
Budapest, Kopenhagen und Rom, 16. Juni 2011
Jahr für Jahr werden in der Europäischen Region der WHO mindestens vier Mio. ältere Menschen körperlich misshandelt: sie werden geschlagen, geboxt, getreten, ihnen werden Verbrennungen zugefügt, sie werden mit einem Messer verletzt oder sie werden eingesperrt. Wissenschaftliche Studien finden sogar Hinweise darauf, dass jedes Jahr bis zu 2500 ältere Menschen von Verwandten umgebracht werden. So lauten die wichtigsten Ergebnisse des neuen Europäischen Berichts zur Prävention von Misshandlungen älterer Menschen, der vom Regionalbüro heute in Budapest auf der 3. europäischen Konferenz über Verletzungsprävention und mehr Sicherheit vorgestellt wird. Der Bericht zeigt erstmals Umfang, Ursachen und Folgen der Misshandlung älterer Menschen auf und enthält auch eine Übersicht erfolgreicher Präventionspraktiken.
„Das ist schockierend“, ist der Kommentar von WHO-Regionaldirektorin für Europa Zsuzsanna Jakab zu den Zahlen aus dem Bericht. „Durch diese Misshandlungen wird das Leben älterer Menschen zerstört und ihr seelisches und körperliches Wohlbefinden zu einem Zeitpunkt beeinträchtigt, zu dem sie ohnehin sehr verletzbar sind. Die europäische Bevölkerung altert schnell und die Regierungen müssen diesem gesundheitlichen und gesellschaftlichen Skandal schnell ein Ende machen. Der Bericht wird ihnen dabei helfen.“
2050 wird in der Region ein Drittel der Bevölkerung aufgrund steigender Lebenserwartung und sinkender Geburtenraten 60 Jahre und älter sein. Für die Pensionen sowie die Gesundheits- und Sozialversorgung werden dann zusätzliche Mittel benötigt. Weil eine größere Zahl älterer Menschen von jungen Pflegekräften abhängig sein wird, werden ökonomische, soziale und familiäre Strukturen gerade in Zeiten knapper Kassen zusätzlich belastet. Das könnte dann dazu führen, dass die Zahl der misshandelten Menschen sogar noch zunimmt.
Der neue Bericht bezieht sich auf die 53 Länder der Europäischen Region der WHO und die in ihnen stattfindende physische, sexuelle, psychische und finanzielle Schädigung und Verwahrlosung, sei es im familiären Umkreis oder in Wohn- und Pflegeheimen. Neben vier Mio. Fällen körperlicher Misshandlung kommt es jedes Jahr zu:
Ältere Menschen, die an Demenz und Behinderung leiden, unterliegen einem größeren Missbrauchsrisiko. Sie sind stärker abhängig und wohnen als Opfer vielleicht sogar unter einem Dach mit dem Täter. Missbrauch erfolgt am ehesten in Ländern niedrigen und mittleren Volkseinkommens und hier in den ärmsten Gesellschaftsschichten.
Die Misshandlung älterer Menschen ist immer noch ein Tabuthema für die Gesellschaft und wird oft ignoriert oder nicht vollständig erfasst. Dennoch erzielt es als gemeinsame Herausforderung für Staat und Gesellschaft zusehends die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Politik.
Gesundheitssysteme können wichtige Angebote für Menschen machen, die durch Misshandlung physisch, sexuell und/oder psychisch geschädigt werden. Sie sind auch für die Überzeugungsarbeit und die Koordinierung präventiver Maßnahmen von zentraler Bedeutung.
Der Bericht des Regionalbüros, der unter Mitwirkung internationaler Experten aus Bereichen wie Gesundheit, Justiz und Soziales entstand, bietet Politikern, Praktikern und Entwicklungsagenten Orientierungspunkte zu evidenzbasierten Präventionsansätzen gegen die Misshandlung älterer Menschen. Als Maßnahmen werden angeregt:
Dr. Dinesh Sethi
Programmleiter (kommissarisch), Gewalt- und Verletzungsprävention
Europäisches Zentrum für Umwelt und Gesundheit, Büro Rom
WHO-Regionalbüro für Europa
Tel.: +39 06 4877526
E-Mail: din@ecr.euro.who.int
Cristiana Salvi
Fachreferentin, Kommunikation
Europäisches Zentrum der WHO für Umwelt und Gesundheit, Büro Rom
WHO-Regionalbüro für Europa
Tel.: +39 06 4877543, +39 3480192305 (Mobiltelefon)
E-Mail: csa@ecr.euro.who.int
Liuba Negru
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
WHO-Regionalbüro für Europa
Tel.: +45 39 17 13 44,
+45 20 45 92 74 (Mobiltel.)
E-Mail: lne@euro.who.int
Wenn Sie Nachrichten und Pressemitteilungen erhalten möchten, registrieren Sie sich bitte per E-Mail (medialist@euro.who.int).