WHO und UNICEF fordern offene Schulen in Europa und Zentralasien und wirksameren Schutz vor COVID-19

WHO/Malin Bring

Weitere Auskunft erteilt:

Sarah Tyler
WHO-Regionalbüro für Europa
E-Mail: eupress@who.int

Ian Woolverton
WHO-Regionalbüro für Europa
E-Mail: eupress@who.int

Bhanu Bhatnagar
WHO-Regionalbüro für Europa
E-Mail: eupress@who.int

Shima Islam
UNICEF
E-Mail: ssislam@unicef.org

Kopenhagen/Genf, 30. August 2021

Nun, da Millionen Kinder in der gesamten Europäischen Region, wo die hochansteckende Delta-Variante von COVID-19 dominant ist, in die Schule zurückkehren, fordern das WHO-Regionalbüro für Europa und das Regionalbüro für Europa und Zentralasien des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF), die Schulen offen zu halten und sie durch geeignete Maßnahmen zur Minimierung der Übertragung des Virus wirksamer zu schützen.

Dazu gehören die Aufnahme von Lehrern und anderem schulischen Personal als Zielgruppen in nationale Impfpläne gegen COVID-19 bei gleichzeitiger Sicherstellung der Impfung aller besonderes gefährdeten Gruppen. Darüber hinaus müssen auch Kinder ab zwölf Jahren mit Vorerkrankungen, die die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs von COVID-19 erhöhen, geimpft werden. Ebenfalls wichtig sind Verbesserungen in der schulischen Umgebung durch bessere Belüftung von Klassenzimmern, möglichst kleinere Klassengrößen, Abstandhalten und regelmäßige Tests für Kinder und schulisches Personal.

„Die Pandemie hat zur verheerendsten Beeinträchtigung des Unterrichts in unserer Geschichte geführt. Daher kommt es entscheidend darauf an, dass in der gesamten Europäischen Region der WHO das Lernen im Klassenzimmer ohne weitere Unterbrechungen fortgesetzt wird. Dies ist von entscheidender Bedeutung für die Bildung, die psychische Gesundheit und die sozialen Fähigkeiten unserer Kinder und dafür, dass sie in den Schulen zu zufriedenen und produktiven Mitgliedern der Gesellschaft heranreifen können“, erklärt Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa.

„Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir die Pandemie hinter uns lassen, aber die Bildung unserer Kinder in einem sicheren Präsenzunterricht muss unser oberstes Ziel bleiben, damit wir sie nicht der Chancen berauben, die sie verdienen. Wir ermutigen alle Länder dazu, die Schulen offen zu halten, und appellieren dringend an alle Schulen, Maßnahmen zur Minimierung der Gefahr einer Ansteckung mit COVID-19 sowie der Ausbreitung neuer Varianten einzuführen.”

Erhöhung des Impftempos zum Schutz vor der Delta-Variante

Die hochansteckende Delta-Variante gibt zu Beginn des neuen Schuljahrs Anlass zu zusätzlicher Besorgnis und erhöht die Komplexität der Situation. Die hohe Inzidenz von COVID-19 in der Bevölkerung erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Virus an Schulen deutlich. Deshalb müssen wir alle einer solchen Übertragung energisch entgegenwirken.

Die Daten verdeutlichen, dass eine vollständige Impfung gegen COVID-19 die Gefahr eines schweren oder tödlichen Krankheitsverlaufs erheblich reduziert. Wer ein Impfangebot erhält, muss dieses wahrnehmen und dafür sorgen, dass er vollständig geimpft ist.

„Impfungen sind unser bester Schutz vor dem Virus, und um die Pandemie zu beenden, müssen wir schnell und in ausgewogener Weise in allen Ländern den Impfbetrieb ausweiten und auch die Impfstoffherstellung und die Verteilung von Dosen fördern, um überall die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu schützen. Darüber hinaus müssen wir die bewährten gesundheitlichen und sozialen Maßnahmen wie Tests, Sequenzierung, Kontaktermittlung, Isolation und Quarantäne fortsetzen“, fügte Dr. Kluge hinzu.

Sicherere Schulen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Milena Maric, die an einem Gymnasium in Belgrad Mathematik unterrichtet, ist vollständig gegen COVID-19 geimpft. Sie sagt: „Fast zwei Jahre lang war unser Leben von COVID-19 und Online-Unterricht geprägt. Zu Beginn der Pandemie hat sich das Schulsystem in Serbien schnell angepasst. Doch den Schülern fehlte es an Kontinuität, sozialen Kontakten, gemeinsamem Arbeiten, Ideenaustausch in Echtzeit und Kommunikation ohne Technologie. Für mich steht fest: Der einzige Ausweg aus dieser Situation ist es, uns weiter an diese Maßnahmen zu halten, um die Übertragung des Virus zu verhindern, und alle Lehrer zu impfen.“

Philippe Cori, Stellvertretender UNICEF-Regionaldirektor für Europa und Zentralasien, erklärte: „Die Pandemie ist noch nicht vorüber“: Wir alle müssen unseren Beitrag leisten, damit die Schulen in der gesamten Europäischen Region offen bleiben können. Wir dürfen unseren Kindern und Jugendlichen kein weiteres Jahr solcher Beeinträchtigungen des Unterrichts zumuten. Impfungen werden in Verbindung mit Schutzmaßnahmen eine Rückkehr der schlimmsten Tage der Pandemie verhindern, als die Menschen einen Lockdown ertragen mussten und die Kinder erhebliche Störungen im Schulbetrieb erlebten.“

„Kinder sind die stummen Opfer der Pandemie, und Kinder aus marginalisierten Schichten sind am stärksten betroffen. Schon vor COVID-19 waren am anfälligsten jene Kinder, die nicht zur Schule gingen, oder solche, die zwar zur Schule gingen, aber nicht in demselben Maße vom Unterricht profitierten wie ihre Klassenkameraden.“

„Eine Schule ist weit mehr als nur ein Gebäude: sie ist ein Ort des Lernens, der Geborgenheit und des Spiels – im Herzen unserer Gesellschaft. Wenn Schulen geschlossen werden, verlieren die Kinder: beim Lernen, bei den Kontakten mit ihren Freunden und wenn sie zuhause Gewalt ausgesetzt sind. Die Pandemie hat eine bereits zuvor unhaltbare Situation noch verschärft. Wir müssen dafür sorgen, dass die Schulen wieder öffnen und dass sie unter Wahrung der Sicherheit geöffnet bleiben können.“

Fachliche Empfehlungen

Um weiter einen sicheren Präsenzunterricht gewährleisten zu können, hat die WHO zusammen mit dem UNICEF und der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) insgesamt acht fachliche Empfehlungen angenommen, die vom Fachlichen Beirat  der Europäischen Region zum Thema Schulbetrieb während der COVID-19-Pandemie ausgearbeitet wurden. Sie richten sich an die 53 Mitgliedstaaten der WHO in der Europäischen Region:

  1. Schulen sollten mit als Letztes geschlossen und mit als Erstes wieder geöffnet werden.
  2. Festlegung einer Teststrategie.
  3. Gewährleistung wirksamer Risikominderungsmaßnahmen.
  4. Schutz des seelischen und sozialen Wohlbefindens der Kinder.
  5. Schutz der am stärksten schutzbedürftigen und marginalisierten Kinder.
  6. Verbesserung des schulischen Umfelds.
  7. Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in Entscheidungsprozesse.
  8. Einführung einer Impfstrategie, um die Kinder im Präsenzunterricht zu halten.