wir brauchen eine radikal erneuerte visionäre Gesundheitspolitik für die Europäische Region, damit diese die Herausforderungen im Bereich von Gesundheit bewältigen kann. Diese Konferenz hat ein aufregendes neues Kapitel zum Thema aufgeschlagen, wie die Staaten der Europäischen Region Umwelt und Gesundheit voranbringen und diese eng miteinander verzahnten Bereiche auf der politischen Tagesordnung nach oben rücken können“, sagte WHO-Regionaldirektorin Zsuzsanna Jakab.
Bei der ersten großen Zusammenkunft von Gesundheits- und Umweltministern seit der Kopenhagener Konferenz zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen im Dezember kündigten die Staaten der Europäischen Region die Einbeziehung der Gesundheitsthematik in die Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen, -konzepte und -strategien aller Politikbereiche an.
Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass der Klimawandel zu einem häufigeren Auftreten von Naturkatastrophen etwa in Form von Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren beiträgt. Seit 1990 verzeichnete die Internationale Datenbank für Katastrophenereignisse (EM-DAT) in der Europäischen Region der WHO mehr als 1200 Naturkatastrophen, die über 48 Mio. Bürger in Mitleidenschaft zogen und ca. 112 000 Menschenleben kosteten und dabei einen geschätzten Gesamtsachschaden von über 241 Mrd. US-$ verursachten.
Der künftigen Arbeit wird ein neuer Handlungsrahmen für die Europäische Region unter dem Titel Schutz der Gesundheit in einer durch den Klimawandel bedrohten Umwelt zugrunde gelegt. Das Dokument enthält einen ausführlichen Fahrplan und umreißt notwendige Schritte und Prioritäten für koordinierte internationale und nationale Maßnahmen.
Die Delegierten betonten auch, dass der Gesundheitssektor in allen Ländern einer der energiehungrigsten Sektoren sei und daher im Abbau von Treibhausgasemissionen durch einen rationelleren Energieverbrauch vorangehen könne. Sie vereinbarten auch, die Frühwarn- und Notfallsysteme für extreme Wetterereignisse und Krankheitsausbrüche zu stärken.
„Ein wesentlicher Teil der Bevölkerung in der Region leidet an umweltbedingten Gesundheitsproblemen. Schwache Bevölkerungsgruppen wie Kinder, Schwangere und sozial benachteiligte Menschen sind besonders betroffen. Die politischen Entscheidungsträger stehen hier in der Verantwortung. Die Europäische Kommission wird ihren Teil dazu beitragen, in allen Politikbereichen der Europäischen Union die Aufmerksamkeit auf gesundheitliche Konsequenzen der Umweltbedingungen zu lenken“, sagte der Europäische Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik John Dalli.
„Umwelt- und Gesundheitsthemen in die Konzepte anderer Sektoren (wie Verkehr, Energie, Industrie oder Landwirtschaft) einzubeziehen und damit verbundene Investitionen zu tätigen würde Schäden mindern und Unterlassungskosten einsparen. Umwelt- und gesundheitspolitische Ziele können auch die Innovation beschleunigen und zu mehr Wettbewerb anspornen. Derzeit liegt die wichtigste Herausforderung darin, den Sorgenthemen im Bereich von Umwelt und Gesundheit durch sozioökonomische Konzepte zu begegnen. Die Erklärung von Parma bedeutet einen wichtigen Schritt zu vereinten Bemühungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene in dieser Richtung“, sagte die italienische Ministerin für Umwelt-, Landschafts- und Meeresschutz Stefania Prestigiacomo.
„Die Konferenzergebnisse bedeuten mehr Verantwortung für den Gesundheitssektor. Die gesundheitlichen Konsequenzen der Umweltbedingungen sind oft durch bekannte Maßnahmen in der Primärprävention und der Gesundheitsversorgung in den Griff zu bekommen, doch kann der Gesundheitssektor auch darin vorangehen, andere Sektoren vom Nutzen einer geringeren Risikoexposition zu überzeugen“, bemerkte der italienische Gesundheitsminister Prof. Ferruccio Fazio.
Im September 2010 werden Mitgliedstaaten in Moskau zur 60. Tagung des Regionalkomitees für Europa zusammenkommen und durch dieses auf Ebene der Region höchste beschlussfassende Gremium der WHO die Konferenzergebnisse mit einer Resolution unterstützen.
Von 2010 an wird der Prozess Umwelt und Gesundheit in Europa durch eine Reihe neuartiger Veranstaltungen mit neuem Leben gefüllt.
Die in Parma versammelten Regierungsvertreter vereinbarten ferner, die politische Abstimmung zwischen den turnusmäßigen Ministerkonferenzen zu stärken und die Ministerebene fortan direkt an der Leitung des Prozesses zu beteiligen, damit sektorübergreifende Themen die größtmögliche politische Aufmerksamkeit erhalten.
Im Jahr 2016 werden Minister aus den 53 europäischen Mitgliedsstaaten zur Sechsten Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit erneut zusammenkommen.
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